Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Wirtschaft Regional Sachsens Handwerker fordern kostenlosen Meisterbrief
Nachrichten Wirtschaft Wirtschaft Regional Sachsens Handwerker fordern kostenlosen Meisterbrief
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:29 17.06.2019
Würde Sachsens Handwerkspräsident Roland Ermer gern öfter vornehmen: Übergabe von Meisterbriefen in Dresden. Quelle: Foto: M. Hiekel/dpa
Anzeige
Dresden

Sollen Handwerker nach der Meisterprüfung zusätzlich zum Meisterbrief auch noch einen Bachelor-Abschluss erhalten? Die Idee von Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) findet Sachsens Handwerkspräsident Roland Ermer gar nicht mal so übel. „Wegen der internationalen Vergleichbar würde es sicher nicht schaden, wenn es zum Meister den Bachelor dazu gibt“, sagte Ermer am Montag in Dresden.

Aber nur, wenn es den Titel zusätzlich zum angestammten Meisterbrief gibt. Karliczek hat in ihrem Entwurf für ein neues Berufsbildungsgesetz vorgeschlagen, den Handwerksmeister künftig „Bachelor Professional“ – also Berufsbachelor – zu nennen. Das stieß auf viel Kritik – vor allem im Handwerk, wo man um den angestammten Titel bangt.

Anzeige

Bachelor zusätzlich zum Meister – nicht als Ersatz

„Wir dürfen hier nicht den gleichen Fehler wiederholen, wie beim Diplom-Ingenieur“, warnte auch Ermer. Der „Dipl.-Ing.“, der auch im Ausland als Sinnbild deutscher Ingenieurskunst galt, war ab 1999 im Zuge des Bologna-Prozesses durch Bachelor und Master ersetzt worden. Das, so Ermer, dürfe sich beim Handwerksmeister nicht wiederholen. „Der Meistertitel gehört zum Handwerk. Den abzuschaffen halte ich für falsch“, sagte Ermer. Schließlich gelte der deutsche Meister auch im Ausland als Qualitätsmerkmal.

Wenn es zusätzlich zum bisherigen Abschluss den international üblichen Bachelor als Zweittitel gebe, sei das dagegen eine gute Idee. „Den Titel dazu zugeben, das halte ich für richtig.“ Das würde auch helfen, endlich die Gleichstellung der Meisterprüfung mit einem akademischen Abschluss zu erreichen, wie sie die Handwerker seit langem fordern.

Staat soll kosten für Meisterausbildung erstatten

Dazu gehöre aber dann aber auch, dass die Meisterprüfung künftig kostenlos wird, forderte Ermer. Schließlich finanziere der Staat ja auch die Hochschulen. Das müsse künftig auch für den Meisterbrief gelten. „Berufliche und akademische Bildung sollten finanziell gleichgestellt werden, vor allem angesichts des hohen Fachkräftebedarfs im Handwerk.“

Denn trotz Meisterbonus und Meister-Bafög sei der Erwerb des Titels nach wie vor eine teure Sache. „Bis jetzt müssen junge Leute dafür tief in die Tasche greifen“, sagte Ermer. 11.000 bis 20.000 Euro koste es je nach Gewerk, einen Meister zu machen. Und in Drittel davon müssten die Teilnehmer trotz aller Förderungen am Ende selbst finanzieren. Ein Hochschulstudium werde dagegen fast komplett vom Staat finanzier. „Das ist, so finden wir, nicht gerecht.“

Meisterschüler müssen Lehrgänge selbst bezahlen

Das Problem: „Der Geselle, der zur Meisterschule geht, geht vier bis sechs Monate direkt in die Schule“, erläuterte Ermer. „In der Zeit bekommt er auch keinen Lohn.“ Während dieser Verdienstausfall aber noch halbwegs über das Meister-Bafög abgefangen werde, das mehr als die Hälfte der Betroffenen in Anspruch nehme, kommen oben drauf noch hohe Lehrgangskosten, die die Schüler selbst bezahlen müssen.

Am günstigsten sei hier noch der Friseur-Meister, der mit 400 Stunden Unterricht auskomme – für die dann rund 6000 Euro an Lehrgangsgebühren anfallen. Beim Kfz-Meister dauere die Meisterschule dagegen 1100 Stunden – und kosten dann 11 000 Euro. Bei Zimmerern und Tischlern seie es kaum günstiger. Hinzu kämen noch die Kosten für die Materialien – und am Ende die Prüfungsgebühren. „Da ist man dann schnell bei 20.000 Euro.“

Auf diesen Kosten dürfe der Meisterschüler nicht länger sitzen bleiben. Nach bestandener Prüfung sollte der Staat die Kosten Erstatten, so Ermers Vorschlag. „Schließlich sind Handwerksmeister ebenso unentbehrlich wie Lehrer, Rechtsanwälte oder Architekten.“ Denn es brauche dringend mehr Meisterbetriebe, die auch Lehrlinge ausbilden können. Nur so lasse sich der Fachkräftemangel im Handwerk lösen.

Kammer begrüßt Ausweitung der Meisterpflicht

Nachdem 2004 die Meisterplicht für viele Berufe aufgehoben wurde, habe eine förmliche „Dequalifizierungsspirale“ eingesetzt, kritisierte Ermer. Denn Betriebe ohne Meisterbrief dürfen nicht ausbilden. Und auch die noch bestehenden Meisterbtriebe würden sich zurückhalten. „Die wollen nicht ihre eigene Konkurrenz auszubilden.“ Schließlich könne sich jeder ohne weitere Prüfung selbständig machen.

Positiv bewertet Ermer daher die Pläne der Bundesregierung, die Meisterpflicht wieder etwas auszuweiten. Das hatten CDU(CSU und SPD schon im Koalitionsvertrag vereinbart. Derzeit wird in Berlin eine Liste erarbeitet, für welche Berufe der Meister wieder Pflicht werden könnte, zum 1. Januar 2020 soll die Reform in Kraft treten. „Das ist für uns absolut überfällig“, sagte Ermer. „Ich hoffe nur, dass die Große Koalition noch so lange durchhält, damit das auch umgesetzt wird.“

Von Frank Johannsen