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Wirtschaft Regional Ost-Energieforum holt Fridays for Future aufs Podium in Leipzig
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16:19 28.10.2019
Die aufgehende Sonne steht hinter Windrädern. Quelle: Foto: Julian Stratenschulte/dpa
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Leipzig

Tausende Menschen demonstrieren in diesen Tagen für Klimaschutz – aber gerade dem Osten Deutschlands macht der Verlust des Wirtschaftszweigs Braunkohle zu schaffen. Eine Energiewende wird nicht von allen herbeigesehnt. Trotz der vorgesehenen Hilfen von 40 Milliarden Euro für den Strukturwandel bis 2038. Andererseits ist gerade im Osten viel Platz für Wind- und Solarparks, die Infrastruktur für nachhaltige Energien ist gegeben. Mit ausgetüftelten Formaten bemühen sich Unternehmen um die Gunst der Anwohner.

Mit dem Thema wollen sich am Dienstag und Mittwoch Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik beim achten Ostdeutschen Energieforum beschäftigen. In den vergangenen Jahren hat sich viel getan: Nach dem Atomausstieg sei der Kohleausstieg in den Fokus gerückt, so Lars Schaller, Geschäftsführer des Unternehmerverbands Sachsen. Mittlerweile besäßen die Diskussionen zur Energiewende eine gesellschaftliche Relevanz, nicht mehr nur eine wirtschaftliche.

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Fridays for Future erstmals auf dem Podium

Darauf reagierten auch die Veranstalter des Ostdeutschen Energieforum. Auf dem Podium sitzt dieses Jahr auch ein Vertreter der Klimabewegung Fridays for Future: Kevin Bauch von Fridays for Future Dresden. Er wird am Nachmittag gleich bei der Eröffnungsrunde mit Sachsens-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU), dem sächsischen Grünen-Politiker Gerd Lippold und den Chefs des Regionalversorgers EnviaM und der Leipziger Strombörse EEX, Stephan Lowis und Peter Reitz, über CO2-Steuer, EEG-Umlage und die Milliarden für den Strukturwandel in den Tagebaugebieten diskutieren. Thema: „Was ist uns die Energiewende wert?“

Osten ist Vorreiter bei der Energiewende

„In Ostdeutschland ist die Energiewende schon deutlich weiter fortgeschritten als in den alten Bundesländern“, sagt Christian Growitsch, stellvertretender Leiter des Fraunhofer-Instituts für Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen in Halle. Im Westen Deutschlands werde die Energiewende-Debatte teils sehr ideologisch geführt. „Meinem Eindruck nach gehen die Ostdeutschen pragmatischer mit Fragen der Energie- und Klimapolitik um.“

Diese Sachlichkeit sieht Growitsch als Chance, spricht mit Blick auf die ausgebaute Energieinfrastruktur rund um Tagebaue sogar von einer möglichen Vorreiterrolle der ostdeutschen Reviere für neue Technologien. Gerade in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Sachsen-Anhalt sei der Anteil erneuerbarer Energien wegen zahlreicher Windkraftanlagen sehr hoch.

Wind- und Solarparks stoßen auf Protest

Planung, Bau und Betreuung von Wind- und Solarparks übernimmt seit zehn Jahren auch die UKA-Gruppe. Zu den Aufgaben des Unternehmens zählt es, Anwohner von erneuerbaren Energien zu überzeugen. Das ist nicht immer einfach. „Obwohl die Energiewende von einer deutlichen Mehrheit der Bürger akzeptiert wird, waren die Gegner nachhaltiger Energien in den letzten Jahren sichtbarer“, beobachtet Guido Hedemann, Geschäftsführer der UKA-Gruppe am Standort Cottbus. Gleichzeitig ergriffen die Befürworter der Energiewende seit etwa einem Jahr aktiv das Wort. „Ich habe das Gefühl, dass sich die Befürworter durch die von Fridays for Future angetriebene Klimaschutzdebatte ermutigt fühlen.“

Der Unternehmer kann den von Growitsch beschriebenen Pragmatismus bestätigen: Braunkohle stelle für die Menschen in der Lausitz hauptsächlich einen Arbeitgeber dar, weniger eine bevorzugte Energieform. Da die Region historisch von Energiewirtschaft geprägt ist, sind erneuerbare Energien Hedemann zufolge akzeptierter als etwa in der Uckermark.

Braunkohleausstieg polarisiert

Die Unternehmerverbände zeichnen ein etwas anderes Bild: In wenig betroffenen Regionen wie Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen werde der Ausstieg aus der Braunkohle begrüßt, im Mitteldeutschen Revier und in der Lausitz, wo Kohle abgebaut wird, stünden Risiken im Fokus.Denn nicht alle Unternehmen profitieren wie Windparkplaner direkt von der 2011 beschlossenen Energiewende und stehen den Entwicklungen positiv gegenüber.

„Viele Unternehmen sehen bei der Energiewende große Defizite, gerade mit Blick auf die Planbarkeit und Verlässlichkeit“, sagt Kristian Kirpal, Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Leipzig. Es sei viel Vertrauen verspielt worden. Um es zurückzugewinnen, müssten Neuerungen müssten auf eine „wirtschaftlich tragfähige Grundlage“ für Unternehmen gestellt werden, fordert Kirpal.

400 Teilnehmer zum Energieforum erwartet

Mehr als 400 Teilnehmer werden am Dienstag und Mittwoch zum Energieforum im Leipziger Hotel Westin erwartet. Damit korrigierten die Veranstaltung ihre Erwartungen nach oben: Bisher war nur von 350 bis 400 Teilnehmern die rede gewesen. Mit dabei ist neben Haseloff auch sein sächsischer Amtskollege Michael Kretschmer (CDU). Bodo Ramelow (Links) aus Thüringen und Dietmar Woidke (SPD) aus Brandenburg, die früher auch schon mit dabei waren, haben in diesem Jahr dagegen abgesagt. Beide sind gerade mit der Regierungsbildung beschäftigt.

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