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Wirtschaft Regional Kammerpräsident: Handwerker in der Region freuen sich über ungebrochen hohe Nachfrage
Nachrichten Wirtschaft Wirtschaft Regional Kammerpräsident: Handwerker in der Region freuen sich über ungebrochen hohe Nachfrage
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22:04 30.01.2019
Die Bau- und Ausbaugewerke sind gegenwärtig die Zugpferde in der Branche. Quelle: dpa
Leipzig

Im regionalen Handwerk ist von einer Konjunkturabschwächung offenkundig nichts zu spüren. „Grundsätzlich blicken unsere Betriebe optimistisch in das Jahr 2019“, sagte der Präsident der Handwerkskammer Leipzig, Claus Gröhn, im Gespräch mit der LVZ. Die Nachfrage sei stabil und auch die Bereitschaft des Handwerks, zu investieren, „wird in diesem Jahr wohl noch nicht abreißen“.

Die Bau- und Ausbaugewerke seien gegenwärtig die Zugpferde in der Branche. Sorgen bereiteten die Lebensmittelhandwerke, die sehr personalintensiv seien und mit der Industrie konkurrierten. „Bewusstere Verbraucherentscheidungen und geänderte Ernährungsgewohnheiten können aber eine große Chance für handwerklich hergestellte Lebensmittel bieten“, erklärte Gröhn.

Damit knüpft die selbst ernannte „Wirtschaftsmacht von nebenan“ an 2018 an. Leider habe das Jahr nur 365 Tage gehabt, sagte Gröhn schmunzelnd. Für viele seiner Betriebe hätten es durchaus ein paar Tage mehr sein können. Denn „die Nachfrage nach handwerklichen Leistungen war ungebrochen hoch“. Durch die erwirtschafteten Umsätze hätten zahlreiche Firmen die Erhöhung der Zuliefererpreise und Personalkosten zum Teil kompensieren können.

Auch der Beitrag des Handwerks zum Steueraufkommen sei nicht unwesentlich. „Umso mehr ärgert mich, dass Bundesfinanzminister Olaf Scholz die Lorbeeren für die Steuerüberschüsse geerntet hat.“ Schließlich sei das Aufkommen von den Arbeitnehmern und den Arbeitgebern erarbeitet worden.

„Gerade in der gegenwärtigen Nullzinsphase ist es für mich völlig unverständlich, dass die Leistungsträger unserer Gesellschaft nicht spürbar steuerlich entlastet werden“, kritisierte der oberste regionale Handwerker. Durch die eingesparten Milliarden aus dem Kapitaldienst von Bund, Ländern und Kommunen wäre eine solche Entlastung absolut geboten gewesen. Sie würde auch dem inflationsbedingten Kaufkraftverlust entgegenwirken.

Bauchschmerzen bereitet dem Präsidenten die Debatte um die Mindestausbildungsvergütung. „Insbesondere im Friseurhandwerk verspüre ich eine große Verunsicherung.“ Den Satz „Dann kann ich nicht mehr ausbilden“, habe er mehr als nur einmal gehört. „Mich ärgert bei dieser Diskussion, dass die Leistung, die die Betriebe bei der Ausbildung junger Menschen erbringen, offensichtlich überhaupt nicht gewürdigt wird“, betonte Gröhn. Das Thema werde auf die Vergütung verengt, obwohl der Aufwand, den die Handwerksfirmen im Rahmen der Ausbildung hätten, um ein Vielfaches höher sei.

Überhaupt bestimme das Nachwuchsthema viele Diskussionen im regionalen Handwerk. Hier habe die Abschaffung der Meisterpflicht im Jahr 2004 für viele Gewerke ihre Spuren hinterlassen. Ohne Meister keine Ausbildung. Gleichzeitig müssten die Betriebe aber eben auch „unfaire politische Rahmenbedingungen“ ausbaden. Solange die akademische und die berufliche Bildung mit unterschiedlichen Voraussetzungen ins Rennen um den Nachwuchs gingen, solange werde das Problem nicht gelöst.

„Akademische Nachwuchskräfte kommen quasi zum Nulltarif auf den Markt, da der Staat die universitäre Ausbildung vollfinanziert“, betonte Gröhn. „Unsere Gesellinnen und Gesellen werden dagegen in den Betrieben mit einem hohen zeitlichen und finanziellen Einsatz der Handwerker ausgebildet.“

Zwar sei es im Kammerbezirk gelungen, im vorigen Jahr die Zahl der Betriebe um 100 auf 11 860 zu steigern. Zusammen beschäftigen sie 90 000 Frauen und Männer. Um dem altersbedingten Ausscheiden von Unternehmern zu begegnen, reiche dieser positive Trend aber nicht. „Das größte Hemmnis für die Gründung neuer Betriebe ist der Wust an bürokratischen Lasten, die ein Unternehmer stemmen muss. Da kann einem schon die Lust vergehen.“

Wenn man den Blick noch weiter in die Zukunft richte, sei ganz klar die Forderung zu erheben, dass sich Selbstständigkeit wieder lohnen müsse. Dem finanziellen Risiko, welches ein Gründer eingehe, müssten ein angemessener Ertrag und unternehmerfreundliche Rahmenbedingungen gegenüberstehen.

Hier drohe die Bürokratie zur Konjunkturbremse zu werden. „Wer nur darüber nachdenkt, nichts falsch zu machen, hat den Kopf nicht frei für Innovationen und Unternehmergeist“, meinte der Chef-Handwerker.

Von Ulrich Milde

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