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Wirtschaft Regional Tradition verpflichtet – Frohburger Möbelbauer will Unternehmer des Jahres werden
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Möbelbauer aus Frohburg bewirbt sich um Wirtschaftspreis "Unternehmer des Jahres in Sachsen"

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09:02 05.02.2021
Setzt Familientradition fort: Geschäftsführer Matthias Graichen (50) in seiner Möbeltischlerei im sächsischen Frohburg.
Setzt Familientradition fort: Geschäftsführer Matthias Graichen (50) in seiner Möbeltischlerei im sächsischen Frohburg. Quelle: Jens Paul Taubert
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Frohburg

Gate-Counter für den Flughafen Stuttgart und Bibliotheks-Regale für die im Bau befindliche Justizvollzugsanstalt in der Leipziger Südvorstadt, einen Thora-Schrank für die School of Jewish Theology der Universität Potsdam und exklusives Mobiliar für das Apartement eines Scheichs: Was in den Graichen Bau- und Möbelwerkstätten GmbH Frohburg entsteht, ist unikat. Nichts, dass es in Märkten zur Selbstmontage gibt. Über Generationen entwickelte handwerkliche Erfahrung einsetzen, um innovative Möbel und individuelle Einrichtungen zu schaffen, das ist der Anspruch von Matthias Graichen, der gemeinsam mit seiner Schwester und den Familien das Unternehmen in siebenter Generation führt.

Pandemie hat das Unternehmen nicht in Nöte gebracht

In der hellen, weitläufigen Werkhalle im Frohburger Gewerbegebiet – die Kleinstadt liegt im Landkreis Leipzig – schneiden Maschinen computergesteuert Holz zu. Mitarbeiter fügen es zu Mobiliar in zeitlos klarem Design zusammen. 1993 zog der Familienbetrieb, 1799 gegründet, von der Innenstadt hierher um. „Mein Vater Ulf hat groß gedacht. Er hat das Unternehmen zu dem gemacht, was jetzt ist“, sagt Geschäftsführer Matthias Graichen. Er fügte an die Produktionshalle später den Büro-Riegel mit markanter wie transparenter Holzfassade an.

Wirtschaftspreis in Sachsen. Quelle: Unternehmerverband

Die Pandemie mit ihren zahlreichen Einschränkungen hat das Unternehmen nicht in Nöte gebracht. „Wir haben gut zu tun, doch es braucht mehr Aufwendungen, um alles zu steuern“, sagt der 50-Jährige. Und Anlass zu grundsätzlicher Sorge gebe es durchaus: Die öffentliche Hand, ein wichtiger Auftraggeber, könnte Investitionen verschieben oder gar streichen angesichts von Millionen Menschen in Kurzarbeit, von ausufernden Corona-Ausgaben. „Es ist keine Krise im klassischen Sinn, die alle gleichermaßen trifft“, sagt er. Sein Ansatz: auf Regionalität besinnen, Kreisläufe schließen, die der Wirtschaft vor Ort Impulse geben - und das ausdrücklich, ohne in Kleinstaaterei und Protektionismus zu verfallen. In der Phase des zweiten Lockdowns sei die Frage, die sich ihm bereits im vergangenen Frühjahr stellte, noch immer nicht überzeugend beantwortet: „Was hat die Politik in dieser Hinsicht vor? Da fehlen mir klare Signale.“

Auftrag für den Stuttgarter Flughafen schafft Grundsicherheit

Über Jahre haben die Frohburger das Staatliche Museum für Archäologie in Chemnitz ausgestattet mit Vitrinen und Equipment für Wanderausstellungen. Für das Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle, Heimstatt der Himmelsscheibe von Nebra, fertigten sie besondere Einbauten aus massiver Eiche, bearbeitet mit der Fünf-Achs-Frästechnik, die nur ausgewählte Unternehmen beherrschen. Seit Jahr und Tag ein großer Auftraggeber ist die Leipziger Messe. „Wenn dort aber über Monate der Betrieb ruht, kann es trotz auflaufender Investitionen sein, dass man sich erst einmal darauf konzentrieren muss, wieder Geld zu verdienen“, sagt Graichen. Der Auftrag für den Stuttgarter Flughafen im Volumen einer höheren sechsstelligen Summe, wo man sich gegen einen französischen Bewerber durchsetzen konnte, schafft da auf Monate eine Grundsicherheit. Ist Exklusivität gefragt, etwa bei mancher Villen- oder Geschäftseinrichtung, kommt zum Tragen, was Graichen, wertvollen Tabaken ähnlich, in einem temperierten Spezialschrank aufbewahrt: Wurzelfurniere edelster Hölzer aus verschiedenen Kontinenten, Hingucker an Schränken, Türen, Wanddekorationen.

Verantwortung für ein Team mit 28 Mitarbeitern

„Erfolg hat im Leben und Treiben der Welt, wer die Ruhe bewahrt und die Nerven behält.“ So formulierte es vor Jahrzehnten Alfred Graichen, Großvater des heutigen Geschäftsführers. In Holz, Eiche selbstredend, geschnitten, findet dieser Spruch sich an der Bürowand zwischen Dokumenten zur Firmengeschichte. Matthias Graichen, der sich in der Verantwortung sieht für ein Team von 28 Mitarbeitern, benennt drei Prämissen des Handelns: „Gelassenheit, Bescheidenheit, gesunder Menschenverstand.“ Das Unternehmen bildet aus, Tischler vor allem und in erster Linie für das eigene Haus. Einige schlossen ein Studium Holztechnik an. Den Erfolg des Unternehmens mit einem Jahresumsatz von rund drei Millionen Euro betrachtet er als Gemeinschaftswerk: „Jeder im Team trägt an seinem Platz dazu bei.“ Im vergangenen Sommer stellte er vier neue Lehrlinge ein, Investition in die Zukunft.

Anmeldefrist für den Unternehmerpreis endet

Der Wirtschaftspreis „Sachsens Unternehmer des Jahres“ ist eine Initiative von Sächsische Zeitung, Freier Presse, Leipziger Volkszeitung und MDR sowie von Volkswagen Sachsen, der Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaft KPMG, der LBBW und der Gesundheitskasse AOK Plus.

Der Gewinner des Unternehmerwettbewerbs erhält „Die Träumende“, eine vergoldete Bronze-Statue der Bildhauerin Malgorzata Chodakowska.

Am 5. Februar 2021 endet die Anmeldefrist: Alle weiteren Details und Informationen im Internet: www.unternehmerpreis.de

Von Ekkehard Schulreich