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Wirtschaft Regional Tauziehen um Antonow-Flüge in Leipzig: Unternehmen droht das Aus
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16:28 14.09.2016
AN 225 Antonow am Flughafen Leipzig-Halle. (Archiv)
AN 225 Antonow am Flughafen Leipzig-Halle. (Archiv)   Quelle: Roland Heinrich
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Leipzig

 Um die Antonow-Flüge am Flughafen Leipzig/Halle ist offenbar ein heftiges Tauziehen entbrannt. Das Gemeinschaftsunternehmen Ruslan Salis, das die Flüge seit zehn Jahren anbietet, steht einem Medienbericht zufolge nun vor dem Aus.

Hintergrund soll ein Streit zwischen den beiden Partnern aus Russland und der Ukraine sein. Die Ukrainer sollen die Partnerschaft nun zum Jahresende aufgekündigt haben, berichtet das Fachportal „Cargo Forwarder Global“. Anfragen von LVZ.de an die Beteiligten in Leipzig, Moskau und Kiew blieben bisher unbeantwortet. Beim russischen Partner Volga-Dnepr werde gerade fieberhaft an einer Reaktion gearbeitet, berichtete eine mit der Situation vertraute Person.

Dem Bericht zufolge soll der Chef des ukrainischen Partners Antonov Group, Alexander Kotsuba, bei einem Treffen in Kiew erklärt haben: „Wir sind derzeit in der Phase der Trennung. Bis Ende des Jahres werden wir alle gemeinsamen Projekte beenden.“

Fotorückblick:

Bis zum Freitag war das weltgrößte Propellerflugzeug, eine Antonow AN 22, zu Gast in Leipzig. Am letzten Tag des Aufenthalts konnten Interessierte die Maschine besichtigen.

Streit um Ersatzteile eskaliert

Grund: Kotsuba wirft der Airline Volga-Dnepr vor, gegen Lizenzrechte zu verstoßen und seine Antonows mit nachgemachten Ersatzteilen zu reparieren, statt Originalteile aus der Ukraine zu verwenden. Volga-Dnepr betreibt auch in Schkeuditz seit 2012 ein Wartungshangar für die Antonows. Am Airport sind auch zwei der Riesenflieger stationiert.

Das ukrainische Staatsunternehmen dürfte sich damit in Stellung bringen für die anstehenden Verhandlungen mit der NATO. Denn der erstmals 2006 geschlossene Vertrag wurde zuletzt vor zwei Jahren verlängert und läuft Ende 2016 aus. Bis zu sechs Frachtmaschinen des Typs Antonow AN-124 hält das Gemeinschaftsunternehmen für Transportflüge im Auftrag der NATO bereit.

Ringen um Folgeauftrag

Laut einem Bericht der Welt wird derzeit darum gerungen, wer den Folgeauftrag bekommt: Ob dieser erneut an das Leipziger Gemeinschaftsunternehmen geht oder einer der beiden Partner den Auftrag allein erhält. Russland soll bereits mit einem alleinigen Angebot vorgeprescht sein.

Die erneute Verlängerung wird wegen der anhaltenden Problem beim Bau des Airbus A400M nötig. Eigentlich sollte der Airbus die Antonows ablösen. Doch weil die Auslieferung sich verzögert, gibt es keine Alternative zur AN-124. Und die könne nur in Russland und der Ukraine gechartert werden: Volga-Dnepr verfügt über zehn Maschinen des Typs, Antonov Airlines über sieben. Damit sind die beiden sind die einzigen Privatunternehmen weltweit, die die von der NATO benötigten sechs Maschinen stellen könnten.

Der Flughafen Leipzig/Halle wollte sich auf Anfrage nicht zu dem Streit äußern. „Wir arbeiten mit beiden Partnern sehr gut zusammen“, sagte Airport-Sprecher Uwe Schuhart. „Die Antonow-Maschinen gehören zum alltäglichen Erscheinungsbild des Flughafens. Darüber sind wir sehr froh.“

Von Frank Johannsen