Dicke Klatsche für Donald Trump und Theresa May. Das Dauerhickhack um Brexit und US-Strafzölle hat das Vertrauen der sächsischen Wirtschaft in beide Länder abstürzen lassen: Dem lange gefürchteten Partner China, früher oft wegen Patentverstößen und staatlicher Bevormundung kritisiert, trauen die Mittelständler im Freistaat inzwischen mehr als den Briten und Amerikanern. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie der Commerzbank.
„Das fand ich selbst überraschend“, sagte der Leipziger Niederlassungsleiter im Firmenkundengeschäft, Thomas Gillmeister, bei der Vorstellung der Studie. „Der Mittelstand schenkt den USA und Großbritannien weniger Vertrauen als dem ehemaligen Schwellenland China. Dabei sind die USA und Großbritannien etablierte Volkswirtschaften. Das ist ein echter Paradigmenwechsel.“
Nur noch 13 Prozent der 104 befragten Unternehmen im Freistaat attestierten den USA gute oder sehr gute wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen. Bei China sagten das fast doppelt so viele: 23 Prozent. Damit landete die Volksrepublik im Ranking von zehn ausgewählten Ländern auf Platz drei hinter Deutschland selbst und Frankreich. Für die USA reichte es – mit deutlichem Abstand – immerhin noch für Platz vier, gleichauf mit Italien.
Großbritannien landet sogar hinter Russland
Noch düsterer sieht das Verhältnis zu Briten aus: „Großbritannien landet hinter Russland auf dem drittletzten Platz“, musste Gillmeister feststellen. Nur noch drei Prozent der befragten Mittelständler in Sachsen konnten hier gute wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen erkennen. Noch weniger waren es nur in Brasilien und dem Schlusslicht Türkei, bei dem kein einziger Befragten den Daumen hob. Russland dagegen landete mit elf Prozent nur knapp hinter den USA und Italien.
Dabei sind die USA und Großbritannien nach wie vor der zweit- und drittwichtigste Absatzmarkt für Produkte aus Sachsen – hinter China. Das gilt allerdings vor allem für die Autos von BMW, Porsche und VW aus Leipzig, Dresden und Zwickau, die Sachsens Exporte in alle drei Länder dominieren. Bei den von der Commerzbank befragten Mittelständlern sieht die Hitliste der wichtigsten Auslandsmärkte ganz anders aus: Ganz vorn liegt hier die Schweiz: 22 Prozent der Befragten führen dorthin Waren aus. Auf Platz zwei folgt – trotz der oft kritisierten Sanktionen – Russland mit 15 Prozent, noch vor den USA (13), Großbritannien und der Türkei (beide 12 Prozent).
Immer weniger Mittelständler exportieren
Allerdings: 67 Prozent der Befragten machen überhaupt kein Auslandsgeschäft und verkaufen nur in Deutschland. Nur 33 Prozent sind überhaupt im Ausland aktiv. Da sind sogar deutlich weniger als noch vor einigen Jahren. Denn die Commerzbank hatte in ihrer jährlichen Mittelstandsstudie, die bereits zum 19. Mal durchgeführt wurde, auch früher schon zweimal den Außenhandel untersucht: 2013 und 2007.
Und beide Male hatte der Anteil der Unternehmen, die auch ins Ausland verkaufen, noch deutlich höher gelegen: 2007 waren es noch 48 Prozent, 2013 sank der Wert dann schon auf 47 Prozent. Jetzt ging es auf 33 Prozent runter. „Da ist durchaus noch Potenzial für Wachstum“, stellte Gillmeister fest. In der Rangfolge der Top-Zielländer gab es aber keine Änderung. Auf den ersten drei Plätzen hatten auch 2013 schon die Schweiz, Russland und die USA gelegen.
Angst vor US-Politik größer als Sorge um Brexit und Italien
Gründe für die Zurückhaltung im Auslandsgeschäft gibt es laut der Studie genug: 41 Prozent der Befragten rechnen mit negative Auswirkungen der US-Außen- und Handelspolitik, fast ebensoviele (40 Prozent) fürchten sich vor zunehmenden globalen Handelskonflikten und 37 Prozent vor den Auswirkungen von Sanktionen. Vergleichsweise gelassen sehen die Sachsen da den EU-Austritt Großbritanniens: Nur 19 Prozent fürchten sich vor den Auswirkungen – bundesweit lag die Zahl mit 35 Prozent fast doppelt so hoch. Etwas größere. Und auch die Schuldenkrise in Italien lässt die Sachsen eher kalt: 21 Prozent machen sich deswegen Sorgen, bundesweit waren es 33 Prozent.
Allerdings: Gut die Hälfte der Befragten in Sachsen (57 Prozent) rechnen mit Blick auf die Krisen in den kommenden zwei Jahren mit einer Eintrübung der Konjunktur. Und zwei Drittel (67 Prozent) beklagen die insgesamt geringe Planungssicherheit. Das sei angesichts der unklaren Entwicklungen in Großbritannien, Italien und den USA auch kein Wunder, findet Gillmeister. „Da ist eine Menge Unsicherheit. Und solange die Probleme nicht gelöst werden, wird sich daran auch nichts ändern.“
Entwarnung gibt es trotz der guten Umfragewerte aber auch nicht für China: 88 Prozent der Befragten fordern, dass sich die Politik intensiver für die Sicherung von Patenten im Ausland einsetzt. Und das richtet sich vor allem gegen China, wo regelmäßig illegale Nachbauten auftauchen.
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Von Frank Johannsen