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Wirtschaftszeitung „Buzzard“: Neuer Blick auf die Nachrichtenwelt
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LVZ-Wirtschaftszeitung: Das Unternehmerblatt der Leipziger Volkszeitung
23:22 06.11.2019
Die Gründer von „Buzzard“, Dario Nassal und Felix Friedrich (r.), wollen mit einer Crowdfunding-Kampagne ihr Meinungsportal auf ein stabiles Fundament stellen.
Die Gründer von „Buzzard“, Dario Nassal und Felix Friedrich (r.), wollen mit einer Crowdfunding-Kampagne ihr Meinungsportal auf ein stabiles Fundament stellen. Quelle: Alisa Sonntag
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Leipzig

Selten wurde so heftig über Debattenkultur gestritten wie in diesen Tagen. Studenten stürmen Hörsäle, Grüne erhalten Morddrohungen, der Bundestag diskutiert über Meinungsfreiheit. „So langsam wird allen klar, dass etwas schief läuft in der Art und Weise wie wir miteinander diskutieren“, sagt Gründer Dario Nassal im Gespräch mit der LVZ-Wirtschaftszeitung. „Es muss sich etwas ändern.“

Gemeinsam mit Felix Friedrich hat Nassal 2017 das Online-Medium „Buzzard“ gegründet. Für den Prototyp haben die beiden Gründer zahlreiche Preise und Auszeichnungen erhalten (Kultur- und Kreativpiloten, Google Digital News Initiative, Media Lab Bayern, VOCER, Creative Business Cup).

Startup steht vor entscheidendem Schritt

Jetzt stehe das insgesamt achtköpfige Team aus Leipzig vor dem alles entscheidenden Schritt, sagt Friedrich. Rund 250 000 € brauche „Buzzard“, um das neue Online-Medium für ein Jahr als werbefreies, unabhängiges Journalismus-Projekt zu finanzieren. Die Idee von den Buzzard-Gründern ist es, ein Online-Medium zu schaffen, das zu aktuellen Themen Medien vom ganzen Meinungsspektrum im Überblick zeigt – übersichtlich und unvoreingenommen. „So wollen wir Verständnis für andere Positionen fördert - auch für Smartphone-Nutzer, die wenig Zeit im Alltag haben“, sagt Nassal.

Die beiden Politikwissenschaftler haben sich mit ihrer journalistischen Vision tatsächlich etwas sehr Großes vorgenommen. Ihre 2017 gegründetes Online-Medium „Buzzard“ soll eigenen Aussagen zu Folge die größte Plattform für politische Perspektiven in Europa werden, Debatten wieder beleben und in einer Zeit, in der Hass und Polarisierung politische Diskurse bestimmen.

Wollen den Nutzern mehr Meinungsüberblick verschaffen: Felix Friedrich (l.) und Dario Nassal vom Leipziger Startup „Buzzard“. Quelle: Alisa Sonntag

Vogelperspektive auf Politik und Gesellschaft

Wie der namensgebende Bussard, möchte das Team von „Buzzard“ den Überblick über die digitale Medienvielfalt bieten, die „Vogelperspektive auf Politik“. Die insgesamt acht Journalistinnen und Journalisten kuratieren Beiträge aus dem Netz vom ganzen Meinungsspektrum und bereiten sie für Leserinnen und Lesern auf. Zu jeder Medienperspektive erhalten Leser eine kurze Zusammenfassung, eine journalistische Einordnung und Hintergrundinformationen zu Autor und Medium.

„Damit wollen wir es Smartphone-Nutzern leicht machen, den Überblick zu behalten in der täglichen Nachrichtenflut und öfter in Berührung zu kommen, mit Positionen, die den Horizont erweitern“, meint Nassal. Denn, so die Idee der beiden Gründer, wenn Menschen sich wieder sachlicher und ausführlicher mit den Positionen und Motiven von Andersdenkenden beschäftigen, könnte das auch verändern, wie Debatten im Netz ablaufen.

Das Team von "Buzzard" am „Social Impact Lab“ in Leipzig-Plagwitz. Quelle: Alisa Sonntag

Der Radikalisierung etwas entgegen setzen

„Wenn wir verstehen, wo unser Gegenüber herkommt, warum die Andere denkt, wie sie denkt, dann wird auch ein vernünftiges Gespräch wieder möglich, dann kommen wir weg von den ewig gleichen, polarisierten Debatten. Dann können wir der Radikalisierung unserer Gesellschaft etwas entgegensetzen“, sagt Friedrich.

Alle Auswahlkriterien und Arbeitsprozesse möchten Friedrich und Nassal in der neuen App für Leser transparent einsehbar machen. Zusätzlich werde ein Beirat aus renommierten Journalistinnen und Journalisten die Auswahlkriterien und Arbeitsweise der Redaktion regelmäßig überprüfen. Aktuell seien bereits die stellvertretende Chefredakteurin von Zeit Online Maria Exner, der Moderator und Blogger Richard Gutjahr, sowie die Gründer von Krautreporter und dem Schweizer Magazin „Die Republik“ für den Beirat an Bord, sagt Nassal. „Buzzard“-Leserinnen und -Leser sollen in der neuen App über Themensetzung und Perspektivenwahl, Auswahlkriterien und Recherchen mitbestimmen und sich einbringen können.

Friedrich und Nassal setzen alles auf eine Karte

Dass es schwer ist mit Journalismus Geld zu verdienen, ist kein Geheimnis. Auch für das Team um Friedrich und Nassal war das bisher alles andere als einfach. In den vergangen Jahren hielt man sich mit Mühe und Not mit Förderungen und Kooperationen über Wasser. Jetzt setzen die beiden Gründer, die mit ihrem Team im „Social Impact Lab“ in Leipzig-Plagwitz beheimatet sind, alles auf eine Karte. In einer der größten Crowdfunding-Kampagnen im deutschen Journalismus, die am 5. November startet, hoffen Nassal und Friedrich nun darauf, dass der Knoten endgültig platzt und ihr Projekt auch finanziell auf eigenen Beinen stehen kann.

„In vier Wochen ist alles entschieden“, sagt Nassal. Wenn das Team aus Leipzig bis zum 8. Dezember 4500 Unterstützer und Unterstützerinnen finden, dann startet „Buzzard“ im Frühjahr 2020 die App für Perspektivenvielfalt. Schaffen sie es nicht, könnte es das Ende des Projekts bedeuten.

Wenn Sie sich über die Anliegen von „Buzzard“ informieren möchten: www.buzzard.org .

Von LVZ-Wirtschaftszeitung / frs