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Wirtschaft Regional Sachsens neuer Airport-Chef Götz Ahmelmann tritt sein Amt an
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19:53 15.10.2018
Sachsens neuer Airport-Chef Götz Ahmelmann, hier noch als Air-Berlin-Manager auf der ITB 2017 in Berlin. Quelle: Bernd Settnik/dpa
Schkeuditz/Dresden

Wechsel an der Spitze der Flughäfen Leipzig/Halle und Dresden: Am Montag hatte Götz Ahmelmann seinen ersten Arbeitstag als neuer Chef der Mitteldeutschen Flughafen AG, die die beiden sächsischen Airports betreibt. Den ersten Arbeitstag nutzte der 47-Jährige, um sich in Schkeuditz erst einmal einen Überblick zu verschaffen.

Erst vor vier Wochen war er vom Aufsichtsrat an die Spitze des Vorstands berufen worden. In der turbulenten Sitzung hatte er sich am Ende knapp durchgesetzt – gegen den langjährigen Vorstand Markus Kopp. Offiziell halten sich alle Seiten zu dem Thema bedeckt. Berichten zufolge soll es am Ende aber zu einer Kampfabstimmung gekommen sein.

Bis zum Schluss sollen vor allem die Arbeitsnehmervertreter in dem 15-köpfigen Gremium versucht haben, an Kopp festzuhalten. Die Vertreter des Freistaats Sachsen, mit 77 Prozent größter Gesellschafter der Airport-Holding, drängten dagegen auf einen Wechsel – und präsentierten Ahmelmann als „Überflieger“, der dem lahmenden Passagiergeschäft endlich Schub geben könnte.

Abstimmung im Aufsichtsrat endet mit Patt

Am Ende kam es zur Kampfabstimmung – die mit einem Patt endete. Laut „Sächsischer Zeitung“ gab es bei einer Enthaltung jeweils sieben Stimmen für und gegen Ahmelmann. Den Ausschlag gab dann Aufsichtsratschef Erich Staake, im Hauptberuf Vorstandsvorsitzender des Duisburger Hafens: Mit seinem doppelten Stimmrecht als Vorsitzender sorgte er dafür, dass die Ernennung durchkam.

Ahmelmann wurde damit nicht nur neuer Sprecher des Vorstands der Holding. Zugleich übernimmt er die Führung des Airport in Dresden. Kopp, bisher Chef in Dresden und zugleich Co-Chef der Holding, muss gehen. Der bisherige Vorstandssprecher Johannes Jähn bleibt Chef in Leipzig, ist in der Holding aber nur noch Nummer 2 hinter Ahmelmann.

Vertragsverlängerung erst vertragt und dann abgelehnt

Schon seit Langem wurde immer wieder über eine Ablösung von Kopp spekuliert, der seit Mai 2006 im Vorstand war, zeitweise sogar allein. Vor drei Jahren war ihm dann aber Jähn als Vorsitzender vor die Nase gesetzt worden. Und während der Neue, der von der Baumarktkette Obi kam, wie üblich sofort einen Fünf-Jahres-Vertrag erhielt, wurde der Vertrag von Kopp wenig später nur um drei Jahre verlängert. Seither galt er als angezählt.

Als im Juni 2018 über seine erneute Vertragsverlängerung abgestimmt werden sollte, kam es im Aufsichtsrat bereits zum Eklat: Die Abstimmung wurde auf September vertagt – und die Verlängerung dann mit knapper Mehrheit abgelehnt. Wie lange Kopp noch an Bord bleibt, ist offen. Offiziell ist er nach wie vor Mitglied des Vorstandes. Sein Vertrag läuft noch bis Ende März.

Airports nur halb ausgelastet

Für Unmut sorgte vor allem das schwache Abschneiden im Passagiergeschäft, für das Kopp zuständig war. Zwar konnten beide Airports zuletzt zulegen, doch mit 2,37 Millionen Fluggästen in Leipzig und 1,71 Millionen in Dresden sind beide nicht einmal zur Hälfte ausgelastet.

Von Kopp angeworbene Airlines wie Vueling aus Spanien und Darwin aus der Schweiz zogen sich ebenso schnell, wie sie gekommen waren, wieder zurück. Ryanair kam mit großen Plänen nach Leipzig, stutzte das Programm dann aber auf drei London-Flüge pro Woche zurück. Und auf der Strecke LeipzigMoskau versucht sich mit Pobeda inzwischen die vierte Airline seit Kopps Amtsantritt. Das von Jähn verantwortete Frachtgeschäft meldet dagegen einen Rekord nach dem anderen, vor allem dank des DHL-Drehkreuzes Leipzig.

Kontakte zu Lufthansa-Chef Spohr sollen helfen

Ahmelmann soll nun auch im Passagiergeschäft das Ruder herumreißen. „Wir hoffen, dass künftig die Chancen und Potenziale der beiden Airports bei den Passagieren besser genutzt werden“, hieß es nach seiner Berufung in Aufsichtsratskreisen. Der Neue gilt in der Branche als bestens vernetzt, soll beste Kontakte in die Lufthansa-Führungsetage bis hin zu Vorstandschef Carsten Spohr mitbringen.

Denn dort hatte Ahmelmann einst seine Karriere begonnen. Ab 1992 war er bei der Lufthansa die Karriereleiter hochgeklettert, bevor er 2014 als Vertriebsvorstand zu Air Berlin ging – und ein Jahr später weiter zur Mutter Etihad aus Abu Dhabi. Der nächste Wechsel war dann weniger glücklich: Im März 2017 kehrte Ahmelmann zu Air Berlin zurück – das war nur fünf Monate vor der Pleite.

Neuer Chef erhält mehr Geld als Vorgänger

Als Anreiz soll er in Sachsen nun eine hohe Erfolgsprämie erhalten, wenn er die vorgegeben Ziele für beide Airports erreicht, berichtet die „Deutsche Verkehrszeitung“. Und auch sein Grundgehalt ist höher als beim Vorgänger: Laut „Sächsischer Zeitung“ erhält er 275 000 Euro pro Jahr. Kopp kam ohne Zulagen nur auf 190 000 Euro, Jähn auf 240 000.

Gestern hatte der 47-jährige seinen ersten Arbeitstag als neuer Chef der Mitteldeutschen Flughafen AG, die die Airport in Schkeuditz und Dresden-Klotzsche betreibt – und verschaffte sich mit einer Erkundungsrunde in Schkeuditz erst einmal einen Überblick. Denn viel Zeit zur Vorbereitung hatte er nicht: Erst vor vier Wochen war er vom Aufsichtsrat an die Spitze der Airport-Holding berufen worden.

Von Frank Johannsen

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