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Wirtschaft Regional Junger Gießerei-Chef setzt Familientradition im Erzgebirge fort
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Sachsens Unternehmer des Jahres: Im Erzgebirge führt ein junger Firmenchef Gießerei-Tradition fort

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10:03 08.01.2021
Der 27-ährige Max Jankowsky, Geschäftsführer der GL Gießerei Lößnitz GmbH im Erzgebirge, setzt die Familientradition fort. Quelle: Uwe Mann
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Lößnitz

Es ist ein goldfarbener, fester Brotaufstrich mit süßlich-würzigem Geschmack: Die GL Gießerei Lößnitz im Erzgebirge hat im Herbst ihren ersten Honig geerntet und nennt ihn Lößnitzer Lunkergold. Lunker sind Hohlräume im Metall, die beim Gießen entstehen können, wenn die Schmelze erstarrt.

Eigentlich sind sie kein Qualitätsmerkmal, aber darum geht es Max Jankowsky nicht. Das eigene Bienenvolk auf dem wilden Teil des Betriebsgeländes am Lößnitzbach ist für ihn ein kleiner Beitrag zur Nachhaltigkeit. Schließlich sind Bienen eine tragende Säule des Ökosystems. „Es gibt viele kleine Schrauben, an denen man drehen kann, die am Ende Großes bewirken“, ist der 27-jährige Geschäftsführer der Gießerei überzeugt.

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Chef verfolgt Nachhaltigkeitsstrategie aus Überzeugung

Der junge Gießerei-Chef, seit Anfang 2020 Geschäftsführer des Familienunternehmens zusammen mit Jörg Kattermann (38), verfolgt eine Nachhaltigkeitsstrategie aus Überzeugung. „Der Klimawandel ist die größte Herausforderung für die Menschheit“, erklärt Jankowsky.

Bis zum 5. Februar 2021 können sich sächsische Unternehmer noch für den Preise bewerben – oder können vorgeschlagen werden. Quelle: Unternehmerverband

Für eine klassische Eisengießerei, die hauptsächlich Form- und Presswerkzeuge für die Automobilindustrie herstellt, ist eine klimaneutrale Produktion keine einfache Sache. Bereits 2017 wurde ein moderne Entstaubungs- und Abluftreinigungsanlage in Betrieb genommen, in die rund fünf Millionen Euro investiert wurden. Zudem wird die Prozesswärme des Schmelzofens optimal genutzt. „Selbst das Duschwasser im Sanitärbereich wird mit der Abwärme aufgeheizt“, erzählt Jankowsky. „Wir strengen uns an, immer energieeffizienter zu werden.“

„Wir sind die erste klimaneutrale Eisengießerei in Deutschland

Doch bei den Investitionen blieb die Gießerei nicht stehen. Die beiden Geschäftsführer ließen den CO2-Fußabdruck des Unternehmens ermitteln. Durch den Erwerb von knapp 2000 Klimaschutz-Zertifikaten wurden die durch den Betrieb verursachten Treibhausgasemissionen für das Jahr 2020 ausgeglichen. „Wir sind dadurch die erste klimaneutrale Eisengießerei in Deutschland“, versichert der Geschäftsführer.

In diesem Jahr soll zusätzlich noch der Verbrauch des Brennstoffs Koks, mit dem der Schmelzofen betrieben wird, ausgeglichen werden. „Dann werden wir weitere 7000 Tonnen CO2 freiwillig kompensieren“, sagt Jankowsky. Die Kundschaft der Gießerei sieht das positiv. „Die Autokonzerne haben ihre Nachhaltigkeitsstrategien. Die sind froh, wenn der Zulieferer mit einem eigenen Konzept zu ihnen kommt“, meint der Gießerei-Chef.

Großvater hatte auf den richtigen Markt gesetzt

Die 1849 gegründete Eisengießerei wurde nach der Wende von der Treuhandanstalt an den damaligen Gießereileiter Karl Drechsel und seinen Geschäftspartner Frank Kattermann verkauft und ist seitdem ein Familienbetrieb. Der inzwischen verstorbene Karl Drechsel war Jankowskys Großvater, dessen unternehmerischen Mut er auch heute noch bewundert. „Er hat damals alles auf eine Karte gesetzt und ist ein hohes unternehmerisches Risiko eingegangen“, erzählt der junge Geschäftsführer.

Der Großvater hatte auf den richtigen Markt gesetzt und das Unternehmen auf große Form- und Pressteile für die Automobilindustrie spezialisiert. Heute gehören viele namhafte Autohersteller zur Kundschaft. Jährlich werden rund 12.500 Tonnen Guss hergestellt. Die einzelnen Gussteile wiegen zwischen 50 Kilo und 20 Tonnen. Mit 85 Mitarbeitern erwirtschaftet die Gießerei einen Jahresumsatz von rund 17 Millionen Euro. „Wir sind zwar ziemlich unbekannt, aber überall auf der Welt fährt das Erzgebirge mit, weil die Karosserie auf unserem Werkzeug gepresst wurde“, sagt Jankowsky sichtlich stolz.

Vor dem Umbruch in der Automobilindustrie ist ihm nicht bange

Auch vor dem Umbruch in der Automobilindustrie ist dem Geschäftsführer nicht bange: „Egal wie das Auto fährt, ob als Verbrenner oder mit Elektromotor, wir arbeiten mit daran und liefern die Werkzeuge dafür.“

Um in die Fußstapfen seines Großvaters und seines Onkels Joachim Drechsel zu treten, hat Max Jankowsky an der Berufsakademie Bautzen studiert und in mehreren Gießereien deutschlandweit gearbeitet. An der Universität in Mainz hat er anschließend einen Master in Management und Consulting absolviert, auch um bei seiner späteren Kundschaft mitreden zu können. „Man muss verstehen, wie Konzerne arbeiten, um ihren Bedürfnissen gerecht zu werden“, erklärt der Geschäftsführer, der für die Gießerei selbst beansprucht, „durch und durch ein Familienunternehmen“ zu sein.

Junges Team verarbeitet in einem uralten Verfahren Schrott zu hochpräzisen Gussstücken

Mit einem Durchschnittsalter der Belegschaft von 39 Jahren leitet Jankowsky zusammen mit Jörg Kattermann im Erzgebirge ein auffallend junges Team, das in einem uralten Verfahren Schrott im koksbetriebenen Ofen zu tonnenschweren hochpräzisen Gussstücken verarbeitet. „Gießen ist immer noch eine Kunst“, sagt der junge Chef. Es sei wie bei einem Spitzenkoch, dessen Rezepte erst durch seine Feinabstimmung, das gewisse Etwas erreichen, das Detail, das am Ende die Qualität ausmacht. „Das beherrschen wir hier im Erzgebirge“, meint er.

Seine unternehmerische Passion fasst Jankowski in einem Satz zusammen: „Ich will diese Industrie ein bisschen attraktiver machen.“ Wer sein Büro betritt, schaut als erstes auf ein Porträtbild von John F. Kennedy, dem 1963 ermordeten US-Präsidenten. Warum gerade Kennedy? Die Antwort von Max Jankowsky kommt prompt: „Frage nicht, was dein Land für dich tun kann. Frage, was du für dein Land tun kannst – darum!“

So läuft die Teilnahme am Unternehmerpreis

Der WirtschaftspreisSachsens Unternehmer des Jahres“ ist eine Initiative von Sächsische Zeitung, Freier Presse, Leipziger Volkszeitung und MDR sowie von Volkswagen Sachsen, der Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaft KPMG, der LBBW und der Gesundheitskasse AOK Plus.

Der Gewinner des Unternehmerwettbewerbs erhält die „Die Träumende“, eine vergoldete Bronze-Statue der Bildhauerin Malgorzata Chodakowska.

Bis zum 5. Februar 2021 kann man sich bewerben oder von anderen vorgeschlagen werden. Alles zu den Voraussetzungen und Anforderungen für eine Teil­nahme im Netz unter: www.unternehmerpreis.de

Von Christoph Ulrich