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22:07 12.11.2015
Symbolfoto Quelle: dpa
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Dresden/Chemnitz

Die Einsparung wäre enorm. Mittelgroße Industriekunden in Sachsen, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern mit einem Verbrauch von 24 Gigawattstunden pro Jahr würden gut 50. 000 Euro bei den Stromkosten sparen. Das haben Wissenschaftler der Technischen Universität (TU) Dresden im Auftrag des Übertragungsnetzbetreibers 50Hertz errechnet. Voraussetzung: Es werden bundeseinheitliche Netzentgelte eingeführt. Das wäre eine erste Möglichkeit, „um vor allem einer nicht verursachungsgerechten Mehrbelastung der Regionen mit hohem Netzausbau entgegenzuwirken“, so Dominik Möst von der TU Dresden. „Es kann nicht sein, dass ausgerechnet die Regionen, in denen ein hoher Anteil erneuerbarer Energien installiert ist, die also die Energiewende vorantreiben, wegen der notwendigen Netzinvestitionen und der hohen betrieblichen Kosten zur Integration des regenerativen Stroms auch noch mit hohen Netzentgelten bestraft werden“, sagt Dirk Biermann, Geschäftsführer Märkte bei 50Hertz.

Tatsächlich liegen die Netzentgelte, die letztlich von allen Stromkunden zu zahlen sind, in Ostdeutschland bis zu 40 Prozent höher als im Westen der Republik. Aktuell weisen die auf das Übertragungsnetz entfallenden Entgelte deutschlandweit eine Spannbreite von 1,33 Cent bis zu 2,02 Cent auf, wobei der Höchstwert auf das Versorgungsgebiet von 50Hertz im Osten entfällt. Im kommenden Jahr ist im hiesigen Netzgebiet mit einer Steigerung auf 2,66 Cent je Kilowattstunde zu rechnen. Das wäre dann fast das Doppelte dessen, was im Netzgebiet von Amprion (Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Saarland) mit 1,39 Cent zu berappen sein wird. Eine der wesentlichen Ursachen ist der Ausbau der erneuerbaren Energien, der in den neuen Ländern deutlich schneller voranschreitet als in der alten Bundesrepublik, und der damit einhergehende erforderliche Netzausbau. Obendrauf kommt, dass die Industriedichte im Osten geringer ist als im Westen. Somit wird in den neuen Ländern mehr Strom produziert als benötigt – und dann in andere Regionen abtransportiert. Wofür wiederum viele Kilometer neue Leitungen nötig sind. Diese regionalen Kosten des Netzausbaus werden von den Stromverbrauchern der betroffenen Gebiete bezahlt. Das Verhältnis von Einspeisung und Verbrach ist also „dramatisch im Ungleichgewicht“, wie es Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) kürzlich formulierte.

Kein Wunder daher, dass im Osten die Rufe nach Änderungen lauter werden. „Wenn man bedenkt, dass in Ostdeutschland sowohl Wirtschaftskraft als auch Einkommen deutlich unter dem Durchschnitt liegen, ist es höchste Zeit, diese unfaire Lastenverteilung zu beenden“, fordert Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU). Ähnlich äußert sich Sachsen-Anhalts Wirtschaftsminister Hartmut Möllring (CDU). „Ostdeutschland darf nicht länger der Zahlmeister der Energiewende sein.“ Die Netzentgelte müssten bundesweit angeglichen werden. „Und das so schnell wie möglich“, verlangt der Minister.

Tim Hartmann, Vorstandsvorsitzender des größten ostdeutschen Regionalversorgers EnviaM, setzt sich zwar auch für eine Entlastung der ostdeutschen Verbraucher ein. „Bundeseinheit- liche Netzentgelte sind aber definitiv der falsche Weg“, meint der Manager. Ein Grund sei, dass mit einer bundeseinheitlichen Kostenumwälzung das Verursacherprinzip außer Kraft gesetzt wäre und „falsche Anreize bei den Netzbetreibern entstehen“. Hartmann hat bereits alternative Vorschläge zu einer fairen Lastenverteilung der Energiewende in die Diskussion eingebracht. So wäre eine Beteiligung der Anlagenbetreiber an den von ihnen verursachten Netzausbaukosten ein „Schritt in die richtige Richtung“.

Fraglich ist in der Tat, ob der Bund und hier vor allem die West-Länder einheitliche Netzentgelte unterstützen. Denn sie gingen zu Lasten der dortigen Unternehmen. In Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und dem Saarland hätte ein auf alle Schultern gleich verteiltes Übertragungsnetzentgelt „leicht nachteilige Auswirkungen für die dortigen Industriebetriebe“, räumt die Studie der TU Dresden ein. Ein durchschnittliches Industrieunternehmen etwa in Nordrhein-Westfalen müsste jährliche Mehrkosten von knapp 30 000 Euro befürchten. Deshalb würden einheitliche Entgelte „auch keine Mehrheit im Bund finden“, fürchtet Hartmann.

Von Ulrich Milde

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