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19:28 20.03.2019
Die Endmontage im Leipziger Porsche-Werk läuft noch rund um die Uhr. Ab August wird nachts nicht mehr gearbeitet. Quelle: Foto: Jan Woitas/dpa
Leipzig

Verkehrte Welt bei Porsche in Leipzig: Während der Sportwagenbauer das Werk gerade für 600 Millionen zum E-Auto-Standort hochrüstet, muss in der laufenden Produktion gekürzt werden. Weil die Montage von Macan und Panamera nicht ausgelastet ist, wird die Produktion heruntergefahren. Hunderte Leiharbeiter verlieren ihre Jobs.

Die Stimmung war gedrückt, als die Botschaft am Montag auf zwei Betriebsversammlungen verkündet wurde: Ab 5. August soll in der Endmontage nur noch in zwei Schichten gearbeitet werden. Die bisherige Nachschicht entfällt. „Wir stimmen mit dem Betriebsrat ab, nach dem Betriebsurlaub im Sommer“, der von 15. Juli bis 4. August geht, „von drei auf zwei Schichten zu wechseln“, bestätigte Werkssprecher Christian Weiß auf LVZ-Anfrage. „Das bedeutet, dass die Nachtschicht dann wegfällt.“

Abbau von 500 Leiharbeitsstellen

Vor allem die Leiharbeiter, die bisher ein Drittel der Belegschaft ausmachen, werden das zu spüren bekommen. 2000 sind nach LVZ-Informationen bisher im Werk, zusätzlich zu den 4300 Stammkräften. „Die erforderliche personelle Anpassung erfolgt durch Reduzierung der Leiharbeiter.“ Bei den Festangestellten wird dagegen nicht abgebaut: „Die Stammbelegschaft ist nicht betroffen“, so Weiß.

Wie viele Leiharbeiter gehen müssen, ließ Porsche offen. Im Werk machten bereits Meldungen die Runde, bis zu 1500 Leiharbeiter würden nicht verlängert. So viele werden es aber nicht, hieß es. „Wir reden nicht von einer vierstelligen Zahl“, so Sprecher Weiß. Nach LVZ-Informationen dürften rund 500 Stellen wegfallen. Weiß sprach von einer „mittleren dreistelligen Zahl“.

Schwache Nachfrage in China

Grund ist die derzeit schwache Nachfrage, vor allem im Ausland. „Der Macan ist stark von China getrieben“, sagte Weiß. Gut jeder dritte Porsche aus Leipzig geht dorthin. Und im Reich der Mitte hat sich das Wachstum zuletzt stark abgeschwächt – vor allem auf dem einst boomenden Automarkt.

Das bekommt auch der Macan zu spüren – obwohl Porsche dem Modell erst im August ein Facelift verpasst hatte. „Wenn China schwächelt, schlägt das auf den Macan durch“, so Weiß. Hinzu kommt die nachlassende Nachfrage beim 2016 eingeführten Panamera. Schon im vergangenen Jahr war das Werk daher nur zu knapp 90 Prozent ausgelastet.

Das ändere aber nichts daran, dass Porsche in Leipzig weiter zulegen will, versicherte Sprecher Weiß. „Langfristig planen wir weiter mit einem moderatem Wachstum.“ Erst vor einer Woche hatte Porsche den Grundstein für den bisher größten Werksausbau gelegt: Voraussichtlich ab 2022 soll der Macan als reines Elektroauto vom Band rollen, der bisherige Benziner dann noch bis zu drei Jahre parallel weiterlaufen.

300 neue Jobs für E-Macan

Bis zu 300 neue Jobs könnte das bringen, sagte Werksleiter Gerd Rupp. Und viele der neuen Jobs werde man wieder an bisherige Leiharbeiter vergeben, sagte Weiß. Das habe man bisher immer so gehandhabt. „Seit 2008 haben wir schon mehr als 1500 Leiharbeiter in eine Festanstellung übernommen.“

Angepasst wird aber nur die Montage. Im Macan-Karosseriebau und in der Lackiererei wird weiter rund um die Uhr gearbeitet. Im zweiten Karosseriebau, wo Panamera und Blechkleider für Bentley entstehen, gibt es schon seit anderthalb Jahren nur zwei Schichten.

Gute Nachrichten gab es dagegen am Mittwoch für die Stammbelegschaft im Werk: Weil Porsche 2018 neue Bestwerte bei Umsatz, Absatz und Gewinn einfuhr, erhalten auch sie im April eine Rekordprämie von 9700 Euro – 44 Euro mehr als im Vorjahr. „So viel war es noch nie“, sagte Betriebsratschef Knut Lofski. Die Leiharbeiter gehen dagegen leer aus.

Von Frank Johannsen

Rund 25,8 Milliarden Euro Umsatz erzielte die Porsche AG im Jahr 2018. Davon profitieren jetzt auch 25.000 Mitarbeiter – insgesamt bekommt jeder 9700 Euro als Sonderzahlungen. Ein Teil soll als Beitrag in die Altersvorsorge fließen.

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