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17:30 05.09.2016
Panamera-Produktion im Leipziger Porsche-Werk. Quelle: Porsche
Leipzig/Stuttgart

Nach dem rasanten Wachstum des Leipziger Porsche-Werks wird der Standort jetzt auch im Konzern aufgewertet: Im Oktober erhält Porsche Leipzig einen eigenen Aufsichtsrat. Das erste Treffen ist für den 6. Oktober in der Messestand geplant. Dann wird auch der Vorsitzende und dessen Stellvertreter bestimmt.

„Das ist ein Signal für die Mitarbeiter vor Ort, dass Mitbestimmung funktioniert“, freute sich der Stuttgarter Gesamtbetriebsratschef Uwe Hück. Denn einen Aufsichtsrat, der zur Hälfte mit Arbeitnehmervertretern besetzt ist, gibt es bei Porsche bisher nur auf Unternehmensebene, mit Hück selbst als stellvertretendem Vorsitzenden. Mit dem Leipziger Kontrollorgan gibt es nun erstmals eine Entsprechung an einem Standort.

Fast kompletter Porsche-Vorstand dabei

„Das ist Ausdruck der gewachsenen Bedeutung des hiesigen Werks“, erklärte Leipzigs IG-Metall-Chef Bernd Kruppa, der selbst in das neue Gremium einzieht. Weitere Vertreter sind unter anderem der Leipziger Betriebsratschef Thomas Kanz und dessen Vize Knut Lofski.

Ein echtes Plus sei vor allem der direkte Kontakt zum Vorstand in Stuttgart, sagte Kruppa. Denn der ist fast komplett in dem Leipziger Gremium vertreten. Außer Porsche-Chef Oliver Blume und Entwicklungsleiter Michael Steiner sind alle Vorstände in dem neuen Organ dabei.

Zweimal im Jahr soll das Gremium künftig zusammentreten. „Das gibt uns die Chance, die Leipziger Perspektive einzubringen“, betonte der Gewerkschafter. „Wir wollen selbstbewusster und klarer adressieren.“

Unternehmen wollte nur freiwilligen Beirat

Erstmals gefordert hatte Kruppa den eigenen Aufsichtsrat vor gut einem Jahr in der LVZ. Denn schon damals lag das Werk, das formal als eigenständige GmbH organisiert ist, deutlich über 2000 Mitarbeitern. Ab dieser Zahl ist laut Gesetz eigentlich ein Aufsichtsrat zu bilden, der zur Hälfte mit Arbeitnehmervertretern besetzt wird. Die Marke hatte das Werk bereits Anfang 2014 genommen. Inzwischen sind mehr als 4000 Stammkräfte an Bord.

Das bescherte auch der IG Metall einen kräftigen Schub: „Wir haben bei Porsche in Leipzig inzwischen mehr als 2000 Mitarbeiter“, freut sich Kruppa. Das sei mehr als die Hälfte der Belegschaft dort. Und innerhalb von nicht einmal zwei Jahren habe sich die Zahl der IG-Metall-Mitglieder im Werk mehr als vervierfacht.

Beim Unternehmen hielt sich die Begeisterung für einen neuen Aufsichtsrat in Leipzig aber zunächst in Grenzen. „Porsche wäre am Anfang ein freiwilliger Beirat lieber gewesen“, erinnerte sich Hück. Den Aufsichtsrat hätten dann Arbeitnehmer und IG Metall durchgesetzt. Anders als üblich wurden die Belegschaftsvertreter nicht gewählt, sondern Ende Juni vom Amtsgericht benannt. Die Wahl muss nun nachgeholt werden.

Hück will Standort in Konzern integrieren

Für Betriebsratschef Hück ist das neue Gremium ein erster Etappensieg. „Das soll nur ein Zwischenschritt sein“, sagte er im Gespräch mit der LVZ. Sein eigentliches Ziel bleibe es, das Leipziger Werk komplett in den Konzern zu integrieren.

Dadurch solle es dem Stammwerk in Stuttgart-Zuffenhausen gleichgestellt werden. Hück: „Das ist mir ein Herzenswunsch. Die Kollegen in Leipzig sind genauso Porscheaner wie die in Zuffenhausen. Und sie wollen endlich richtig zur Porsche-Familie dazugehören.“

Während das Porsche-Stammwerk in Stuttgart-Zuffenhausen direkt der Porsche AG untersteht, ist die 2002 eröffnete Leipziger Fabrik eine eigene Tochtergesellschaft. Anders als die Mitarbeiter im Stammwerk sind die in Leipzig daher nicht direkt bei der Porsche AG angestellt, sondern bei der Leipziger Tochter.

Verhandlungen laufen seit Monaten

Ähnlich ist es bei der Konzernmutter Volkswagen: Auch VW hat seine sächsischen Werke in eine eigene Tochterfirma ausgelagert, während die anderen deutschen Fabriken von Wolfsburg bis Emden und Kassel direkt dem Konzern unterstehen. Bei BMW ist das Leipziger Werk dagegen von jeher Teil der Konzerns und den anderen Standorten damit gleichgestellt.

„Ich finde es unerträglich, dass wir immer noch Unterschiede machen zwischen Ost und West“, erklärte Hück. „Das ist einfach respektlos gegenüber den Kollegen in den neuen Bundesländern. Und wenn man Respekt hat vor den eigene Mitarbeitern, dann ändern man das.“

Bereits seit Monaten verhandelt Hück mit dem Vorstand darüber, wie das Leipziger Werk integriert werden kann. „Derzeit liegen unsere Vorstellungen aber noch sehr weit auseinander“, räumt er ein. „Ich bin aber überzeugt, dass ich die Vorstände überzeugen kann.“ Möglichst bis Oktober wolle er die Gespräche zum Abschluss bringen. Im Laufe des kommenden Jahres könnte das Leipziger Werk dann in der Porsche AG aufgehen.

Sachsen müssen 3 Stunden länger arbeiten

Ganz beseitigt wären die Unterscheide zwischen Ost und West aber auch dann nicht. Die größte Ungleichbehandlung gibt es derzeit bei der Arbeitszeit. In Leipzig muss drei Stunden länger gearbeitet werden – 38 statt 35 Stunden, bei gleicher Bezahlung. Daran würde sich zunächst nichts ändern, denn das ist nicht nur bei Porsche so, sondern steht generell im Metall-Tarifvertrag.

Deshalb will Hück die Frage bei der nächsten Tarifrunde 2018 branchenweit angehen. „Das soll ja nicht nur bei Porsche gelten.“ Sollte es dort aber kein Ergebnis geben, „dann klären wir das bei Porsche intern“.

Von Frank Johannsen

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