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Wirtschaft Regional Leipziger Lerchen statt Zahnräder? Wie sich Sachsens Zulieferer fit machen für die E-Mobilität
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19:06 14.05.2019
Liefer bisher vor allem Getriebeteile für die Marken des VW-Konzerns: Die Neuen Zahnradwerke Leipzig (NZWL) in Liebertwolkwitz. Quelle: André Kempner
Leipzig

Kommt nach dem Elektro-Macan bald auch der voll autonom fahrende Porsche? Joachim Lamla, kaufmännischer Geschäftsführer im Werk, winkt ab. „Ein Porsche wird immer ein Lenkrad haben.“ Natürlich werde es Funktionen wie das Alleinfahren im Stau oder das selbstständige Einparken geben. Aber ganz aus der Hand nehmen werde man den Kunden das Lenkrad nie. „Bei uns kommt ja auch immer der Spaßfaktor hinzu.“ Das gehe ihm selbst als Autofahrer ja auch nicht anders. „Wenn ich auf der Fahrt in den Skiurlaub im Stau stehe, lasse ich mir das Fahren gern abnehmen. Aber wenn ich dann in den Alpen auf den Pässen bin, will ich schon selbst fahren.“

Autonomes Fahren war aber eigentlich nur ein Randthema bei dem Clusterfrühstück der Autobranche, dass das Leipziger Amt für Wirtschaftsförderung am Dienstag organisierte. Im Mittelpunkt stand der Antrieb – der in Zukunft immer öfter elektrisch sein soll. Bei Porsche soll 2025 bereits jedes zweite Auto elektrisch fahren – die Hälfte davon rein elektrisch, die andere Hälfte als aufladbarer Plug-in-Hybrid mit zusätzlichem Benziner. „Und ich glaube, der batterieelektrische Anteil könnte sogar noch etwas höher ausfallen“, sagte Lamla.

Porsche peilt 2015 schon 50.000 E-Macan an

„Ich denke, Taycan und Elektro-Macan werden dann 30 bis 40 Prozent abdecken.“ Und der Löwenanteil werde dabei auf den E-Macan entfallen, ist sich Lamla sicher. Denn vom Taycan, der noch in diesem Jahr im Stuttgarter Stammwerk anlaufen wird, sind pro Jahr nur 20.000 Stück geplant. „Mit dem Macan kommt dann die richtige Stückzahl.“ Eine konkrete Produktionszahl wollte Lamla zwar nicht nennen. Um auf 30 bis 40 Prozent Elektroanteil zu kommen, müssten es rein rechnerisch aber mindestens 50.000 Elektro-Macan sein.

Ob auch der Taycan zusätzlich zu Stuttgart in Leipzig gebaut werden könnte? „An der Stelle sind wir noch nicht“, winkte Lamla ab. Dabei gibt es schon jetzt so viele Vorbestellungen für den E-Sportwager, der erst im Herbst anläuft, dass die erste Jahresproduktion bereits ausverkauft ist. Gerüchten zufolge soll es daher bereits Überlegungen geben, weitere Varianten wie den höhergelegten Kombi Cross Turismo nicht in Stuttgart zu bauen, sondern in Leipzig.

Betriebsrat verhinderte Taycan-Zuschlag für Leipzig

Denn anders als im Stammwerk gibt es hier noch jede Menge Platz für Erweiterungen. Schon den Taycan selbst wollte Porsche Chef Oliver Blume deswegen eigentlich in Leipzig bauen. Doch der damalige Betriebsratschef Uwe Hück sorgte dann dafür, dass das Zukunftsprojekt ins Stammwerk kommt. Stattdessen erhielt Leipzig den Zuschlag für den E-Macan. Dafür baut Porsche das Werk jetzt massiv aus – für 600 Millionen Euro.

Ob der Umstieg auf die Elektromobilität am Ende nicht sogar Jobs kostet? Schließlich sind E-Autos deutlich weniger arbeitsintensiv als Benziner und Diesel. Zumindest für Porsche in Leipzig sieht Lamla keine Gefahr. „Wir haben Glück, dass wir keine eigene Motorenfertigung haben. Wir haben hier keine Brüche, die wir nicht handeln können.“ Durch den E-Macan sollen sogar noch einmal 400 Jobs hinzukommen. Bisher sind es 4300.

Elektro-Roller und E-Sportwagen mit Getriebe aus Sachsen

Härter könnte es die Zulieferer treffen, etwa die Neuen Zahnradwerke Leipzig (NZWL), die Getriebe und Getriebeteile auch für Porsche zuliefern. Davon will sich Timo Bartsch, Geschäftsleiter Qualität bei NZWL, aber nicht verunsichern lassen. „Wir dürfen nicht den Kopf in den Sand stecken, sondern müssen das als Chance auffassen.“

Denn auch E-Autos kämen nicht ganz ohne Zahnräder aus. „Da gibt es zwar nur Getriebe mit einem oder zwei Gängen. Die sind nicht so komplex wie ein Sieben-Gang-Doppelkupplungsgetriebe. Aber auch die haben Zahnräder.“ Und NZWL habe hier bereits erste Erfahrungen: Seit 2012 werden Getriebe für einen E-Roller hergestellt, seit 2017 auch Zwei-Gang-Getriebe für einen Kleinserien-Elektro-Sportwagen.

Und wenn sich am Ende der Nabenmotor direkt in den Rädern durchsetzt, der ganz ohne Getriebe auskommt? Der Einwurf von Professor Cornel Stan von der Westsächsischen Hochschule Zwickau, der die Veranstaltung moderierte, brachte Bartsch dann doch etwas ins Schwitzen. Mit Zahnrädern ließe sich dann kaum noch punkten, räumte der Manager ein. Aber auch dafür wusste er eine Lösung: „Da müssten wir dann wohl Leipziger Lärchen backen.“

Von frank Johannsen

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