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Wirtschaft Regional Zement aus Porsche-Lack? Wie das Leipziger Werk bis 2025 klimaneutral werden will
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17:22 21.05.2019
Zementwerk in der Autofabrik? Zwei Silos direkt am Porsche-Werk Leipzig versorgen die Filter der Lackiererei mit Kalksteinmehl-Nachschub. Quelle: Marco Prosch
Leipzig

Das Leipziger Porsche-Werk läuft dem Stammwerk in Stuttgart erneut den Rang ab: Mehr Autos als in Zuffenhausen werden hier schon lange gebaut – jetzt hat der Standort in Sachsen auch beim Thema Nachhaltigkeit die Nase vorn, zumindest knapp. Am Dienstag zeichnete die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) den Standort mit der Bestnote Platin aus.

„Die Auszeichnung ist Beleg dafür, dass sich Porsche beim Bauen hohe Nachhaltigkeitsziele steckt und diese konsequent und transparent umsetzt“, sagte DGNB-Vorstand Christine Lemaitre. Mit 81,6 von 100 möglichen Punkten habe das Werk die Zertifizierung sogar noch besser bestanden als das Porsche-Stammwerk in Stuttgart-Zuffenhausen, das vor zwei Jahren überprüft wurde. Stuttgart hatte zwar auch die Bestnote Platin erhalten – aber nur mit 81,5 Punkten, 0,1 weniger als jetzt Leipzig.

Geprüft wurden aber nur die bisherigen Bauten für die bestehenden Modelle Macan und Panamera. Inzwischen wird am Werk schon wieder kräftig investiert: Porsche baut das Werk gerade für 600 Millionen Euro aus, um hier künftig den Elektro-Macan als reinen Stromer zu bauen. Bis 2021 soll der Ausbau abgeschlossen werden.

Werk soll bis 2025 zur „Zero Impact Factory“ werden

Produktionsvorstand Albrecht Reimold, der für die Auszeichnung extra aus Stuttgart eingeflogen war, sieht die Bestnote als wichtigen Zwischenschritt auf dem Weg zur klimaneutralen Fabrik. „Nachhaltigkeit ist mehr als nur Klimaschutz. Unsere Vision ist eine Zero Impact Factory, also eine Produktion, die keinen ökologischen Fußabdruck hinterlässt“, sagte er. 2025 soll das Ziel erreicht werden. Bereits 2020 soll die Produktion zumindest CO2-neutral laufen. Seit 2014 haben man den CO2-Ausstoß bereits um 75 Prozent gesenkt.

Um das Ziel zu erreichen, setzt Porsche auf einen bunten Mix aus Maßnahmen: Die Wärme für die Fabrikhallen kommt seit jeher aus einem eigenen Biomassekraftwerk, das schon kurz vor dem ersten Spatenstich im Jahr 2000 in Betrieb ging. Strom wird seit 2013 über Solarzellen auf den Dächern der Fabrikhallen gewonnen. An guten Tagen liefern die mehr Strom, als der Karosseriebau darunter verbraucht. Den übrigen Strom kauft Porsche seit 2017 komplett als Ökostrom zu.

Kalksteinmehl filtert Lackreste raus – und wird dann zu Mörtel

In der 2013 eröffneten Lackiererei wurde bereits von Anfang darauf verzichtet, Lackreste umweltschädlich per Wasserbad zu beseitigen. Stattdessen kommt als Filter Kalksteinmehl aus einem Steinbruch in Hermsdorf in Thüringen zum Einsatz. Und das mit Lackresten vollgesogene Kalksteinmehl geht dann an das Optera-Zementwerk in Karsdorf in Sachsen-Anhalt, wo daraus Mörtel wird. Das Verfahren will Porsche jetzt auch in Stuttgart übernehmen.

Ein Mitarbeiter leert die Steinmehlfilteranlage bei Porsche in Leipzig. Quelle: Marco Prosch

Wer jetzt aber auf Zement in feschen Porsche-Farbtönen hofft, wird enttäuscht. „Durch das Mischen der Lacke wird das am Ende immer Hellgrau“, sagte Simone Haubold, Leiterin der Prozessabteilung in der Lackiererei.Im Zement sei davon gar nichts mehr zu merken.

Zudem bemüht sich Porsche darum, Strom zu sparen: LEDs statt Leuchtstoffröhren im Lichttunnel, wo Mitarbeiter nach Lackfehlern suchen, brachten 53 Prozent Einsparung. Eine intelligentere Steuerung der Roboter im Karosseriebau 12 Prozent. Und seit 2017 kurvt rund ums Werksgelände auch ein erster reiner Elektro-Lkw, ein 40 Tonner, der als Testwagen unterwegs ist.

Windräder, wie sie am Leipziger BMW-Werk stehen, könne man aber leider nicht aufstellen, sagte eine Sprecherin. Das scheitere am nahen Flughafen, in dessen Einflugschneise das Werk liegt. „Es gäbe genau eine Stelle auf dem Gelände, wo das gehen würde. Aber die ist ganz am Rand direkt neben einer Kleingartensparte – und die Leute da wären sicher nicht begeistert.“

Von Frank Johannsen

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