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Wirtschaft Regional Leipzig, Dresden, Görlitz – Siemens lagert komplette Kraftwerkssparte aus
Nachrichten Wirtschaft Wirtschaft Regional Leipzig, Dresden, Görlitz – Siemens lagert komplette Kraftwerkssparte aus
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21:10 08.05.2019
Geht jetzt zusammen mit der kompletten Kraftwerkssparte an die Börse: Das Siemens-Verdichterwerk in Leipzig-Plagwitz Quelle: Armin Kühne
München/Leipzig

Siemens hat genug vom seit Jahren kriselnden Kraftwerksgeschäft – und will sich jetzt von der kompletten Sparte trennen. Im kommenden Jahr soll der Bereich, der bisher mehr als ein Drittel zum Konzernumsatz beisteuerte, als eigene AG an die Börse gehen. Betroffen sind auch fünf Werke in Mitteldeutschland – mit zusammen 1840 Mitarbeitern.

Der eigentlich geplante Verkauf des Verdichterwerks in Leipzig-Plagwitz an einen Investor ist damit vom Tisch. Es soll nun zusammen mit den Fabriken in Görlitz (Dampfturbinen), Erfurt (Generatoren), Dresden (Trafos) und Zwönitz im Erzgebirge (Isolatoren) zur neuen AG wechseln. Bei Siemens bleibt dagegen der zweite Leipziger Standort, der Schaltanlagenbau in Böhlitz-Ehrenberg mit 370 Mitarbeitern.

Das Konzept sei vom Aufsichtsrat am Dienstag einstimmig abgesegnet worden, sagte Konzernchef Joe Kaeser nach dem Beschluss auf einer kurzfristig angesetzten Pressekonferenz. Von einer Zerschlagung des Traditionskonzerns könne aber keine Rede sein, wehrte der Konzernchef ab. „Wir zerschlagen nichts. Wir schaffen neue Unternehmen und sorgen für Perspektiven – für die Anteilseigner, für die Mitarbeiter und für die Kunden.“

Gemischte Gefühle im Plagwitzer Werk

Im Werk in Leipzig-Plagwitz wurde die Ankündigung mit gemischten Gefühlen aufgenommen. Er selbst habe von den Plänen auch nur aus den Medien erfahren, sagte Betriebsratschef Thomas Clauß. „Und erstmal hat das auf uns ja keine Auswirkungen, außer dass wir eine neue Mutterfirma bekommen.“ Allerdings sei völlig offen, wie es dann nach dem Börsengang weitergeht. Und auch die angekündigte Neuausrichtung des Leipziger Werks dürfte sich nun noch länger hinziehen. „Das bedeutet für uns lähmenden Stillstand.“

Noch vor anderthalb Jahren hatte Siemens geplant, die Werke in Leipzig-Plagwitz und Görlitz zu schließen und Erfurt zu verkaufen. Erst nach heftigen Protesten aus Politik und Belegschaft war Kaeser damals zurückgerudert: Die Schließung in Görlitz wurde abgeblasen, der Verkauf in Erfurt gestoppt. Stattdessen wurde nun für Leipzig ein Investor gesucht, der das Werk mit seinen 270 Mitarbeitern doch fortführt. Das ist jetzt vom Tisch. Stattdessen will Siemens gleich die ganze Sparte abgeben – samt der drei umkämpften Werke.

Hinzu kommen das Trafowerk in Dresden mit 260 Mitarbeitern, das seit 1991 zu Siemens gehört, und die Isolatorenfabrik in Zwönitz (60 Mitarbeiter). Beide gehören seit 1. April zu der neuen Sparte Gas & Power, die Siemens nun an die Börse bringen will. Als Mitgift gibt Kaeser der neuen Firma die spanische Windkrafttochter Gamesa mit auf den Weg. Damit kommt die künftige AG auf weltweit 88 000 Mitarbeiter, davon gut 20 000 in Deutschland, und rund 30 Milliarden Euro Jahresumsatz.

Börsengang soll erst in über einem Jahr erfolgen

Endgültig besiegelt werden soll die Abspaltung aber erst im Juni kommenden Jahres auf einer außerordentlichen Hauptversammlung der Siemens-Aktionäre, im September will Kaeser die neue Firma dann an die Börse bringen. Zunächst wolle man die Aktien an die bisherigen Siemens-Aktionäre ausgeben.

Ganz zurückziehen werde sich Siemens aber nicht: Der Konzern wolle mit 25 bis 49 Prozent beteiligt bleiben. Kaeser: „Das Unternehmen hat in Siemens einen wichtigen Ankerinvestor.“ Dem Vernehmen nach hatte Siemens aber auch den Verkauf der kompletten Sparte an einen Investor erwogen. Das war am Ende am Widerstand der Arbeitnehmer gescheitert.

Wie die neue Firma heißen und wo sie ihre Zentrale haben wird, ist noch offen. Ob sie denn das Wort Siemens im Namen tragen werde? „Ja“, sagte Kaeser knapp. Schon klar ist, wer an der Spitze stehen soll: Lisa Davis, die bisher schon von Texas aus die Sparte leitet.

Verkauf des Leipziger Werks im Januar gestoppt

Den Verkauf des Leipziger Werks hatte Siemens bereits im Januar gestoppt, wie ein Siemens-Sprecher am Mittwoch gegenüber der LVZ bestätigte. „Der Verkauf als eine Option zur Zukunftssicherung der Gesellschaft wird momentan nicht weiterverfolgt.“ Die alten Schließpläne will Siemens deswegen aber nicht wieder aus der Schublade holen. „Auch die Schließung des Standortes ist zum jetzigen Zeitpunkt keine Option.“

Offiziell begründet wurde der Strategieschwenk in Leipzig mit den unzureichenden Geboten, die für das Werk eingegangen waren. Beobachter schließen aber nicht aus, dass Siemens dem Börsengang der kompletten Sparte nicht vorgreifen wollte. Denn an den Plänen wurde bereits seit Monaten gearbeitet, erklärte Kaeser – unter dem bezeichnenden Decknamen „Powerhouse“. Denn genau das soll die neue börsennotierte Firma laut Kaeser werden. Selbst einen Aufstieg in den Leitindex Dax kann er sich vorstellen.

Von Frank Johannsen

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