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Wirtschaft Regional Regionalzüge im Osten deutlich pünktlicher als im Westen
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14:42 15.04.2019
Ein Regionalzug fährt am aus dem Hauptbahnhof in Halle/Saale. Bei der Pünktlichkeit ist Sachsen-Anhalt zwar Schlusslicht im Osten – aber deutlich besser als fast alle West-Länder. Quelle: Peter Gercke/dpa
Leipzig

Kommt der Zug oder kommt er nicht? Im Osten müssen Pendler deutlich seltener auf den Zug warten, als im Rest der Republik – zumindest bei den Regionalzügen der Deutschen Bahn (DB). Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage der Grünen im Bundestag hervor, die der LVZ vorliegt.

Auf den Spitzenplätzen in der Pünktlichkeitsstatistik für 2018 finden sich dort durchweg Ost-Länder. Thüringen und Sachsen belegen die Plätze 3 und 4 hinter Berlin und Mecklenburg-Vorpommern. Dahinter folgen Brandenburg gleichauf mit dem besten West-Flächenland, dem Saarland und Sachsen-Anhalt.

Alle Ost-Länder über Bundesdurchschnitt

Im Schnitt waren in Sachsen im vergangene Jahr 95,5 Prozent aller Regionalzüge der DB pünktlich - das heißt nach Bahn-Definition: weniger als sechs Minuten zu spät. In Thüringen waren es sogar 95,9 Prozent. Und auch das Ost-Schlusslicht Sachsen-Anhalt lag mit 94,6 Prozent noch deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 94,1 Prozent.

In Berlin lag der Wert sogar bei 97,3 Prozent, in Mecklenburg-Vorpommern bei 96,6 und in Brandeburg bei 95,3 Prozent. Bundesweites Schlusslicht war Bremen mit 86,0 Prozent, vor Schleswig-Holstein (87,9 Prozent) und Hamburg (89,0 Prozent). Allerdings wurde in der Hansestadt – anders als etwa in Berlin – die S-Bahn nicht mitgerechnet. Inklusive der deutlich pünktlicheren S-Bahn belegte Hamburg laut DB-Angaben mit 97,7 Prozent sogar den Spitzenplatz, noch vor Berlin.

Osten profitiert von neuer Technik und weniger Verkehr

Warum die Züge im Osten so viel pünktlicher sind? „Das liegt dran, dass die Strecken hier weitgehend modernisiert sind und es insgesamt weniger Verkehr auf der Schiene gibt“, sagte Karl-Peter Naumann, Ehrenvorsitzende des Fahrgastverbandes Pro Bahn, der LVZ.

Denn während im Westen oft noch störanfällige Uralt-Signaltechnik aufs Tempo drücke, sei in den neuen Ländern nach der Wende vieles erneuert worden. Das sorge jetzt für weniger Störungen. Zudem sei auf den Gleisen im Osten einfach weniger los. Es gebe hier weniger Fernzüge und Güterbahnen, die den Regionalverkehr ausbremsen. „Das macht schon etwas aus.“

Leere Züge sorgen für bessere Pünktlichkeit

Und auch die Regionalzüge selbst seien im Osten meist leerer, fügte Carsten Schulze von Pro Bahn in Leipzig hinzu. „Und die unpünktlichen Züge sind vor allem die, die sehr voll sind.“ Denn beim Ein- und Aussteigen komme es dann oft zu Verzögerungen. Im Osten dagegen habe die Bahn ihr Netz vor allem in ländlichen Regionen ausgedünnt. Wegen der geringen Auslastung gebe es hier nun auch weniger Probleme.

„Wo die Züge voll sind, kommt es auch hier zu Verspätungen, etwa auf der S3 und S5 in Leipzig“, erklärte Schulze. „Wo die Auslastung nicht so hoch ist, sind die Züge dagegen auf die Minute pünktlich.“ Das sorge am Ende für den guten Durchschnitt.

Pünktlichkeit sinkt seit Jahren

Fast überall hat sich die Pünktlichkeit allerdings verschlechtert. Das gilt auch für Sachsen. 2016 hatte der Wert im Freistaat noch bei 96,0 Prozent gelegen und 2017 bei 95,9 Prozent, 0,5 beziehungsweise 0,4 Punkte höher als 2018. Die beiden anderen mitteldeutschen Länder dagegen konnten sich im selben Zeitraum gegen den Trend verbessern: Thüringen von 94,3 über 95,7 auf 95,9 Prozent, Sachsen-Anhalt von 93,3 über 94,2 auf 94,6 Prozent.

Insgesamt summierten sich die Verspätungen aller DB-Regionalzüge in Sachsen im vergangenen Jahr auf 5,6 Millionen Minuten auf – also fast 94.000 Stunden. Das waren gut 16. 000 Stunden mehr als zwei Jahre zuvor. Rein rechnerisch warteten die Sachsen also 3900 komplette Tage auf einen Zug. In Sachsen-Anhalt dagegen schrumpfte die Summe der Verspätungen von knapp 69. 000 auf 58. 000 Stunden, in Thüringen von 18. 000 auf unter 14. 000 Stunden.

Fernverkehr hat mehr Verspätungen

Die Werte gelten nur für den Regionalverkehr, den die Deutsche Bahn im Auftrag der Kommunen und Verkehrsverbünde selbst durchführt. Im Fernverkehr waren 2018 dagegen nur 74,9 Prozent ICE, Intercitys und Eurocitys nach Bahndefinition pünktlich. Im Jahr zuvor waren dagegen noch 78,5 Prozent aller Fernzüge im Plan gewesen. Grund für den schlechteren Wert: Anders als im Regionalverkehr werden hier auch verpasste Anschlusszüge mitgezählt. Das treibt die Zahl nach oben.

Bahnkonkurrenten wie die Mitteldeutsche Regiobahn (MRB) aus Leipzig flossen überhaupt nicht in die DB-Statistik ein. Gerade bei der MRB hatte es im vergangenen Jahr zahlreiche Zugausfälle gegeben. Grund waren unter anderem kaputte Loks und fehlende Lokführer. Das Unternehmen tauschte deswegen im September sogar den Chef aus und gelobte Besserung.

Von Frank Johannsen

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