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20:47 12.03.2019
Setzen symbolisch den Grundstein (v. l.): Porsche-Betriebsratschef Knut Lofski, Produktionsvorstand Albrecht Reimold, Werksleiter Gerd Rupp, Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) und OBM Burkhard Jung (SPD). Quelle: Dirk Knofe
Leipzig

Der Countdown war eigentlich gar nicht geplant. Doch dann zählte Porsche-Produktionsvorstand Albrecht Reimold einfach los: „Fünf, vier, drei, zwei, eins …“ Dann versanken die fünf als Zeitkapseln gedachten Plexiglas-Zylinder in dem stilisierten Grundstein, den Porsche im Zelt direkt neben der künftigen Baustelle aufgebaut hatte. In den Kapseln als Zeitzeugen verstaut: Modellautos der bisherigen Baureihen, aktuelle Ausgaben des Leipziger Amtsblatts und der Mitarbeiterzeitung, ein Münzset von 2019 – und ein Bauplan für den nun startenden Neubau samt Hammer.

Direkt neben dem Zelt warteten schon die Bagger, um mit dem inzwischen fünften Ausbau des Leipziger Porsche-Werks zu beginnen. Innerhalb von zwei Jahren soll hier ein neuer Karosseriebau hochgezogen werden, der inzwischen dritte des Werks, kündigte Reimold an. 75 500 Quadratmeter wird er messen, so viel wie zehn Fußballfelder. Und es ist nicht irgendein Karosseriebau: Hier sollen die Blechkleider für den ersten Elektro-Porsche aus Leipzig entstehen. Denn die nächste Generation des Leipziger Erfolgsmodells Macan kommt als reiner Stromer. Das hatte Porsche erst vor zwei Wochen verkündet – und legt jetzt schon mit dem Ausbau los.

„Wir investieren in die Zukunft des Standorts und bereiten ihn auf die Mobilität der Zukunft vor“, sagte Reimold. „Mit der Werkserweiterung übernimmt Porsche eine aktive Rolle bei der Gestaltung der Elektromobilität“, fügte Werksleiter Gerd Rupp hinzu.

BMW und VW in Sachsen schon E-Auto-Vorreiter

„Damit baut Leipzig seine Vorreiterrolle bei der Elektromobilität weiter aus“, sagte Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) mit Blick auf den zweiten Leipziger Autobauer BMW, der hier schon seit 2013 seinen Stromer i3 produziert. Und VW baut gerade sein Zwickauer Werk zur reinen E-Auto-Fabrik um. Mit Porsche setze nun auch der dritte Hersteller im Freistaat auf den Antrieb der Zukunft, freute sich Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU). „Porsche gestaltet die Mobilität der Zukunft künftig auch in Sachsen.“

Mehr als 600 Millionen Euro lässt sich Porsche den Ausbau kosten. Das ist sogar noch mehr, als bisher erwartet wurde – und die größte Investition, die Porsche je in Sachsen getätigt hat. Nur der gerade laufende Ausbau des Stuttgarter Stammwerks für den ersten Stromer Taycan kostet mit zwei Milliarden Euro noch mehr. Dieser Marke nähert sich Porsche nun auch in Sachsen: Seit der Eröffnung 2002 flossen schon mehr als 1,3 Milliarden Euro in das Werk, davon je 500 Millionen in die beiden bisherigen Karosseriebaue. Mit der jetzigen Investition dürfe die Marke von zwei Milliarden Euro erreicht werden.

Ausbau bringt kaum neue Jobs

„Das ist wirklich gut angelegtes Geld“, sagte Betriebsratschef Knut Lofski. „Das ist eine Investition in die Zukunft. Und ich bin mir sicher: Das wird ein wunderbares Projekt.“ Mit so vielen neuen Jobs wie bei den früheren Erweiterungen rechnet er dieses Mal aber nicht. „Das wird keinen exorbitanten Arbeitsplatzaufbau geben. Wir werden nur moderat wachsen.“ Doch das neue E-Mobil sichere die bestehenden Jobs im Werk: 4300 Mitarbeiter arbeiten direkt bei Porsche, zusammen mit Azubis und Leiharbeitern sind es laut Betriebsrat sogar 6500.

Viel mehr werden es durch den E-Macan nicht werden, sagte Reimold. Es werde aber auch keinen Stellenabbau geben. Sorgen, dass wegen des Umstiegs auf weniger arbeitsintensive E-Autos Jobs wegfallen, müsse sich niemand machen. „Das führt hier zu keinem Stellenabbau.“

Zudem könnten neue Jobs rund ums Werk entstehen. Reimold will für den Stromer weitere Zulieferer nach Leipzig locken. Er sei zuversichtlich, dass sich neue Firmen rund ums Werk ansiedeln. „Wir haben hier ja noch genug Platz.“ Vor allem das Herzstück des künftigen Stromers will er vor Ort bauen lassen: die Batterie. „Die werden wir von einem Lieferanten beziehen, der sich voraussichtlich hier in Leipzig ansiedeln wird. Wir sind da gerade in der Ausschreibung.“

Alter Macan wird parallel weiter produziert

Wann genau der E-Macan mit 400 bis 500 Kilometern Reichweite anrollt, wollte Reimold noch nicht verraten. Experten rechnen mit 2022. Ganz verabschieden will sich Porsche vom Benziner dann aber nicht. „Das wäre bei einem so erfolgreichen Modell ein viel zu großes Risiko“, hatte Vorstandschef Oliver Blume schon vor einem Jahr gewarnt. Zwar komme der neue Macan als reiner Stromer. Das alte Modell werde dann aber noch eine Weile als Benziner weitergebaut, kündigte Reimold an. „Wir werden den eine Zeit lang parallel bauen.“ Ein bis zwei Jahre könnte das so gehen, sagte Reimold. Werksleiter Rupp sprach sogar von drei Jahren.

Das ist auch einer der Gründe dafür, dass für den E-Macan ein dritter Karosseriebau hochgezogen wird, statt den bisherigen einfach umzubauen. Denn dort laufe die Produktion des alten Modells ja zunächst weiter. Zudem sei der Neubau billiger, sagte Reimold. „Wir hätten auch umbauen können. Aber das hätte mehr gekostet als ein Neubau.“ Denn die Architektur des E-Autos unterscheide sich so stark vom Benziner, dass es nicht mit einer kleinen Umrüstung getan wäre.

Eine angepeilte Produktionszahl wollte Reimold noch nicht nennen. „Unser Ziel ist aber natürlich eine ähnliche Zahl wie beim bisherigen Modell.“ Geplant waren davon ursprünglich nur 40 000 Stück pro Jahr, am Ende wurden es fast 100­ 000. „Wenn wir dieses Mal wieder so daneben liegen, würde uns das natürlich freuen.“

Von Frank Johannsen

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