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Wirtschaft Regional Prinzenrolle wird zum Ostprodukt: Keks-Produktion zieht nach Thüringen
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15:56 21.11.2018
Kommt ab Herbst 2019 aus Kahla in Thüringen: die Prinzenrolle von de Beukelaer. Quelle: Griesson-de Beukelaer
Kempen/Kahla

„Wir wissen, dass dieser Schritt eine Zäsur für Kempen bedeutet“, sagte der der Chef des Herstellers Griesson-de Beukelaer, Andreas Lang. Kurz nach 13 Uhr hatte er den Mitarbeitern im Werk am Freitag die Hiobsbotschaft überbracht. Statt in Kempen in Nordrhein-Westfallen soll der Doppelkeks künftig in Kahla in Thüringen hergestellt werden. Alle 270 Jobs im bisherigen Werk fallen fallen weg. Wie viele Jobs im Gegenzug in Kahla neu entstehen, ließ das Unternehmen zunächst offen. „Es werden definitiv neue Stellen entstehen“, sagte ein Sprecher. Eine genaue Anzahl könne man aber noch nicht nennen.

Fest steht: Der Standort in Thüringen wird kräftig erweitert. Das Werk, das es dort bereits seit 25 Jahren gibt, wird für 100 Millionen Euro ausgebaut. Schon in einem Jahr soll mit der Verlagerung der Produktion begonnen werden. Ende 2020 soll der Umzug abgeschlossen sein. Der Standort in Kempen wird dann geschlossen. Den Mitarbeitern dort wird ein Wechsel nach Thüringen angeboten. Beobachter glauben aber nicht, dass allzu viele das Angebot annehmen werden.

Kein Platz für neue Anlagen

Grund für den Umzug: Die Anlagen in der 1955 errichteten Keksfabrik in NRW sind völlig veraltet, und für eine Modernisierung fehle dort schlicht der Platz. Es gebe nicht einmal genug Stellflächen für die Kekspaletten, fügte Firmensprecher Peter Gries hinzu, der selbst zur Keks-Familie gehört: Er ist der Sohn des Firmenpatriarchen Heinz Gries. Die notwendige Modernisierung sei daher am bisherigen Standort „wirtschaftlich nicht realisierbar“. Daher habe man sich am Ende schweren herzens für den Umzug nach Thüringen entschieden. „Und es ist nicht leicht, eine solche Entscheidung zu treffen.“

In Kahla im Saale-Holzland-Kreis gibt es anders als in Kempen noch genügend Platz für Erweiterungen. Den nutze man nun, um auch die Kapazität der Prinzenrollen-Produktion zu erhöhen, sagte Gries. „Das wäre in Kempen schlicht nicht möglich gewesen.“

Ausbau kostet 100 Millionen Euro

Der Ausbau in Kahla hat längst begonnen: Mehr als 100 Millionen Euro investiert die Firma in den Standort. „Das ist eine der größten Investitionen in der Unternehmensgeschichte und gleichzeitig ein klares Bekenntnis zum Standort Kahla“, sagte Firmenchef Land im März beim ersten Spatenstich. Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) sprach damals von einem „wichtigen Zeichen für die Region und den Industriestandort Thüringen“, das die 435 Jobs im Werk sichere und neue schaffen werde. Allerdings wusste er damals noch nicht, dass dafür am anderen Ende der Republik 270 Stellen wegfallen.

Das Werk von Griesson-de Beukelaer in Kahla wird derzeit massiv ausgebaut. Quelle: Griesson-de Beukelaer

Inzwischen ist der Bau schon weit fortgeschritten. Das neue, 130 Meter lange Hochregallager für 17 000 Paletten steht schon, in der neuen, 240 Meter langen Produktionshalle daneben soll bereits im Sommer die erste von vier neuen Fertigungslinien in Betrieb gehen. Im Herbst 2019 soll dann der Umzug der Prinzenrollen-Fertigung beginnen – und Ende 2020 dann abgeschlossen sein.

Das Werk war 1993 von Griesson gegründet worden und wurde dann 1999 in die Ehe mit de Beukelaer eingebracht. Produziert werden hier bisher vor allem Softcakes der Marke Griesson. Schon jetzt ist die Fabrik der größte der vier Produktionsstandorte der Firma – und der modernste.

Kaum Interesse an Wechsel nach Thüringen

Griesson-de Beukelaer will allen Mitarbeitern, die in Kempen ihren Job verlieren, nun anbieten, nach Kahla oder auch an einen anderen Standort in Deutschland zu wechseln – zu unveränderten Konditionen. „Das Angebot gilt für alle“, versichert Sprecher Gries. Und auch Wurzen (Landkreis Leipzig), wo seit 2008 die Wurzener Dauerbackwaren zum Konzern gehören, stehe zur Auswahl. Denn auch hier dürfte bald investiert werden. „Wir sind auch in Wurzen am überlegen, wie wir den Standort ausbauen“, sagte Gries. Entschieden sei aber noch nichts.

In Kempen glaubt aber niemand, dass allzu viele die Wechsel-Angebote annehmen werden. Die Mitarbeiter seien „am Niederrhein mit ihren Familien verwurzelt“, sagte Kempens Bürgermeister Volker Rübo (CDU) der Rheinischen Post. „Nach Thüringen zu wechseln, kommt wohl nur für wenige infrage.“ Allen anderen sicherte das Unternehmen zumindest einen „fairen Sozialplan“ zu.

Von Frank Johannsen

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