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Wirtschaft Regional Saale-Unstrut-Winzer wollen Weinberge bewässern – Geiseltalsee wird angezapft
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15:35 02.05.2019
Der Weinberg „Sonnenwinkel“ mit dem Schriftzug „Saale-Unstrut Weine“. Weil es im Sommer immer trockener wird, wollen die Winzer ihre Reben künftig bewässern. Quelle: Peter Endig/dpa
Freyburg

Manche Wünsche werden prompt erfüllt. „Wir brauchen einfach mehr Regen, damit die Landwirte gut leben können“, hatte Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) vor einer Woche bei der Eröffnung der Landwirtschaftsausstellung Agra in Leipzig gesagt – und mit einem Augenzwinkern hinzugefügt, dass „wir politisch wirklich alles versucht haben“, um für mehr Niederschlag zu sorgen.

Inzwischen hat der Regen der vergangenen Tage in der Tat für etwas Entspannung auf den trockenen Äckern gesorgt. Doch weil das auf Dauer kaum reichen wird, wollen Sachsen-Anhalts Winzer an Saale und Unstrut jetzt vorsorgen – und eine Bewässerung für ihre Weinstöcke bauen.

„Wir sollten uns jetzt auf einen möglichen Klimawandel vorbereiten.“, sagte der Geschäftsführer der Winzervereinigung Saale-Unstrut, Hans Albrecht Zieger, in der „Mitteldeutschen Zeitung“ (Donnerstag). „Mittelfristig wollen wir mindestens die Hälfte unserer Weinberge künstlich bewässern.“ Das wären rund 200 der 388 Hektar, die die Mitglieder der Genossenschaft bewirtschaften.

Pipeline zum Geiseltalsee geplant

Das Wasser dafür könnte aus dem nur zehn Kilometer von Freyburg (Burgenlandkreis) entfernten Geiseltalsee kommen. „Über eine Pipeline könnte dieser das Weinbaugebiet versorgen“, erläuterte Zieger. Damit greift der Winzerchef eine Idee auf, die Ministerpräsident Haseloff ins Gespräch gebracht hatte. Um nicht jedes Jahr Dürrehilfe an die Bauern zahlen zu müssen, wolle das Land den Bauern helfen, sich an den Klimawandel anzupassen, sagte er zum Agra-Start. Und fügte ausdrücklich hinzu: „Das geht bis hin zu Bewässerungssystemen.“

Franken gilt bisher als Vorreiter bei der Bewässerung von Weinstöcken. So wie diese Anlage in Volkach könnte es künftig auch in Freyburg aussehen. Quelle: Matthias Merz/dpa

Bisher werden nur 15 der 388 Hektar in dem Weinbaugebiet an Saale und Unstrut bewässert. Schwarze Schläuche, die 30 Zentimeter über dem Erdboden verlaufen, versorgen die Reben aus kleinen Düsen mit Wasser, das in kleinen Tropfen auf die Reben rieselt. Ein Ausbau dieses System wäre zwar aufwendig, aber nicht allzu kompliziert, sagte Zieger. Größtes Problem ist der Wassernachschub. Schließlich würden pro Hektar 500.000 Liter pro Jahr benötigt.

Wasser würde für 4000 Jahre reichen

Für die angepeilten 200 Hektar Bewässerungsfläche wären somit 100 Millionen Liter pro Jahr nötig. Daher verfielt der Winzerchef auf die Idee, den Geiseltalsee als Wasserspeicher anzuzapfen. „Den haben wir vor der Haustür.“ Der Geiseltalsee war ab 2003 durch die Flutung des 1993 stillgelegten Braunkohletagebaus Mücheln entstanden und fasst heute fasst heute mehr als 400 Millionen Kubikmeter Süßwasser – also über 400 Milliarden Liter. Das würde rein rechnerisch reichen, um die Weinberge 4000 Jahre lang zu bewässern.

Der Geiseltalsee bei Mücheln wird bisher vor allem touristisch genutzt. Künftig soll er auch das Wasser für die Winzer an Saale und Unstrut liefern. Quelle: Jan Woitas/dpa

In den kommenden Monaten will Ziegler die Pläne nun ausarbeiten – und hofft auf breite Unterstützung. Denn der Bau würde sich laut Ziegler schnell bezahlt machen. „Die Verluste aus zwei schlechten Ernten sind in etwa so hoch wie die Investitionskosten.“ Nachdem sich nach der Dürre 2018, als an Saale und Unstrut nur halb so viel Regen wie nötig fiel, in diesem Jahr erneut ein trockener Sommer abzeichnet, hätten die Winzer ihre Investition in die Bewässerungsanlage also schnell wieder eingespielt.

Von Frank Johannsen

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