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Wirtschaft Regional VW verlängert Jobgarantie jetzt auch in Sachsen: Keine Kündigungen bis 2029
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11:49 05.06.2019
Blick auf das Werk von Volkswagen Sachsen in Zwickau. Quelle: Hendrik Schmidt/dpa
Wolfsburg/Zwickau

Gute Nachricht für die VW-Werker in Zwickau und Dresden: Trotz des Umbaus beider Standorte zu reinen E-Auto-Standorten soll es innerhalb der nächsten zehn Jahre keine Entlassungen geben. Am Mittwoch sprach der Konzern den 10.000 Mitarbeiter in Sachsen eine Jobgarantie bis 2029 zu. „Damit sind betriebsbedingte Beendigungskündigungen in dieser Zeit ausgeschlossen“, kündigte VW an. Stellen sollen aber trotzdem wegfallen. Das will VW jedoch ohne Kündigungen schaffen

„Mit der Beschäftigungssicherung bis 2029 sind betriebsbedingte Kündigungen in den nächsten zehn Jahren ausgeschlossen“, sagte Gesamtbetriebsratschef Bernd Osterloh am Mittwoch in Wolfsburg. „Das ist ein wichtiges Signal: Die Digitalisierung bringt Veränderungen, aber der Arbeitsplatz bei Volkswagen bleibt sicher.“

Werke in Sachen profitieren besonders

Die Jobgarantie gilt für alle VW-Standorte bundesweit – ausdrücklich auch in Sachsen, wo für die hiesige VW-Tochter regelmäßig andere Regeln gelten als für die Werke im Westen. Profitieren werden davon vor allem die 7700 Mitarbeiter in Zwickau, die 1800 im Motorenwerk in Chemnitz und die 400 in der Gläsernen Manufaktur in Dresden. Denn bisher gilt für sie nur eine Beschäftigungssicherung bis 2025.

In Emden und Hannover, wo künftig ebenfalls E-Autos gebaut werden sollen, gilt dagegen bereits eine Zusage bis 2028. Dort hatte VW bei der Ankündigung des Umbaus Ende 2018 auch die Jobgarantie verlängert. In Zwickau hatte es 2017 bei der Ankündigung, das dortige Werk zum ersten reinen E-Auto-Standort umzubauen, dagegen keine derartige Zusagegen gegeben. Jetzt gelten wieder für alle Standort bundesweit die selben Fristen.

Jobverlust durch E-Autos befürchtet

Die Zusage sorgt vor allem an den Standorten, die künftig E-Autos bauen, für Erleichterung. Denn die neuen Strome sind deutlich weniger arbeitsintensiv als die bisherigen Benziner und Diesel. Konzernchef Herbert Diess hatte kürzlich vorgerechnet, dass mein beim E-Auto wohl mit 30 Prozent weniger Montageaufwand auskomme. Experten fürchten daher eine dramatischen Jobverlust in der Branche.

Um das auszugleichen will VW in Zwickau mehr Autos bauen: Statt maximal 300.000 sollen dort künftig 330.000 Fahrzeuge pro Jahr vom Band rollen. Im November soll dort der erste Stromer ID 3 anlaufen, bis 2021 dann fünf weitere Modelle folgen, darunter auch welche von Audi und Seat.

4000 Jobs in Verwaltung fallen weg

Stellen streichen will VW trotzdem – auch in Sachsen. Bis zu 4000 Stellen sollen innerhalb der nächsten vier Jahre konzernweit wegfallen. Ausdrücklich erwähnt ist dabei neben der Pkw-Sparte und den Komponentenwerken auch Volkswagen Sachsen. Wie viele der gestrichene Jobs auf Sachsen entfallen, blieb zunächst offen. Sparen will der Konzern dabei nicht in der Produktion, sondern vor allem in der Verwaltung.

Zudem soll der Stellenabbau soll ohne Entlassungen über die Bühne gehen, indem frei werdende Stellen nicht neue besetzt werden. „Wenn Stellen durch Digitalisierung wegfallen, machen wir das entlang der demografischen Kurve so sozialverträglich wie möglich“, sagte Ralf Brandstätter, operativer Chef der Marke Volkswagen. „Zugleich schaffen wir neue, moderne digitale und agile Arbeitsplätze und verbessern unsere Produktivität.“

Osterloh stellte aber klar: „Beim möglichen Abbau von Arbeitsplätzen muss klar sein, dass diese Tätigkeiten tatsächlich entfallen — ansonsten wird weiterhin jede Stelle nachbesetzt, denn Arbeitsverdichtung wird es mit uns nicht geben.“ Die Verlängerung der Beschäftigungssicherung war eine zentrale Bedingung der Arbeitnehmervertretung für den von der Konzernspitze geplanten digitalen Umbau des Unternehmens.

Altersteilzeit wird ausgeweitet

Die Verlängerung der Beschäftigungssicherung war eine zentrale Bedingung der Arbeitnehmervertretung für den von der Konzernspitze geplanten digitalen Umbau des Unternehmens. Zudem sollen die bereits laufenden Vorruhestandsprogramme ausgeweitet werden. Künftig sollen auch Mitarbeiter der Jahrgänge 1962 bis 1964 in eine Altersteilzeit wechseln können. Bisher galt dies nur für die Jahrgänge bis 1961.

„Die Freigabe weiterer Jahrgänge für die Altersteilzeit war uns wichtig“, sagte Osterloh. Allerdings tritt die Ausweitung nicht automatisch in Kraft. „ Die Freigabe der Jahrgänge erfolgt, wenn Personal-, Finanz- und Produktivitätsziele erreicht werden“, hieß es bei VW.

Im Gegenzug will der Konzern bis 2023 mindestens 2000 neue Digitalarbeitsplätze schaffen – vor allem in Wolfsburg. Dafür will VW auch mehr investieren, um seiner Mitarbeiter fit zu machen für die neuen digitalen Jobs. Bis 2023 sollen 160 Millionen in die Qualifikation der Belegschaft fließen, 60 Millionen mehr als bisher geplant. Zudem sollen bis 2021 an sechs Standorten Elektro- und IT-Labore sowie Projektwerkstätten entstehen – für 8,5 Millionen Euro. Zum Zuge kommen hier aber nur Standorte in Niedersachsen und Hessen.

Von Frank Johannsen

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