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Wirtschaft Regional Streit zwischen Ländern gefährdet Ausbau der Bahnstrecke Leipzig–Gera
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12:47 02.05.2019
Fuhr am 1. Februar schon testweise von Leipzig nach Grimma: Der Wasserstoffzug Coradia iLint von Alstom. Quelle: Michael Wittwer/Alstom
Leipzig/Zeitz

Sie steht in Sachsen und Sachsen-Anhalt weit oben auf der Wunschliste zum Strukturwandel in der Braunkohleregion: Die Anbindung von Zeitz in Sachsen-Anhalt, wo die Mibrag ihren Sitz hat, an das Leipziger S-Bahn-Netz. Doch mangelnde Abstimmung zwischen den Bundesländern Sachsen und Sachsen-Anhalt könnte das Projekt jetzt gefährden.

Zwar haben sowohl Sachsen als auch Sachsen-Anhalt die Strecke als Leuchttrumprojekt auf die Wunschliste gesetzt, mit der sie beim Bund Projekte für den geplanten 40-Milliarden-Euro-Fonds zum Strukturwandel in den Braunkohleregionen angemeldet haben. Doch offenbar, so berichtet nun die „Mitteldeutsche Zeitung“, haben sie sich vorab nicht abgestimmt – und gingen mit völlig unterschiedlichen Ansätzen ins Rennen.

So setzt Sachsen auf der Strecke auf den Einsatz von modernen Wasserstoffzügen. Eine entsprechende Machbarkeitsprüfung fand sogar schon Eingang in das Anfang April aufgelegt Sofortprogramm des Bundes, mit dem ersten Projekte angeschoben werden sollen. Sachsen-Anhalt dagegen will die Strecke mit Oberleitungen versehen und dort dann E-Loks einsetzen.

Dieselloks dürfen nicht durch den City-Tunnel

Das Problem: Auf der Strecke Leipzig–Zeitz–Gera fahren bisher Dieselloks. Doch die dürfen wegen ihrer Abgase in Leipzig nicht durch den City-Tunnel. Die Umstellung auf E-Loks, die im City-Tunnel erlaubt sind, scheitert auf der Strecke aber daran, dass es dort keine Oberleitungen gibt. Deshalb will Sachsen-Anhalt die Strecke jetzt mit dem Kohlemillionen elektrifizieren.

Sachsen dagegen will auf Oberleitungen verzichten – und stattdessen Wasserstoffstoffzüge einsetzen. Die sind mit einer Brennstoffzelle als Stromlieferant ausgestattet. Da bei der Verbrennung nur Wasserdampf und keine weiteren Abgase entstehen, sind auch sie im City-Tunnel zugelassen. Das hatte der Zweckverband Nahverkehr Leipzig (ZVNL) im vergangene Jahr in einer Studie festgestellt.

Sachsen hat die Strecke nach Zeitz und Gera in seiner Projektliste dann als prädestiniert für den neuen Antrieb eingestuft – neben der Strecke LeipzigGrimmaDöbeln. Auf der Strecke LeipzigGrimma hatte ein solcher Zug bereits am 1. Februar seine Premiere. Ab 2025 könnten die Wasserstoffzüge dann auf beiden Strecken zur Regel werden, hieß es bei der Vorstellung der Projektliste für das Sofortprogramm.

Wasserstofftankstellen fehlen noch

Das würde aber laut ZVNL nur mit den Fördermitteln aus dem Kohlefonds gehen. Denn die Wasserstoffzüge sind teurer als Diesel- oder E-Loks, sagte ZVNL-Chef Oliver Mietzsch der Zeitung. Dafür würde es auch dem Standort Leuna helfen. Denn der Wasserstoff könnte von dort bezogen werden.

Grund für die unterschiedlichen Ansatze der beiden Länder: Sachsen hält eine Elektrifizierung der Strecke auf absehbare Zeit für wenig wahrscheinlich. Denn die Bahn als Eigentümer der Gleise mache keinerlei Anstalten, hier Oberleitungen anzubringen.

Daher setzt Sachsen auf die Wasserstoffzüge, die ohne Investitionen ins Bahnnetz auskommen. Allerdings müssten entlang der Strecke noch Wasserstoff-Tankstellen für die neuen Züge gebaut werden, hieß es beim ZVNL.

Sachsen-Anhalt und Thüringen fordern Oberleitungen

Sachsen-Anhalt sieht den Wasserstoffantrieb dagegen allenfalls als Übergangstechnik. Denn E-Loks seien unterm Strich wirtschaftlicher und auch umweltfreundlicher, sagte ein Sprecher des Verkehrsministeriums in Magdeburg dem Blatt. Das würde die Strecke dann auch für Güterzüge attraktiver machen. Die teurere Wasserstofftechnik dagegen würde sich hierfür nicht rechnen. Auch Thüringen, auf dessen Gebiet der Zielort Gera liegt, favorisiere daher die Elektro-Variante.

Zudem fahren die Wasserstoffzüge nur lokal emissionsfrei. Denn für die Herstellung des Kraftstoffs – durch Aufspaltung von Wasser – wird in Leuna viel Strom benötigt. Und der kommt dort bisher vor allem aus dem Braunkohlekraftwerk Schkopau.

Einen Widerspruch sieht Sachsen-Anhalt in den unterschiedlichen Ansätzen der Bundesländer aber nicht. „Es gibt Bedarf am der Strecke, darüber sind sich alle einig“, sagte Regierungssprecher Matthias Schuppe der Zeitung. Die Details der Umsetzung müsse man nun in den weiteren Absprachen klären.

Von Frank Johannsen

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