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Wirtschaft Regional Tempo-Erbsen und Kuko-Reis: Vater von DDR-Lebensmitteln tot
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13:28 14.06.2017
Eine Packung Tempoerbsen Quelle: dpa
Potsdam

Tempo-Linsen, Tempo-Erbsen, Tempo-Bohnen oder Kuko-(Kurzkoch-)Reis waren in fast jedem DDR-Haushalt zu finden. Schnell und ohne viel Arbeit konnten sie zubereitet werden; dank spezieller Vorbehandlungen war das möglich. Am Institut für Getreideverarbeitung in Potsdam-Rehbrücke standen die „Küchen“ und Labore, aus denen die Produkte der Zukunft „Made in GDR“ kamen. Der Entwickler und Erfinder dieser Methoden, der Lebensmittelforscher Peter Kretschmer, ist am vergangenen Donnerstag im Alter von 78 Jahren gestorben.

„Auf die Tempo-Produkte war er besonders stolz, denn er hatte damals gerade seine wissenschaftliche Laufbahn begonnen“, sagt sein Sohn Thomas, der heute auch an dem Institut arbeitet.

Die Zubereitung von naturbelassenen Erbsen oder Linsen kann für den Koch eine Herausforderung sein. Kochbücher empfehlen lange Zeiten zum Einweichen der Hülsenfrüchte - möglichst sogar über Nacht. Sonst sind unangenehme Nebenwirkungen beim Genuss etwa einer deftigen, eiweißreichen Bohnensuppe nicht auszuschließen.

Der Erfinder der DDR-Tempo-Erbsen, Peter Kretschmer. Quelle: dpa

Die lange Kochzeit muss den DDR-Hausfrauen erspart bleiben. So lautete der Auftrag der DDR-Oberen an die Forscher um den jungen Kretschmer Mitte der 1960-er Jahre. Am damaligen Institut für Getreideforschung wurde dann an geeigneten Verfahren und Technologien gearbeitet. Bohnengerichte waren bodenständig und regional - Zutaten mussten nicht im Westen besorgt werden.

Um Importe zu sparen, wurden zudem Ersatzstoffe für teures Zitronat oder Orangeat entwickelt. Aus Potsdam-Rehrücke kamen zu DDR-Zeiten auch Erdnussflips aus aufgeblähtem Mais und Erdnussfett oder Cornflakes. Beide Produkte werden heute noch in Wurzen (Sachsen) hergestellt, wie auch der Kuko-Reis. „Mein Vater war ein Organisationstalent“, sagt Thomas Kretschmer. Es sei ihm immer gelungen, technische Geräte und Maschinen für seine Vorhaben zu beschaffen.

Nach der Wende wurde Peter Kretschmer Geschäftsführer des Instituts und kaufte es von der Treuhand. 2014 beendete der Lebensmittelforscher seine Arbeit. Als Hauptgesellschafter war er weiter an der strategischen Ausrichtung beteiligt, wie sein Sohn sagt. Heute werden Aufträge von Industrie und Forschung unter anderem zur Verarbeitung pflanzlicher Rohstoffe übernommen.

„Kochen und wieder trocknen“, beschreibt Joachim Kunz, Geschäftsführer der aco GmbH im sächsischen Oederan ganz simpel den Vorgang, wie einer Linse oder Erbse mehr „Tempo“ verschafft wird. Dann kommen die Hülsenfrüchte in den Karton. Noch ein paar Zutaten wie Würste und Kartoffeln dazu - und die Suppe ist innerhalb von zehn Minuten fertig.

Seine Firma hat seit 2001 die Lizenz, die Tempo-Produkte zu produzieren und zu vertreiben. Mehrere hunderttausend Packungen werden heute im Jahr von Sachsen aus in den ostdeutschen Handel geliefert; fast im identischen Outfit wie vor knapp 50 Jahren, nur ein wenig moderner im Design. „Im Westen gibt es andere Produkte. Da sind unsere nicht gefragt“, sagt er. Auf jeden Fall kann er einen Selbstversuch vorweisen: Selbst 17 Jahre alte Tempo-Erbsen sind noch genießbar.

dpa

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