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Wirtschaft Regional Nur jeder fünfte Mittelständler in Leipzig investiert in die Digitalisierung
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19:43 07.12.2018
Schnelles Internet gehört bei vielen Mittelständler längst noch nicht zum Standard. Quelle: Felix Kästle/dpa
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Leipzig

Nur jeder fünfte Mittelständler in der Region Leipzig investiert Geld in die Digitalisierung seines Betriebes. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie der Förderbank KfW, die die HypoVereinsbank nach Regionen ausgewertet hat. Das sei viel zu wenig, sagt der Leiter des Firmenkundengeschäfts der Bank in Mitteldeutschland, Patrick Grünauer-Kloevekom. „Wir sehen bei dem Thema noch großen Nachholbedarf.“

Von den zwei Milliarden, die alle Mittelständler im Kammerbezirk im Jahr 2016 zusammengerechnet investiert haben, entfielen nur 166 Millionen Euro auf Ausgaben für die Digitalisierung, berichtet Grünauer-Kloevekom. Neuere Daten lägen leider noch nicht vor. Nur jeder zwölfte Euro, den die Firmen ins Unternehmen stecken, werde damit genutzt, um sich fit zu machen für die digitale Zukunft.

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Vier von Fünf Betrieben investieren gar nichts

Bei 80 Prozent der 50.000 Mittelständler im Kammerbezirk, zu dem neben der Stadt Leipzig auch die Landkreise Leipzig und Nordsachsen zählen, liege der Etat für Digitales sogar bei Null. Bei denjenigen, die überhaupt Geld dafür ausgebe, seien es im Schnitt 18.000 Euro. Bezahlt werde das meist aus den laufenden Einnahmen. Förderkredite der KfW oder der Sächsischen Aufbaubank würden dagegen kaum genutzt.

„Es gibt hier Vorreiter, die doppelt so viel investieren“, sagt Grünauer-Kloevekom. „Da müssten die anderen auch hin.“ Um den Anschluss an die Zukunft nicht zu verlieren, müssten sich die Investitionen in die Digitalisierung verdoppeln – „mindest“, wie Grünauer-Kloevekom. Um wirklich alle Mittelständler fit für die digitale Zukunft zu machen, müssten sich die Ausgaben dafür sogar verfünffachen – auf mehr als 800 Millionen Euro.

Als Mittelständler zählen alle Unternehmen bis 500 Millionen Euro Umsatz. „Und das sind bei uns 98 Prozent der Unternehmen“, fügt Grünauer-Kloevekom hinzu. Nur die ganz Großen wie BMW, Porsche, DHL, Amazon oder Verbundnetz Gas, zumeist ohnehin Töchter westdeutscher Konzerne, fallen raus. Auf mehr als 500 Millionen Umsatz kommen im Raum Leipzig sonst nur noch Comparex, Verbio, der Stadtkonzern LVV und der MDR, so das Ergebnis der jüngsten Erhebung der LBBW zu den 100 größten Unternehmen in Mitteldeutschland.

Mittelständler in Halle sind etwas besser

Mit der Zurückhaltung liegen Leipzigs Mittelständler aber bundesweit im Trend. Auch in ganz Deutschland investieren die Mittelständler, die überhaupt Geld für die Digitalisierung ausgeben, im Schnitt nur 18 000 Euro. Etwas besser sieht es aber rund um die Nachbarstadt Halle aus – inklusive der Chemieregion Leuna im Saalekreis. Im Schnitt geben die Mittelständler dort 1000 Euro mehr fürs Digitale aus als in Leipzig.

Vorreiter ist erwartungsgemäß die IT- und Kommunikationsbranche, Schlusslicht: das Gesundheitswesen. Und die Mittelständler würden nicht nur zu wenig investieren, sondern oft auch falsch. „Die Gespräche mit unseren Kunden zeigen, dass viele Mittelständler im Raum Leipzig zu einseitig in IT investieren.“ In die Entwicklung vernetzter Produkte und Dienstleistzungen wie Wartung per Ferndiagnose fließe dagegen bisher nur wenig Geld.

Die meisten Mittelständler würden das Thema nur schrittweise und sehr langsam angehen – und scheuen Brüche, die mit einer konsequenten Umstellung des eigenen Sortiments verbunden wären. „Die Chancen, die sich hier bieten, werden noch zu wenig genutzt.“

Von Frank Johannsen