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Wirtschaft Regional Leipzigs Fernreisespezialist aus dem Landgasthof
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07:07 28.12.2019
Michael Riebel bietet in seinem Reisebüro Siamar Bausteinreisen zu den etwas exotischeren Fernreisezielen an – und ist damit bundesweit erfolgreich. Quelle: Foto: André Kempner
Leipzig

Manches Reisemitbringsel entpuppt sich dann doch als etwas unhandlich. Das musste auch der Leipziger feststellen, der sich imVietnam-Urlaub eine Buddha-Statue bestellte. Aus Marmor. Sie wurde dann auch per Kurier geliefert – und ihm vors Haus gestellt. Dumm nur, dass die Statue 150 Kilo wog – und der Mann im fünften Stock wohnte. Ohne Aufzug!

Zum Glück half ein Anruf im Reisebüro. „Wir sind dann zu zehnt hin und haben ihm den Buddha hoch geschleppt“, erzählt Michael Riebel von Siamar Reisen. „Das ist schon extensiver Kundenservice. Aber am Ende ist das eine langfristige Kundenbindungsmaßnahme.“ Genau das ist es, was seiner Meinung nach den Unterschied macht: Intensiver Service – und echte Vor-Ort-Kenntnisse.

Mit diesem Ansatz hat Riebel sein Reisebüro in der Leipziger Ostvorstadt, wo er vor einem Jahr in neue Räume im Brockhaus-Zentrum einzog, zum anerkannten Spezialanbieter für Bausteinreisen zu den etwas exotischeren Zielen ausgebaut. „Wir haben sogar Kunden aus Zürich, Wien und Hamburg, die gezielt bei uns buchen.“ Reisebüros gebe es zwar viele. Gute Spezialanbieter für die 16 Länder, die inzwischen im Kernprogramm sind, gebe es aber nur wenige. „Das ist genau die Nische, auf die wir uns spezialisiert haben.“

Michael Riebel vor seinem Reisebüro Siamar im Broakhaus-Zentrum in Leipzig. Quelle: André Kempner

Vom Land zum BWL-Studium nach Leipzig

Dabei kam der heute 43-Jährige eher durch Zufall in die Reisebranche. Eigentlich, so berichtet er, habe er ja den Landgasthof seiner Eltern in dem beschaulichen Dörfchen Utenbach im Süden Sachsen-Anhalts übernehmen wollen. Mit diesem Ziel kam er 1997 zum BWL-Studium nach Leipzig. „Aber schon im ersten Semester merkte ich, dass ein Landgasthof in einem Dorf mit nur 76 Einwohnern langfristig keine Zukunft hat.“

Als er nach dem Studium dann bei dem kleinen Internet-Startup Immovativ in Leipzig anheuerte, das eigentlich Immobilien vermittelte, wurde daraus schnell als zweites Standbein ein Online-Reisebüro. Dank eines kuriosen Zufalls: „Einer von meinen beiden Chefs traf im Zug jemanden, der Ägypten-Reisen verkaufen wollte. Und da sagten wir: Verkaufen können wir, das übernehmen wir.“ Wenig später trafen die frisch gebackenen Tourismusmanager auf einem Kongress jemanden, der über Weihnach-ten noch freie Plätze in Thailand hatte. „Thailand über Weihnachten? Das ist doch kein Problem!“ Und schon war das zweite Land im Programm.

Siam und Arabien standen beim Namen Pate

Die beiden Länder standen dann auch Pate für den Namen Siamar, unter dem Riebel die Reisesparte 2007 aus der Immovativ-Gruppe herauslöste – mit ihm selbst als Gesellschafter und Geschäftsführer an der Spitze. Vorn Siam, der alte Name Thailands, hinten Ar für Arabien. Danach ging es Schlag auf Schlag. „Irgendwann ist ein richtiges Reisebüro daraus geworden.“

Der Umsatz lag zuletzt bei 1,6 Millionen Euro, Reisen im Wert von 14 Millionen Euro wurden 2018 verkauft. Und Gewinn macht die Firma, die 2008 wegen zu schnellem Wachstums noch knapp vor der Pleite stand, inzwischen auch wieder. „Aus dem Fehler hab ich gelernt. Ich bin seitdem deutlich vorsichtiger geworden.“

Ausgiebige Beratung statt Reisen von der Stange

Anders als reine Internet-Reisevermittler setzte Riebel stets auf ausgiebige Beratung: Per E-Mail, am Telefon oder am liebsten persönlich im Büro. Anfangs ging das nur nach Termin in den Büroräumen im Obergeschoss, seit 2010 hat er dafür ein eigenes Reisebüro im Erdgeschoss angemietet. Im Internet kann man sich zwar alle Angebote ansehen – buchen kann man dort aber nicht. „Dafür muss der Kunde dann mindestens eine E-Mail schicken. Und dann rufen wir zurück oder melden uns per E-Mail.“

Denn Reisen von der Stange sind nicht sein Ding. „Die verkaufen wir natürlich auch. Doch unsere Spezialität sind Bausteinreisen.“ Aus den Angeboten der verschiedenen Reiseveranstalter baut Siamar dann individuelle Pakete zusammen.

Flugangst ist keine Entschuldigung

Um die Menschen richtig beraten zu können, muss man selbst vor Ort gewesen sein, ist Riebel überzeugt. „Am Anfang hatten wir ja auch nur Ägypten und wir waren nur zu dritt. Da sind wir einfach runter geflogen und haben uns das in vier Wochen angeeignet.“ Inzwischen sind es 16 Länder und 33 Mitarbeiter, von denen natürlich nicht jeder alles kennen kann. „Aber jeder kennt sich in allen Region etwas aus. Und dann haben wir Spezialisten, die mindestens einmal im Jahr dort sind. Die wissen dann auch, wie im Hotel die Temperatur im Pool ist und welchen Guide man vor Ort nehmen sollte.“

Ein- bis zweimal im Jahr geht jeder seiner Mitarbeiter auf Tour. Zwei Wochen Bildungsurlaub gibt Riebel ihnen dafür. „Wir haben sogar einen Kollegen mit Flugangst. Aber dem hab ich schon im Vorstellungsgespräch gesagt: Wer bei uns anfängt, muss reisen. Flugangst ist da keine Entschuldigung.“ Und das gelte auch schon für die Azubis. „Da mache ich keinen Unterschied.“

Sofas ersetzen den Konferenztisch

Denn, davon ist Riebel überzeugt, nur zufriedene Mitarbeiter können auch gut im Team zusammenarbeiten. „Deshalb muss ich dafür sorgen, dass die Leute sich wohlfühlen.“ Noch bevor die neuen Räume vor einem Jahr bezogen wurden, hat er seine Mitarbeiter daher befragt, was sie denn wünschen. Im Beratungsraum laden statt eines Konferenztisches gemütliche Sofas zum Verweilen ein, einmal die Woche kommt ein Fitnesstrainer zur Rückenschule.

Es wird gemeinsam gekocht und im Sommer einmal pro Woche Volleyball gespielt. Und am 6. Dezember machte Riebel selbst den Nikolaus. „So kenne ich das von früher aus dem Familienbetrieb meiner Eltern. Dass man jeden ernst nimmt und sich auf Augenhöhe begegnet. Das versuche ich hier, im größeren Rahmen genauso zu machen.“

„Ich bin der Fels in der Brandung“

Zu Reisen bricht Riebel, inzwischen verheiratet und dreifacher Familienvater, aber nur noch selten auf. „Und wenn, dann nur noch zu Kongressen. Die großen Reisen überlasse ich lieber meinen Leuten.“ Seine letzte touristische Seminarreise war 2007 – nach Dubai. Selbst verkaufen dürfe er die Reisen daher nicht mehr. „Das haben mir meine Mitarbeiter verboten. Dafür ist mein Wissen einfach zu alt.“

Stattdessen kümmert er sich, wenn es irgendwo hakt. „Ich bin da eher der Fels in der Brandung für meine Mitarbeiter. Wenn die Kunden ein Problem haben – Flieger verpasst oder Koffer weg – und sie am Telefon fast in Tränen ausbrechen, dann wird das immer an mich durchgestellt.“

So jüngst auch bei der Pleite von Thomas Cook, als er noch spät nachts persönlich E-Mails an die betroffenen Kunden schickte. „Was ich gut kann, ist Probleme lösen, kreative Lösungen finden, bei Stress Ruhe reinbringen.“ Das hilft dann auch, wenn einem Kunden plötzlich ein 150-Kilo-Buddha vors Haus gestellt wird. „Da muss man nicht lange diskutieren, sondern einfach sagen: Kommt Leute, wir tragen ihm den jetzt nach oben.“

Der WirtschaftspreisSachsens Unternehmer des Jahres“ ist eine Initiative der Sächsischen Zeitung, der Leipziger Volkszeitung, der Freien Presse und des Mitteldeutschen Rundfunks sowie von Volkswagen Sachsen, der Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaft KPMG, der LBBW und der Gesundheitskasse AOK Plus.

www.unternehmerpreis.de

Von Frank Johannsen

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