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Wirtschaft Regional Schweizer Software One schluckt Comparex aus Leipzig
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11:40 02.04.2019
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Leipzig

Vor der Zentrale des IT-Dienstleisters Comparex im Norden von Leipzig werden schon bald wieder die Handwerker anrücken: Erst vor acht Jahren hatten sie dort den traditionellen Schriftzug des einstigen Börsenstars PC-Ware durch den Namen Comparex ersetzt. Jetzt verschwindet auch dieser. Seit Montag heißt die Firma Software One – und ist nur noch eine Außenstelle des gleichnamigen Schweizer Branchenriesen.

Vor dem Schriftzug wurden schon einmal die Flaggen getauscht: Das Tuch mit dem bisherigen Firmennamen wurde am Montag vor der Zentrale eingeholt – und durch drei neue mit dem Logo der neuen Schweizer Mutter Software One ersetzt. Wann auch das Schild auf dem Stein vor dem Firmensitz verschwindet, ließ das Unternehmen noch offen.

650 Mitarbeiter in Leipzig

„Wir sind unglaublich stolz auf den Abschluss der Übernahme von Comparex“, sagte Daniel von Stockar, Aufsichtsratschef von Software One. „Dadurch können wir an Größe gewinnen.“ Zusammen kommen beide Unternehmen auf mehr als 50. 000 Kunden und über 5500 Mitarbeiter in 88 Ländern. Fast die Hälfte der Mitarbeiter bringt Comparex in die Ehe ein: 2450. Davon 650 allein in der bisherigen Zentrale in Leipzig, die anderen 1800 an 80 Standorten in 36 Ländern, die nun ebenfalls zu Software One wechseln.

Er wolle „die Stärken und Talente beider Unternehmen zusammenbringen“, kündigte von Stockar an. Das werde „ungeahnte Möglichkeiten“ schaffen, ist sich der Konzernchef sicher. Der bisherige Comparex-Standort soll dabei eine zentrale Rolle spielen. „Leipzig ist eine wichtige Säule des deutschen Software-One-Geschäfts und der deutschen Tochtergesellschaft“, sagte eine Sprecherin auf LVZ-Anfrage.

Leipzig wird globales Service-Delivery-Center

Leipzig soll nun Sitz eines der drei globalen Service-Delivery-Centern der Gruppe werden, an denen die IT-Experten die Kunden in mehreren Ländern betreuen. Damit werde Leipzig „weltweit eine wichtige Rolle für die gesamte Gruppe einnehmen“, so die Sprecherin.

Ein Personalabbau sei am Standort nicht geplant – im Gegenteil. „Software One und Comparex sind beides schnell wachsende Unternehmen“, so die Sprecherin. „Der Grund für die Akquisition war es, weiter an Größe zu gewinnen und dieses Wachstum mit zwei der besten Teams der Branche voranzubringen.“

Marke Comparex wird aufgegeben

Und um die Kräfte besser zu bündeln, habe man nun entschieden, den Namen Comparex aufzugeben – und einheitlich als Software One aufzutreten, erklärte Dieter Schlosser, seit Januar Geschäftsführer von Software One. „In einem komplexen Geschäftsumfeld sind wir bestrebt, es unseren Kunden einfach zu machen. Einfachheit beginnt mit einem Namen.“ Daher werde die Gruppe ab sofort auch in Deutschland und in Leipzig unter der Marke Software One auftreten.

Geld verdienen beide Firmen vor allem mit Software, die sie für Firmenkunden beschaffen, auf deren Computern oder per Cloud installieren und anschließend auch warten. Bereits am 9. Oktober hatte Software One die Übernahme der Leipziger Firma angekündigt. Vor zwei Monaten wurde sie vollzogen – bisher aber weitgehend unbemerkt. Der Leipziger Standort lief weiter unter dem bisherigen Namen. Erst jetzt wurde er aufgegeben.

Bisheriger Chef Thomas Reich geht

„Ich bin zuversichtlich, dass Software One ein großartiges Zuhause für alle Mitarbeiter von Comparex sein wird“, sagte der scheidende Comparex-Chef Thomas Reich in seiner Abschiedsrede vor zwei Monaten. Anders als im Oktober angekündigt, bleibt der gebürtige Österreicher nicht an Bord. Er werde den Integrationsprozess noch einige Wochen lang unterstützen und das Unternehmen dann verlassen, hieß es.

Im Oktober hatte es noch geheißen, Reich werde zusammen mit seinem Vertriebschef Marc Betgem nach der Übernahme in den Vorstand der Schweizer Mutter wechseln. Warum Reich jetzt trotzdem geht, ließ das Unternehmen offen. Vertriebschef Betgem dagegen wechsel wie angekündigt in gleicher Funktion zur Mutter.

Name PC-Ware verschwand schon 2011

Für das Leipziger Erfolgsunternehmen ist es schon der zweite Eigentümerwechsel seit der Gründung. Die Firma war 1990 von dem Leipziger Chemiker Knut Löschke unter dem Namen PC-Ware gegründet worden und nach dem Börsengang im Jahr 2000 dann sogar zeitweise zum Star am Neuen Markt aufgestiegen.

2009 holte Löschke dann die Raiffeisen Informatik aus Österreich als Geldgeber an Bord – und wurde von den neuen Herren aus dem eigenen Unternehmen gedrängt. Die Österreicher tauschten das Management aus, nahmen PC-Ware von der Börse – und änderten 2011 schließlich den Namen in Comparex.

Standort wurde erst 2016 ausgebaut

Die Zentrale blieb aber in Leipzig, wurde sogar weiter ausgebaut. Seit der Übernahme durch die Österreicher hat sich die Belegschaft in Leipzig mehr als verdoppelt. Erst vor Ende 2016 war auf dem Firmengelände direkt an der Autobahn 14 im Norden von Leipzig ein fünf Millionen Euro teurer Anbau eröffnet worden – mit Platz für 250 Mitarbeiter.

Bereits 2015 hatte es Berichte gegeben, Raiffeisen suche nach einem Käufer für Comparex. Damals war von einem angestrebten Erlös von 350 Millionen Euro die Rede. Aus dem Verkauf wurde damals aber nichts. Wie viel jetzt die Schweizer bezahlten, wurde nicht verraten. Darüber sei Stillschweigen vereinbart worden.

Um den Zukauf zu stemmen, hatte sich Software One erst im August einen Finanzinvestor an Bord geholt: KKR aus New York war mit 25 Prozent bei dem bisherigen Familienunternehmen eingestiegen. Das Sagen haben aber weiter die Gründer, versicherte Aufsichtsratschef von Stockar. Sie halten weiter 75 Prozent.

Von Frank Johannsen