Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Wirtschaft Regional Leipziger Uni-Ausgründung entwickelt neue Geheimrezeptur für Coca-Cola
Nachrichten Wirtschaft Wirtschaft Regional Leipziger Uni-Ausgründung entwickelt neue Geheimrezeptur für Coca-Cola
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:31 03.07.2019
Thomas Pfaadt (l.) und Marc Struhalla im hauseigenen Labor des Unternehmens C-Lecta in der Leipziger Bio-City. Quelle: Christian Modla
Leipzig

Auf den ersten Blick sehen die beiden Häufchen auf dem Tisch aus wie identisches weißes Pulver. Doch das sind sie keineswegs. „Probieren Sie doch mal“, fordert C-Lecta-Gründer und Geschäftsführer Marc Struhalla den ungläubigen Besucher seiner Firma auf. Und in der Tat: Süß sind zwar beide Pulver, doch das eine hinterlässt einen bitteren, fast schon metallischen Nachgeschmack. Das andere dagegen ist nur extrem süß, der Geschmack wirkt lange nach.

Bei beiden handelt es sich um Süßstoff, der aus der Stevia-Pflanze stammt und als Zuckerersatz eingesetzt wird. Doch während das Pulver mit dem bitteren Nachgeschmack bei Limonaden als Süßungsmittel in Limonaden längst gefloppt ist, könnte das Leipziger Unternehmen C-Lecta mit seinem Pulver die Lösung gefunden haben – und damit Großkonzernen wie Coca-Cola zu Millionenumsätzen verhelfen.

Bittere Beigeschmack machte Coke Life zum Flop

Für zuckerfreie oder mindestens reduzierte Produkte gibt es seit Jahren weltweit einen großen Markt, gesunde Ernährung liegt im Trend. Auch der Getränkeriese Coca-Cola brachte vor einigen Jahren eine grüne Dose seiner bekanntesten Limonade heraus, die sogenannte Coca-Cola Life. Ein Teil des Zuckers wurde durch aus Stevia gewonnen Süßstoff ersetzt, doch der bittere Beigeschmack schreckte viele Cola-Fans ab, das Produkte floppte weltweit. Zwar gibt es in der aus Südamerika stammenden Pflanze natürliche Glykoside, die in Zucker umgesetzt werden können, jedoch haben einige Arten diesen bitteren Beigeschmack. Die süßere Variante kommt hingegen nur in kleinen Mengen vor.

In Zukunft sollen die zuckerfreien Süßgetränke besser schmecken, hier kommt C-Lecta ins Spiel. Das Leipziger Unternehmen betreibt Enzym-Engineering und hat einen Weg gefunden, den aus der Stevia-Pflanze gewonnenen Süßstoff enzymatisch zu verändern. So entstehen größere Mengen des besser schmeckenden Süßstoffs. Bereits bei der Entwicklung arbeiteten die Leipziger mit einem Geschäftspartner zusammen, den sie offiziell nicht nennen dürfen. In der Fachpresse kursiert jedoch der Name Purecircle, ein börsennotierte Süßstoffhersteller aus den USA, zu dessen Kunden wiederum Coca-Cola gehört.

Patent stammt von der Uni Leipzig

Bis dahin war es allerdings ein langer Weg. Vor 15 Jahren entstand das Unternehmen als Ausgründung der Universität Leipzig. Der Biochemiker und Gründer Marc Struhalla ist noch heute bei C-Lecta als Geschäftsführer tätig, sein Mitbegründer stieg vor einigen Jahren aus. „Auch damals ging es schon um Enzymentwicklung. Unser erstes Patent haben wir der Uni abgekauft“, erinnert er sich.

Enzyme werden mithilfe eines aufwendigen Verfahrens entwickelt, es müssen sehr viele Varianten hergestellt werden, um die beste zu finden. Struhalla und sein Mitgründer hatten eine Möglichkeit gefunden, die Enzyme mit den besten Eigenschaften schneller und effizienter aufzuspüren. Anfangs bot das Unternehmen, das damals in die Leipziger Bio-City einzog, seine Dienstleistungen der Industrie an. Sie entwickelten Enzyme für die Herstellung von Waschmitteln oder Diabetesmedikamente. Doch sie wurden als Dienstleister nicht am Umsatz der Produkte beteiligt, die sie zu entwickeln halfen.

„Um weiter zu kommen, mussten wir selbst Produkte anbieten,“ sagt Struhalla. Um Treiber dieser Entwicklung zu sein, richtete das Unternehmen ein kleines Team ein, dass Produktideen entwickeln soll, die zu aktuellen Markttrends passen. „Es bringt nichts, darauf zu warten, dass die Industrie mit Ideen zu einem kommt“, so der Geschäftsführer.

Auch BASF, Henkel und Roche sind Kunden

Mithilfe des geschäftlichen Netzwerkes können die Entwickler schnell feststellen, auf wie viel Resonanz ihre Ideen tatsächlich stoßen. Jetzt konzentrieren er und seine Mitarbeiter sich vor allem auf die Lebensmittel- und die Pharmaindustrie. Zu den Unternehmen, welche die Leipziger nennen dürfen, gehören BASF, Henkel und Roche. Hauptziel ist es, mithilfe biotechnischer Produkte die industrielle Herstellung zu verbessern, so wie im Beispiel des Stevia-Süßstoffes.

Wird eine Idee als vielversprechend empfunden, wird sie durch die hauseigene Forschungs- und Entwicklungsabteilung voran getrieben. Bis zu zehn Produktentwicklungen können dabei gleichzeitig verwirklicht werden. Für einige Produkte kann schon während der Entwicklungsphase ein Partner gefunden werden – so wie im Fall der Veredlung des Stevia-Süßstoffes. Andere Ideen werden erst vollständig entwickelt, bevor sie auf dem Markt angeboten werden. „Wir investieren nur in Themen, an die wir auch wirklich glauben“, erklärt Struhalla. Über 50 Produktideen haben sich die Mitarbeiter von C-Lecta patentieren lassen.

Zucker macht Cremes haltbar

Darunter ist zum Beispiel die Entwicklung eines funktionalen Zuckers, der Lebensmittel oder Kosmetikprodukte länger haltbar machen kann. Dieser könnte bei einem herkömmlichen Donut zum Einsatz kommen. Bisher ist es so, dass die Glasuren nach einiger Zeit glänzen, weil sie Wasser ziehen. Mit der Verwendung des von C-Lecta entwickelten Zuckers bliebe die Glasur fest, der Donut könnte länger verkauft werden.

Mithilfe dieser Innovationen konnte das Leipziger Unternehmen einen großen Wachstumsschub verzeichnen. Noch im Jahr 2017 stammte nur ein Viertel der Gesamtleistung aus dem Verkauf der eigenen Produkte, 2018 waren es schon drei Viertel von inzwischen 4,5 Millionen Euro Gesamtleistung. In den zwei Jahren wuchs auch die Mitarbeiterschaft von 40 auf über 60 Personen. Zudem haben sich zwei Wagniskapitalgeber entschieden, insgesamt 16 Millionen Euro in die Leipziger Biotechnologiefirma zu investieren.

Hohe Investitionen sorgen für rote Zahlen

Aber das schnelle Wachstum fordert das kleine Unternehmen auch. „Wir investieren in diesem Jahr viel Geld“, erklärt Struhalla. Für das Geschäftsjahr 2019 werde sich deshalb wohl erneut kein positives Ergebnis einstellen. Über konkrete Zahlen gibt das Unternehmen nicht Auskunft.

Zudem wird zwar die komplette Logistik des Unternehmens vom Leipziger Standort ausgeführt, jedoch können nicht alle Produkte hier produziert werden. „Die Mengen sind viel zu groß, wir sprechen hier von Kesseln, die 40.000 Liter fassen können“, erklärt Thomas Pfaadt, der seit 2018 als kaufmännischer Geschäftsführer bei C-Lecta tätig ist. Deshalb wurde die Produktion der Enzyme für die Süßstoffveredlung an verschiedene Auftragsproduzenten in Westeuropa ausgelagert.

In Zukunft könnten sich Struhalla und Pfaadt auch vorstellen, in Produktionsanlagen in der Messestadt zu investieren. „Aber das ist noch Zukunftsmusik“, wie Gründer Struhalla erklärt.

Von Pia Siemer

Droht dem ehemaligen Halberg-Guss-Werk in Leipzig schon wieder die Pleite? Ein entsprechender Bericht schreckte am Freitag die Belegschaft in der Gießerei auf. Doch das Unternehmen dementiert sofort. Von einer Pleite können keine Rede sein – ganz im Gegenteil.

28.06.2019

Bis 2038 soll auch in Mitteldeutschland der letzte Braunkohle-Tagebau dicht machen. Jobs soll das bei der Mibrag aber nicht kosten. Der Konzern will bis dahin neue Geschäftsfelder erschließen – und Strom statt aus Kohle dann aus Wind und Sonne erzeugen.

28.06.2019

Beim Export ist China schon lange der wichtigste Absatzmarkt für Produkte aus Sachsen. Jetzt hängt die Volksrepublik Briten und Amerikaner auch beim Thema Vertrauenswürdigkeit ab. Während die USA und Großbritannien in der Gunst der Mittelständler im Freistaat abstürzen, lernen sie die stabilen wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen im Reich der Mitte zu schätzen.

27.06.2019