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Wirtschaft Regional Leipziger Omniphon-Gruppe will unter neuem Eigner kräftig wachsen
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18:57 08.03.2019
Andreas Prokop will mit Omniphon durchstarten. Quelle: OmniGroup
Leipzig

Prokop stieg zusammen mit zwei Beteiligungsgesellschaften der sächsischen Sparkassen bei Omniphon ein – und übernimmt jetzt selbst den Job des Geschäftsführers. In ihrem Kerngeschäft – Marktforschung und Marketing für Stadtwerke und Verkehrsbetriebe – habe sich Omniphon „in den vergangenen Jahren weit über die Region Leipzig hinaus einen hervorragenden Ruf erarbeitet“, begründete Prokop seinen Einstieg.

„Das Unternehmen ist kerngesund und erfolgreich“, so der 51-Jährige. Und im Zuge von Energiewende und Elektromobilität gebe es gewaltiges Wachstumspotenzial. Das wolle er nun zusammen mit den beiden Sparkassen-eigenen Geldgebern nutzen und bundesweit zulegen.

Omniphon ist darauf spezialisiert, für kommunale Energieversorger und Verkehrsbetriebe den Markt zu erforschen und dann auch Marketing und Vertrieb zu übernehmen. Die Mitarbeiter sitzen etwa in Bahnen, erfassen, wo Menschen ein- und aussteigen, befragen die Fahrgäste und führen auch Umfragen am Telefon durch. Zudem werden am Telefon auch Produkte wie etwa neue Stromtarife angeboten und an der Hotline dann auch Tarifwechsel betreut. Zu den Kunden gehören etwa die Stadtwerke in Leipzig und München sowie der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr.

Mitarbeiterzahl soll steigen

300 Mitarbeiter in Leipzig – davon 100 in Vollzeit – bieten die Dienste inzwischen bundesweit und auch in Österreich an. Hinzu kommen 2000 Abrufkräfte in ganz Deutschland, die je nach Auftrag die Befragungen vor Ort übernehmen. Im Schnitt seien davon immer 200 im Einsatz. Und um seinen Job müsse sich niemand sorgen, versichert Prokop. „Wir machen weiter wie gewohnt. Es gibt keinen Stellenabbau.“ Ganz im Gegenteil: Das angestrebte Wachstum soll sogar neue Jobs schaffen. „Die Mitarbeiterzahl wird weiter wachsen, auch in Leipzig.“

Aber wohl nicht mehr ganz so schnell wie in den vergangenen Jahren, als sie innerhalb von nur sechs Jahren von 120 auf 300 stieg. Denn viele Aufgaben will Prokop in Zukunft digital erledigen. Dadurch werde man weniger Mitarbeiter brauchen, die Befragungen per Telefon oder im Außeneinsatz durchführen. „Dafür stocken wir im Bereich Digitales auf.“ Und davon werde vor allem die Zentrale in Leipzig profitieren.

Niederlassungen in Dresden und München geplant

Zudem will Prokop erstmals auch Niederlassungen in anderen Städten aufbauen. Die ersten drei sollen bis Ende 2020 stehen: München, Rheinland und Dresden, wo Omniphon bereits seit Jahren im Bereich Marktforschung mit der dortigen TU kooperiert. Und auch Zukäufe sind geplant. Er sei bereits auf der Suche nach geeigneten Übernahmekandidaten, sagte Prokop.

Die Verquickung von Marktforschung und Marketing hatte der Firma 2011 eine Rüge des Rats der Deutschen Markt- und Sozialforschung eingebracht. Beide Bereiche wurden daraufhin getrennt, die Marktforschung in die eigene Tochter Omnitrend mit separatem Sitz und eigenem Callcenter ausgelagert. Seither seien beide Bereiche sauber getrennt, versichert Prokop.

Sparkassenfonds als Geldgeber an Bord

Omniphon war 1999 von Uwe Harzer, Jochen Heller, Alexander Probst und Ronny Wetterling gegründet worden, die sich seither die Geschäftsführung teilten. Jetzt suchten sie einen Nachfolger. Prokop selbst hält künftig 60 Prozent, mit je 20 Prozent stiegen die Sparkasse Leipzig (über ihre Tochter S-Beteiligungen) und der Wachstumsfonds Mittelstand Sachsen (WMS), hinten dem ebenfalls drei Sparkassen sowie die Landesbank LBBW und der Freistaat Sachsen stehen, ein. Die vier Gründer bleiben aber als Mitarbeiter und Berater an Bord, versichert der neue Chef.

„Die Unternehmensnachfolge der Omniphon-Gruppe stärkt den Dienstleistungsstandort Leipzig und zeigt welche Entwicklungsperspektiven die Region in diesem Bereich hat“, sagte Stefan Leermann von S-Beteiligungen. „Der angestrebte Wachstumskurs war für uns zusätzliche Motivation zur Begleitung der Unternehmensnachfolge“, fügte WMS-Chef Harald Rehberg hinzu.

Ein Jahr vor Pleite bei Unister ausgestiegen

Prokop selbst taucht damit knapp vier Jahren nach seinem Ausstieg bei Unister wieder an der Spitze eines Leipziger Unternehmens auf. Der inzwischen verstorbene Unister-Gründer Thomas Wagner hatte den gebürtigen Leipziger 2013 von Siemens abgeworben und zum operativen Chef der Internet-Firma (ab-in-den-urlaub.de, fluege.de) ernannt. Prokop sollte die bereits damals strauchelnde Gruppe wieder auf Vordermann bringen.

Doch der Manager, der zu DDR-Zeiten Ingenieur bei Robotron war, konnte sich mit seinen Ideen nicht gegen Wagner durchsetzen, berichtet er heute. Mitte 2015 verließ er die Firma wieder. Ein Jahr später war Unister pleite. Wagner selbst war zuvor unter mysteriösen Umständen bei einem Flugzeugabsturz in Slowenien ums Leben gekommen.

Zu Omniphon kam Prokop eher durch Zufall: Nach seinem Abschied bei Unister hatte er sich als Unternehmer darum gekümmert, Internetportale aufzubauen und Firmen bei der Unternehmensnachfolge zu beraten. So kamen 2018 auch die Omniphon-Gründer auf ihn zu. Die Firma gefiel ihm dann so gut, dass er am Ende beschloss, nicht nur zu beraten, sondern selbst einzusteigen. „Das ist ein so spannendes Unternehmen, in das ich mich einfach selbst einbringen muss.“

Von Frank Johannsen

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