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Wirtschaft Regional Ukraine lässt Leipziger Antonow-Maschine beschlagnahmen
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17:54 24.06.2019
Zwei Antonov AN-124 von Volga-Dnepr parken in Schkeuditz auf dem Vorfeld. Links die nun in beschlagnahmte Maschine. Vollzogen wurde der Gerichtsbeschluss aus Kiew in Sachsen bisher aber nicht.. Quelle: Lutz Brose
Kiew/Leipzig

Büßt Volga-Dnepr eine der in Schkeuditz stehenden Antonows ein? Ein Bezirksgericht in Kiew beschloss nun zumindest, das Flugzeug vom Typ AN-124 zu beschlagnahmen – zusammen mit vier anderen Maschinen desselben Typs. Grund: Die Ukrainer werfen der russischen Airline Volga-Dnepr, die die Flieger betreibt, vor, illegale Ersatzteile verbaut zu haben.

Allerdings: Keine der fünf Maschinen steht derzeit auf ukrainischem Boden. Selbst einen Kuckuck an die Flugzeuge kleben, dann die Ukraine daher nicht. Das Gericht appellierte daher an die jeweiligen Länder- darunter auch Deutschland – die Flugzeuge vor Ort zu beschlagnahmen. Außerdem wurden alle Flughafen aufgefordert, die Maschinen nicht mehr starten und landen zu lassen. Rechtlich bindend ist das für die deutschen Behörden und Flughäfen aber nicht.

Ukraine und Russland streiten um Rechte an Antonow-Fliegern

Die anderen vier beschlagnahmten Antonows standen dem Bericht zufolge in Mailand (Italien), Tunis (Tunesien), Abu Dhabi (Vereinigte Arabische Emirate), und Uljanowsk (Russland). Hintergrund ist der seit Jahren schwelende Streit um die Rechte an den Flugzeugen. Die meisten Exemplare der zur Sowjetzeiten entwickelten größten Frachtmaschine der Welt gehören zwar heute der russische Airline Volga-Dnepr, die Markenrechte liegen aber weiter in der Ukraine, auf deren heutigem Staatsgebiet die Maschine einst entwickelt wurde. Konkreter Inhaber der Rechte ist das Antonov Design Bureau in Kiew.

Die Ukrainer werfen Volga-Dnepr nun vor, an ihren zwölf Antonows eigenmächtig Wartungsarbeiten durchzuführen, die nicht vom Hersteller – also dem Antonov Design Bureau in Kiew – genehmigt wurden. Dabei sollen auch nicht lizenzierte Ersatzteile verbaut worden sein.

Im Mittelpunkt der Vorwürfe steht dabei die Schkeuditzer Volga-Dnepr-Tochtergesellschaft Amtes, die das Wartungshangar der Russen direkt an der Autobahn 14 betreibt. Die Firma führe hier illegale Wartungsarbeiten an den Maschinen durch, so der Vorwurf. Das Antonov Design Bureau beantragt daher nun, fünf Maschinen zu beschlagnahmen, um Beweise für die Vorwürfe zu sichern.

Leipziger Wartungshangar soll illegal arbeiten

Laut dem Beschluss des Gerichts verstoße der Betrieb der Maschinen gegen das internationale Luftfahrtrecht, sagte Antonov-Anwalt Roman Marchenko dem Branchenportal Air Cargo News. Denn durch die nicht lizenzierten Wartungsarbeiten am Airport Leipzig/Halle sei die Betriebserlaubnis erloschen. Das gefährde die Flugsicherheit. Die Antonov Group selbst sei der weltweit einzige Anbieter, der für solche Wartungsarbeiten zugelassen sei.

Volga-Dnepr wies die Vorwürfen gegenüber dem Portal zurück. „Die Volga-Dnepr-Gruppe ist der Ansicht, dass der Gerichtsbeschluss grundsätzlich unbegründet ist, ebenso wie die Chancen, ihn in den ausländischen Gerichtsbarkeiten durchzusetzen“, erklärte das Unternehmen. „Volga Dnepr ist von den russischen Luftfahrtbehörden uneingeschränkt für internationale Flüge zugelassen. Es entspricht allen internationalen Vorschriften für die Zivilluftfahrt.“ Die Airline werde nun alle Möglichkeiten prüfen, um gegen den Gerichtsbeschluss vorzugehen.

Anfragen der LVZ an Volga-Dnepr, an deren Schkeuditzer Tochter Amtes und an die Antonov Group blieben am Montag zunächst unbeantwortet.

Maschine wird seit Januar in Leipzig überholt

Der Gerichtsbeschluss erfolgte bereits vor mehr als zwei Wochen. Dem Bericht zufolge sind zwei der fünf beschlagnahmten Maschinen trotzdem weiter geflogen. Die in Schkeuditz stehende AN-124 mit der Nummer RA 82045 wurde dagegen bereits seit Januar nicht mehr eingesetzt. Die Maschine befindet sich seither zur Wartung und Modernisierung im Amtes-Hangar und führt nur regelmäßige Testflüge durch. Bei den Arbeiten an der Maschine gehe „es vor allem um die Modernisierung im Allgemeinen (Technik, Kraftstoffverbrauch etc.)“, hatte Amtes Ende Januar auf Anfrage erklärt.

In dem 2013 eröffneten Wartungshangar, dem die Ukrainer jetzt die Zulassung absprechen, hatten sie einst sogar selbst ihre Maschinen warten lassen. Denn bis Ende 2016 arbeiteten Antonov Airlines und Volga-Dnepr in Leipzig/Halle noch zusammen. Gemeinsam wickelten Sie damals im Rahmen des Salis-Projekts Frachtflüge für die Nato ab. Und auch die Maschinen der Ukrainer wurden in Schkeuditz beim russischen Partner gewartet.

Ukrainer kündigten nach Krim-Krise Zusammenarbeit auf

Nach der Krim-Krise kündigte die Ukraine die Zusammenarbeit dann aber Ende 2016 auf, zog ihre fünf Mitarbeiter aus dem Gemeinschaftsunternehmen Ruslan-Salis ab und machte am Südrand des Flughafens eine eigene Wartungsbasis auf. Inzwischen haben sich die Russen ganz aus dem Nato-Projekt zurückgezogen, seit Anfang 2019 erledigen die Ukrainer den Auftrag allein.

Volga-Dnepr hat seine Antonows aber trotzdem nicht abgezogen, nutzt die in Schkeuditz stationierten Maschinen jetzt für zivile Frachtflüge. Das Engagement wird sogar weiter ausgebaut: Erst vor einer Woche kündigte Volga-Dnepr auf der Parier Luftfahrtmesse Le Bourget an, ab 2021 auch mehr Boeing 747 in Schkeuditz abzufertigen. Bis 2030 soll die Tochter Air Bridge Cargo ihre Flüge in Leipzig/Halle mehr als verdreifachen. Das soll bis zu 500 neue Jobs nach Schkeuditz bringen.

Von Frank Johannsen und Lutz Brose

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