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Wirtschaft Regional VW-Werk Zwickau muss Elektro-SUV an Emden abgeben
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14:46 24.05.2019
Soll im Mai 2020 in Zwickau anlaufen: Das Elektro-SUV ID Crozz. Die ein Jahr später geplante Steilheck-Version könnte dann 2023 nach Emden wechseln . Quelle: Andreas Arnold/dpa
Zwickau

Sechs Stromer von drei Konzernmarken – drei VWs, zwei Audis und ein Seat –, darunter vier SUVs und zwei Kompaktwagen. Das ist der ehrgeizige Plan, mit dem VW sein Zwickauer Werk bis 2021 komplett auf Elektroautos umstellen will. Doch kurz vor dem Start der E-Auto-Fertigung im November würfelt der Konzern die Produktionsstandorte neu durch. Eines der sechs Elektromodelle, die bisher für Zwickau geplant waren, soll nun doch nicht in Sachsen gebaut werden, sondern im ostfriesischen Emden, berichtet das „Handelsblatt“. Grund: Der dort eigentlich geplante Billigstromer würde sich an dem Standort nicht rechnen. Deshalb braucht das Werk nun Ersatz – und soll ihn aus Zwickau erhalten.

Der Plan wurde laut „Handelsblattam Montag vom VW-Aufsichtsrat abgesegnet. VW selbst wollte sich dazu nicht äußern. „Dazu sagen wir nichts“, erklärte ein Sprecher auf Anfrage. Konkret soll es dem Bericht zufolge um eines der beiden bisher für Zwickau vorgesehenen Elektro-SUV gehen. Dieses Modell hatte E-Mobilitäts-Vorstand Thomas Ulbrich erst im vergangene November angekündigt. Geplanter Start: 2021. Jetzt soll das Modell 2023 in Emden anlaufen.

Zwickau auch mit einem Modell weniger ausgelastet

Das sächsische Werk könne leicht eines seiner sechs Modelle abgeben, zitiert das Blatt aus Konzernkreisen. Wegen der hohe Nachfrage nach dem ID 3, der hier im November anläuft, wäre das Werk trotzdem ausgelastet, hieß es. An der geplanten Hochlaufkurve in Zwickau soll sich dadurch nach LVZ-Informationen nichts ändern. Ende November wird zunächst der ID 3 anlaufen, der als erster reiner VW-Stromer einmal den Golf ablösen soll.

Sechs Stromer will VW in Zwickau an den Start schicken: drei VWs, zwei Audis und einen Seat. Los geht es im Npvember mit dem ID 3, bis Ende 2021 soll die Zwickauer Modellpalette dann komplett sein.

Ein halbes Jahr später – also im Mai 2020 – folgt dann das erste Elektro-SUV, der ID Crozz, der als Studie vor einem Jahr in Shanghai gezeigt wurde. Danach geht es Schlag auf Schlag: „Wir haben dann alle sechs Monate einen Produktionsstart“, sagte im November der Technik-Chef im Werk, Reinhard de Vries. Noch bis Ende 2020 sollen zunächst das spanische Schwestermodell des ID 3, der Seat El-Born, anlaufen – und kurz danach der Audi Q4 e-tron. Beide Modelle waren als Studie im März auf dem Automobilsalon in Genf zu sehen.

ID Crozz soll Steilheckvariante erhalten

2021 folgen ein weiteres SUV von Audi und eins von VW. Gezeigt wurden beide bisher noch nicht einmal als Studien. Bei dem VW dürfte es sich aber um eine Steilheckvariante des ID Crozz handeln, die jüngst als gut getarnter Erlkönig auf Testfahrt gesichtet wurde – verkleidet als VW Tiguan.

Eben jenes Steilheck-SUV, das bei VW einmal den Tiguan ersetzen soll, könnte dann zwei Jahre später nach Emden wechseln. Anlaufen soll es nach LVZ-Informationen dennoch zunächst in Zwickau. Erst 2023 wird es in Emden gebraucht, um dort die Lücken zu schließen.

Emden zu teuer für Elektro-Kleinwagen

Eigentlich sollte dort dann ein preiswerter E-Kleinwagen unterhalb des kompakten ID 3 anlaufen. So hatte es Konzernchef Herbert Diess im vergangen November angekündigt, als der Konzern beschloss, nach Zwickau auch Emden komplett auf E-Autos umzustellen. Mit einem Kampfpreis unter 20 000 Euro sollte das Einstiegsmodell aus Ostfriesland den Markt für E-Autos aufmischen. Auch die Schwestermodelle von Seat und Skoda sollten dort entstehen.

Doch beim Durchrechnen musste VW laut „Handelsblatt“ feststellen: Mit den Lohnkosten in Emden, wo VW sogar über Branchentarif zahlt und damit besser als in Sachsen, wäre der angepeilte Preis nicht zu halten. Oder VW würde mit jedem verkauften Auto Verlust machen. Deswegen, so das „Handelsblatt“ unter Berufung auf Konzernkreise, soll der Kleinwagen nun an einem billigeren Standort in Osteuropa entstehen, voraussichtlich im slowakischen Bratislava, wo bereits VW Touareg und Porsche Cayenne vom Band rollen.

Für Emden brauchte VW nun dringend Ersatz. Denn der Passat, der seit dem Abzug aus Zwickau ausschließlich dort gebaut wird, soll künftig bei Skoda in Tschechien entstehen. Emden soll 2027 dann überhaupt keine Benziner und Diesel mehr bauen. Und allein mit der ebenfalls für 2023 angekündigten Elektro-Limousine im Passat-Format wäre das Werk mit 9000 Mitarbeitern nicht auszulasten.

Schon mehr als 15.000 Bestellungen für ID 3

Fündig wurde VW in Zwickau, wo eher eine zu hohe Auslastung droht. Denn der ID 3 verkauft sich schon jetzt besser als erwartet. Seit 8. Mai kann der Wagen vorbestellt werden – und binnen 24 Stunden meldeten sich mehr als 10.000 Interessenten, um schon einmal 1000 Euro anzuzahlen. Inzwischen liegt die Zahl bei über 15.000.

Dabei gibt es von dem Auto bisher nur eine Studie, die VW 2016 in Paris enthüllt hat. Die Serienversion soll erst im September auf der IAA in Frankfurt präsentiert werden. „Die positive Resonanz zeigt uns, dass viele Kunden bereit sind für die E-Mobilität“, sagte Vertriebsvorstand Jürgen Stackmann. Vor allem in Deutschland, Norwegen, den Niederlande, Großbritannien und Schweden werde das Auto bestellt. „Und die Zahl der Pre-Booker steigt zügig weiter.“

Von Frank Johannsen

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