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Wirtschaft Regional Sparkasse Leipzig führt Strafzins ein
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09:27 12.01.2017
Die Sparkasse Leipzig erhebt von Geschäftskunden jetzt Negativzinsen.  Quelle: dpa
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Leipzig

 Geschäftskunden der Sparkasse Leipzig müssen Strafzinsen zahlen: Seit Januar erhebt das Finanzinstitut von ihnen einen Negativzins von 0,4 Prozent auf Geldeinlagen von mehr als 500 000 Euro. Ab Februar betrifft das sogenannte Verwahrentgelt auch Kommunen und kommunale Unternehmen.

Als Grund verweist das kommunale Institut auf den Negativzins von 0,4 Prozent, der bei der Europäischen Zentralbank (EZB) anfällt, wenn Banken dort Geld parken. Das reiche die Sparkasse Leipzig an ihre Kunden weiter. Von den mehr als 35 000 Geschäfts- und Firmenkunden seien allerdings nur ein paar Hundert betroffen.

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Auch die Leipziger Volksbank bittet ihre Geschäftskunden schon seit einiger Zeit zur Kasse, wenn der Betrag von einer Million Euro überschritten wird. „Wir schließen nicht aus, das Geschäftskunden ihre Guthaben so verteilen, dass möglichst wenig Verwahrentgelt anfällt“, sagt Sprecher Torsten Wünsche.

Vorreiter war 2014 die Skatbank aus Altenburg

Auch bei der Ostsächsischen Sparkasse Dresden (OSD) müssen gewerbliche Kunden Strafzinsen bezahlen – ab einer Million Euro auf dem Girokonto. „Die OSD hat das Thema eingehend geprüft und ist zu dieser fairen und transparenten Regelung gekommen“, sagt die stellvertretende Unternehmenssprecherin Petra Gehlich.

Als erste Bank in Deutschland hatte schon 2014 die zur Volksbank Altenburger Land gehörende Deutsche Skatbank einen Strafzins eingeführt. Auch hier liegt das Verwahrentgelt inzwischen bei 0,4 Prozent. Bei privaten wie geschäftlichen Girokonten gilt es ab einer Million Euro. Damit werden in Altenburg auch Privatkunden zur Kasse gebeten. Ähnlich handhabt es seit Oktober die Volksbank Stendal.

Privatkunden in Leipzig nicht betroffen

Anders ist dies bei der Sparkasse Leipzig. „Für private Girokonten wird auch weiterhin kein Verwahrentgelt berechnet“, sagt Sparkassen-Sprecher Frank Steinmeyer.

Dies deckt sich mit der Linie des Ostdeutschen Sparkassenverbandes. Präsident Michael Ermrich sagte dazu: „Wir hoffen, dass sich der unausgesprochene Konsens unter den Kreditinstituten hält, dass Kunden, die nicht zu den Vermögenden zählen, weiterhin keine Negativzinsen auf Spareinlagen zahlen müssen.“

Die Industrie- und Handelskammer zu Leipzig (IHK) sieht die Einführung des Strafzinses nüchtern. „Die Banken und Sparkassen passen wie alle Unternehmen ihre Geschäftsmodelle den jeweiligen Marktgegebenheiten an – und letztendlich entscheidet der Kunde“, erklärt Hauptgeschäftsführer Thomas Hofmann.

Kreditvergabe der Sparkasse Leipzig steigt

Im Juni 2014 führte die EZB den Negativzins ein, seit März 2016 liegt er bei 0,4 Prozent. Er soll einen Anreiz für Banken schaffen, mehr Geld zu verleihen und so die Wirtschaft anzukurbeln.

Die Sparkasse Leipzig rechnet nicht damit, dass das Verwahrentgelt der Grund für höhere Kredite sein wird, wie Steinmeyer ausführt. Dennoch verzeichnet das Institut aber Erfolge beim Ausbau des Kreditgeschäfts. „Das Volumen der ausgereichten Kredite wird 2016 erstmals bei rund vier Milliarden Euro liegen. Dieses Wachstum wollen wir fortsetzen“, so Steinmeyer.

Bei der Commerzbank gibt es bisher keine einheitliche Regelung zu den Strafzinsen. Bei zu hohen Einlagen von Firmen wird eine individuelle Guthabengebühr vereinbart. Die Deutsche Bank hält sich ebenfalls noch von den Negativzinsen fern, sehr große Anlagekunden werden auf passende Anlagealternativen aufmerksam gemacht.

Von Andrea Schulze