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07:00 20.02.2017
Für Unternehmen wird es immer schwieriger, offene Stellen zu besetzen. (Archivbild) Quelle: dpa
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Dresden/Erfurt

Den Unternehmen in Mitteldeutschland fällt es immer schwerer, freie Stellen zu besetzen. „Rein rechnerisch kommen auf eine Stelle vier Bewerber“, sagt Frank Vollgold, Sprecher der Regionaldirektion Sachsen der Bundesagentur für Arbeit. 2005 seien es noch 34 Interessenten je Job gewesen. Genauer betrachtet gebe es bei Spezialisten und Fachkräften aber nur zwei Kandidaten, im Helferbereich seien es zwölf.

„Besonders bei Akademikern und bei ausgewählten Fachkräften braucht die Besetzung freier Stellen viel Zeit“, berichtet Vollgold. Das zeige sich unter anderem an der Vakanzzeit. In Sachsen liege die Dauer zwischen dem von der Firma gewünschten und dem tatsächlichen Besetzungstermin inzwischen bei 90 Tagen, das sind 14 Tage mehr als im Vorjahr. Thüringen liege mit 96 Tagen noch darüber, im Vergleich zum Vorjahr ist die Zeitspanne um sechs Tage gewachsen. „32 Prozent unserer Betriebe signalisieren, dass sie ein Fachkräfteproblem haben“, sagt Stefan Fauth, Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Wirtschaft Thüringens (VWT). Weitere 34 Prozent der Unternehmen wüssten, dass sie in fünf Jahren hier ein Problem haben würden.

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Dabei sind, zumindest theoretisch, genügend arbeitssuchende Menschen vorhanden. In Sachsen gibt es bei gut 31 000 freien Stellen 161 000 Arbeitslose, in Thüringen kommen auf 21 000 zu besetzende Stellen 79 000 Menschen, die einen Job suchen. Formell haben viele der Arbeitslosen einen Berufsabschluss. „Allerdings liegt dieser oder die entsprechende Weiterbildung oft so weit zurück, dass die Betreffenden nicht mehr als Fachkraft, sondern als gering qualifiziert gelten“, erläutert Vollgold. Das betreffe auch die Langzeitarbeitslosen – 57 000 in Sachsen und 28 000 in Thüringen suchen seit mehr als einem Jahr eine feste Anstellung. Mehr als die Hälfte von ihnen habe formell eine abgeschlossene Berufsausbildung oder sogar einen Hochschulabschluss.

Die demografische Entwicklung werde dafür sorgen, dass die Besetzung freier Stellen eine zunehmend größere Herausforderung darstellen wird. „Die Fachkräftesicherung ist wichtig, darum sollten auch Langzeitarbeitslose eine Chance bekommen“, fordert Vollgold. Der VWT und die Vereinigung der Sächsischen Wirtschaft (VSW) sehen in der Wiedereingliederung dieser Gruppe allerdings eine enorme Herausforderung. „Langzeitarbeitslose brauchen maßgeschneiderte Bildungsangebote, um sie entsprechend den Anforderungen des Arbeitsmarktes fit zu machen“, betont VSW-Sprecherin Sandra Lange. Hier unterstützen laut Vollgold die Arbeitsagenturen und Jobcenter. Weiterbildung werde angeboten, und Firmen, die einen Langzeitarbeitslosen einstellen, könnten bis zu einem Jahr lang Lohnkostenzuschüsse erhalten.

Andrea Schulze

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