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Wirtschaft Regional Energiekonzern Leag beginnt mit Abrissarbeiten im sächsischen Mühlrose
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Mühlrose: Energiekonzern Leag beginnt mit Abrissarbeiten für die Braunkohle

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16:10 31.08.2020
Luftaufnahme des Dorfes Mühlrose in der sächsischen Lausitz. Der Ort muss der Braunkohle weichen. Quelle: Oliver Killig/dpa
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Mühlrose

Der Energiekonzern Leag hat im Lausitzer Dorf Mühlrose mit Abrissarbeiten begonnen, um dort Braunkohle abbaggern zu können. „Alle notwendigen Genehmigungen dafür liegen ‎vor“, teilte das Unternehmen am Montag mit. Mit den Rückbauarbeiten setze die Leag die im Umsiedlungsvertrag vereinbarten Maßnahmen „uneingeschränkt und zügig“ um‎, hieß es. Betroffen sind vorerst zwei leerstehende Häuser, die Grundstücke gehören der Leag. Der Energiekonzern verwies darauf, dass seit März 2019 ein ‎rechtskräftiger Umsiedlungsvertrag vorliege.

Braunkohlegegner und Einwohner protestieren

Noch am Sonntag hatten Braunkohlegegner und Einwohner des Lausitzer Dorfes Mühlrose gegen den geplanten Abriss von zwei Häusern mobil gemacht. Der Energiekonzern Leag habe in einem Schreiben angekündigt, in den nächsten Tagen mit dem „Rückbau“ zweier Häuser in Mühlrose zu beginnen, teilte das Bündnis „Alle Dörfer bleiben“ am Sonntag mit.

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Interaktive Karte: Diese Dörfer mussten schon für die Braunkohle weichen

Das Bündnis warf dem Braunkohleunternehmen vor, mit dem Abriss Fakten schaffen zu wollen, obwohl das Sonderfeld Mühlrose nicht gebraucht werde. Gutachten hätten gezeigt, dass in den bereits genehmigten Tagebauen der Lausitz rund 80 ‎Millionen Tonnen mehr Kohle verfügbar seien, als bis 2038 noch gebraucht werden, hieß es. Das wies die Leag zurück. „Die Kohle aus dem Teilfeld Mühlrose ist und bleibt für die Versorgung der Kraftwerke ‎unverzichtbar“, sagte der für die Umsiedlung verantwortliche Leiter Thomas Penk ‎von der Leag.

2019 wurde Umsiedlungsvertrag unterschrieben

Im März 2019 wurde ein sogenannter Umsiedlungsvertrag unterschrieben. Das Papier regelt die private Entschädigung der Umsiedler und die Entschädigung kommunalen Eigentums, im Rahmen derer der Ansiedlungsstandort erschlossen und kommunale Bauten errichtet werden sollen. Betroffen sind rund 200 Einwohner. Für die Umsiedler werden in der Nachbargemeinde Schleife derzeit Baugrundstücke erschlossen.

Naturschutzbund BUND forderte Braunkohleunternehmen auf, den Abriss zu stoppen

Das Bündnis „Alle Dörfer bleiben“ wirft der Leag vor, keine Rechtsgrundlage zu haben. Den Vertrag hätten nicht alle Einwohner unterschrieben. Wer nicht umziehen wolle, müsse dies nicht tun, teilte das Bündnis am Montag mit. Antonia Mertsching, Lausitzer Abgeordnete der Linksfraktion, kritisierte in einem offenen Brief eine „Strategie der verbrannten Erde“. Die Zerstörung von funktionstüchtigen Häusern greife unwiderbringlich in das Dorfleben von Mühlrose ein und zerstöre das Dorfbild, Ortskultur und brauchbare Ressourcen, so Mertsching.

Auch der Naturschutzbund BUND forderte das Braunkohleunternehmen auf, den Abriss zu stoppen. Damit werde Druck auf die Verbliebenen ausgeübt. Dass ein Dorf für einen Braunkohletagebau zerstört werde, der weder energiewirtschaftlich notwendig ‎noch klimapolitisch tragbar ‎sei, sei schlichtweg zynisch, so Landesvorsitzender Felix Ekardt.

Die Leag wies die Vorwürfe zurück. Den Umsiedlungsvertrag politisch in Frage zu stellen, führe zu einer unverantwortlichen Verunsicherung der Menschen in Mühlrose, so der für die Umsiedlung verantwortliche Leiter Thomas Penk von der Leag.

Versorgung des Kraftwerksstandortes Boxberg soll gesichert werden

Trotz des bis 2038 vereinbarten Kohleausstiegs soll Mühlrose als einer der letzten Orte dem Tagebau weichen, weil ab Ende der 2020er Jahre die unter dem Dorf liegende Braunkohle durch den Tagebau Nochten gefördert werden soll. Damit soll die Versorgung des Kraftwerksstandortes Boxberg langfristig gesichert werden. Betroffen sind rund 200 Einwohner, für sie werden in der Nachbargemeinde Schleife derzeit Baugrundstücke erschlossen.

Von lvz/dpa