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Wirtschaft Regional Nachfolger fehlt: Jeder sechste Handwerksbetrieb im Raum Leipzig gibt auf
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12:47 24.08.2019
Immer mehr Betriebsinhaber erreichen in den kommenden Jahren das Ruhestandsalter – und ein Nachfolger ist oft nicht in Sicht. Quelle: dpa
Leipzig

Jeder sechste Handwerksbetrieb im Raum Leipzig muss in den kommenden fünf Jahren aufgeben, weil es keinen Nachfolger gibt. Das hat die Handwerkskammer zu Leipzig (HWK) auf Anfrage der Leipziger Volkszeitung mitgeteilt. „Das Problem der Unternehmensnachfolge wird sich in den kommenden Jahren verschärfen“, erklärte HWK-Präsident Claus Gröhn.

Neigung zur Selbstständigkeit wegen niedriger Arbeitslosigkeit geringer

Die Gründe für diese Entwicklung sind vielfältig. Existenzgründer in der Nachwendezeit waren damals oft schon um die 40 Jahre alt – sie gehen nun in den Ruhestand. Zudem ist die Zahl potenzieller Unternehmer rückläufig: Die geburtenschwachen Jahrgänge erreichen jetzt das „Gründungsalter“. Durch den Fachkräftemangel gibt es weniger qualifizierte und erfahrene Mitarbeiter, die für eine Übernahme in Frage kommen. Dieses Problem schlage etwa im Bereich des Elektromaschinenbaus durch, wie die HWK mitteilt. In einigen Branchen, etwa im Friseurhandwerk, ist der Markt schlicht übersättigt: Es gibt zu viele Betriebe. Manchmal ist der Kaufpreis zu hoch, den der Alt-Unternehmer für seinen Betrieb verlangt. Nach Angaben der Kammer ist auch die Übergabe des Betriebes an die nächste Familiengeneration nicht mehr selbstverständlich, die Neigung zur Selbstständigkeit in Zeiten niedriger Arbeitslosigkeit geringer.

„Unternehmergeist fehlt“

Klaus-Michael Rohrwacher (66), Chef eines traditionsreichen Leipziger Steinmetzbetriebes, vermisst in der aktuellen Generation eine gewisse Portion Unternehmergeist. „Wir handelten vor 30 Jahren ganz anders, ohne Mut wäre gar nichts geworden“, erinnert sich Rohrwacher an den eigenen Start in die Marktwirtschaft. Jetzt muss der 66-Jährige seinen eigenen Betrieb schließen, weil es niemanden gibt, der ihm nachfolgen will.

Banken machen weniger Probleme als bei Neugründung

Die HWK verweist auf deutliche Vorzüge einer Betriebsübernahme gegenüber einer Neugründung. So könne der neue Chef mit einem am Markt eingeführten Unternehmen aktiv werden und auf einen bekannten Namen setzen. „Im besten Fall übernimmt man Stammkunden, Ausstattung, Lieferbeziehungen und Fachkräfte“, sagt Jens Krause, HWK-Betriebsberater. Der Käufer kenne seinen Einsatz, die Unternehmensplanung sei im Vergleich zu einer Gründung berechenbarer. Generell seien die finanziellen Risiken überschaubarer als bei einer Gründung, die sich durchaus als Fass ohne Boden entpuppen könne. „Aus eben diesen Gründen tun sich Banken bei der Übernahmefinanzierung eines etablierten Unternehmens üblicherweise leichter als bei einer Gründungsfinanzierung“, erklärt Krause.

Handwerkskammer bietet Beratung an

Allerdings berge auch eine Betriebsübernahme Risiken, so die Handwerkskammer. Ein neuer und für die Mitarbeiter ungewohnter Führungsstil gehöre dazu, ebenso mögliche Probleme mit einem Alt-Geschäftsführer, der am Ende doch nicht recht loslassen könne. Rechtliche und steuerliche Aspekte müssten geklärt werden. Auch das Ausloten eines fairen Kaufpreises, der den Marktwert berücksichtigt, gestaltet sich oftmals komplex. Die Handwerkskammer hilft bei Übernahmen mit spezialisierten Beratern.

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Von Björn Meine

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