Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Wirtschaft Regional Porzellan-Manufaktur Meissen setzt geplante Stellenstreichung um
Nachrichten Wirtschaft Wirtschaft Regional Porzellan-Manufaktur Meissen setzt geplante Stellenstreichung um
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:37 28.02.2020
Die Meissener Porzellan-Manufaktur hat 200 Stellen gestrichen. (Archiv) Quelle: Sebastian Kahnert/dpa
Anzeige
Meißen

Die Staatliche Porzellan-Manufaktur Meissen hat ihre Ankündigung wahr gemacht und rund ein Drittel der Stellen gestrichen. Der geplante Job-Abbau sei vollzogen worden, teilte das Traditionsunternehmen am Freitag mit. Den Angaben zufolge wurden 100 Stellen durch Altersabgänge, Altersteilzeit und das Auslaufen befristeter Verträge abgebaut. Rund weitere 100 Mitarbeitern musste gekündigt werden, betroffen sind auch 36 Arbeitsplätze in der Produktion. Auch Mitarbeiter im Vertrieb, Marketing, Logistik und Verwaltung mussten gehen. Die Beschäftigten seien ab sofort freigestellt, erklärten die beiden Geschäftsführer Tillmann Blaschke und Georg Nussdorfer. Die Zahl der Mitarbeiter sinkt auf gut 400.

Verluste seit Jahren

Europas älteste Porzellan-Manufaktur - gegründet 1710 - kämpft seit Jahren mit Verlusten. Mitte November hatte das Unternehmen drastische Sparmaßnahmen angekündigt - und den Schritt mit einem schwierigen Marktumfeld begründet. Nun orientiere sich die Manufaktur in die Zukunft, sagten die beiden Porzellan-Chefs der Deutschen Presse-Agentur. „Es gilt, in ‎dem herausfordernden Marktumfeld bei bestmöglicher Wirtschaftlichkeit das wunderbare ‎kulturelle Erbe der kunsthandwerklichen Porzellanherstellung zu erhalten und ‎weiterzuentwickeln.“

Anzeige

Um wieder auf Kurs zu kommen, trennt sich das Unternehmen mit dem weltbekannten Symbol der gekreuzten Schwerter zudem von unrentablen Standorten - so soll Ende März der Berliner Store unter den Linden geschlossen werden, ebenso der Laden in Köln. Von Standorten in Erfurt und Hamburg hatte sich die Manufaktur bereits früher verabschiedet. Der Store im Kaufhaus Harrods in London wird künftig von einem Partner betrieben.

Fehlentscheidungen

Die Ankündigung im November hatte die bekannte Porzellanstadt hart getroffen, von einem großen Schock war die Rede. Immer wieder werfen Politiker dem Management Fehlentscheidungen und mangelnde Transparenz vor. Nach Angaben des Finanzministeriums gibt es nach wie vor die Überlegung, das Fachwissen zur Porzellanherstellung in einer Akademie zu sichern. Zudem wird eine engere Zusammenarbeit der Manufaktur mit der Sächsischen Aufbaubank geprüft - etwa beim Controlling. Die Porzellan-Manufaktur ist eine hundertprozentige Tochter des Freistaats.

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) hatte sich in einem dpa-Interview jüngst hinter die Porzellan-Manufaktur gestellt. „Wir ‎müssen bereit sein, für dieses Kulturgut ein Stück weit Förderung zu geben.“ Dennoch müssten die Kosten in einem überschaubaren Rahmen bleiben. Die Einschnitte seien schmerzhaft, aber notwendig, betonte Kretschmer.

Von LVZ