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LVZ-Wirtschaftszeitung: Das Unternehmerblatt der Leipziger Volkszeitung
22:13 11.10.2019
Das glückliche Trio (v. l.): Johannes, Juliane und Christian Hannemann. Quelle: Dirk Knofe
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Leipzig

Das Klima muss stimmen. Sonst funktioniert in der Leipziger Firma Climatech reinweg gar nichts. Dabei gewinnt der umweltträchtige Begriff sogar eine doppelte Bedeutung: Nicht nur, dass sich das Unternehmen der Klima-, Kälte-, und Lüftungstechnik verschrieben hat, nein: „Wir legen auch innerhalb unseres Hauses größten Wert auf ein tolles Miteinander“, erzählt Juliane Hannemann. „Die Atmosphäre muss angenehm sein, sonst läuft hier nichts rund“, ist die 41-Jährige überzeugt. Dieses Credo ist offensichtlich nicht nur der technischen Profession geschuldet – „im Haus ist übrigens alles klimatisiert“, versichert ihr Vater Johannes.

„Meine Tochter und mein Sohn Christian haben im April vor einem Jahr Climatech übernommen und dabei ist bislang alles recht ruhig vonstatten gegangen“, betont der 67-jährige gebürtige Wittenberger, der das Unternehmen am 18. Januar 1996 gegründet hatte – damals in Cunnersdorf („das kennt hier keiner“) und 2002 nach Leipzig zog. Mit fünf, sechs Leuten fing alles an. „Im Prinzip starteten wir als kleiner Handwerksbetrieb“, erzählt er. „Da ging es natürlich ganz familiär zu.“ Und bis heute, so die Tochter, sei das „Gott sei dank erhalten geblieben“. Wenngleich inzwischen fast 100 Beschäftigte auf den Gehaltslisten der drei zur Climatech-Gruppe gehörenden Betriebe stehen. „Ich denke, in diesem Zusammenhalt – auch zwischen meinem Vater, meinem Bruder und mir – steckt ein bisschen das Geheimnis unseres Erfolgs“, ist die Mutter eines siebenjährigen Jungen überzeugt.

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Geschwisterpaar harmoniert an der Firmenspitze

Krach hat es „in dem Maße nicht gegeben, seit mein Bruder und ich die Geschäftsführung in unsere Hände genommen haben“, betont die diplomierte Kauffrau, die 2007 ihr Studium an der Leipziger Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur abschloss. Dabei widmete sie sich dem „Strategischen Controlling im Mittelstand“ – am Beispiel des väterlichen Betriebes. „Das hilft mir jetzt in meiner neuen Funktion natürlich sehr.“ Ihr Bruder kümmert sich ums Technische. „Ich habe Kältetechnik gelernt“, erklärt der 36-Jährige. „Dann habe ich noch meinen Meister drangehängt und schon immer im Betrieb vom Vater gewerkelt.“ Wobei mit dem „Wort Chef komme ich noch nicht so zurecht. Das klingt mir sehr abgehoben“, meint der Junior, der Vater einer zehnjährigen Tochter ist. Seiner Schwester geht es offensichtlich ähnlich: „Ich mag das nicht so hervorkehren. Alle Mitarbeiter im Unternehmen sind in gleichem Maße wichtig, egal welche Position sie inne haben.“

Senior-Chef agiert noch täglich im Betrieb – bis Januar

Diese angenehme Bescheidenheit scheint den Hannemanns eigen zu sein. Und bedeutet auch, als Firmengründer uneitel zur Seite zu stehen. So richtig loslassen kann er wohl nicht? „Das bringt die Sache treffend auf den Punkt“, antwortet Juliane und zwinkert ihrem Vater zu, der diese Formulierung „nicht so gut“ findet, allerdings dabei schmunzelt. Trotz offizieller Firmenübergabe agiert er nach wie vor jeden Tag im Betrieb. Allerdings: „Ich werde ab Januar meine Präsenz reduzieren, dann bleibe ich montags zu Hause“, verspricht er und blickt dabei doch etwas skeptisch drein. Immerhin übt er schon fleißig, sich an seinen neuen Namen zu gewöhnen. „Geschäftsführer bin ich ja nicht mehr. Senior-Chef mag ich auch nicht heißen.“

Das Fachkräfteproblem selbst gelöst

Also wurde er von seinen Kindern kurzerhand zum „Chairman“ gekürt. „Stuhlmann“, übersetzt er und lacht. Dieses unaufgeregte Miteinander ist ein Glücksumstand und wohl einer der wichtigsten Bausteine, der die Belegschaft so „wunderbar zusammenschweißt“, wie Juliane es beschreibt. Beispiele dafür haben die drei natürlich prompt parat. Christian berichtet von einem Lehrling, „der hat einen Kurden aus der Berufsschule mit zu uns gebracht“. Er habe sich in seinem Betrieb nicht wohl gefühlt. „Da hat unser Azubi einfach zu ihm gesagt, komm mit zu Climatech – da ist es super.“ Darüber ist der Senior mehr als froh, wenn sich so das Fachkräfteproblem – „wir suchen nach wie vor neue Mitarbeiter“ – entschärft. Vor allem, „wenn es solche tollen Leute sind wie dieser junge Mann aus Kurdistan, da macht es einfach Spaß.“

Fluktuation tendiert nahe Null

Dass die Fluktuation im Betriebe nahe Null tendiert, spricht für sich. Eigentlich wollten Juliane und Christian ihren Vater beruflich gar nicht beerben. „Das hat sich so ergeben, wir sind da so peu à peu hineingewachsen.“ Die Nachfolge – „da sind wir noch mitten drin“, weiß die Chefin. Wie lange dies noch währt, das wisse sie selbst nicht so genau. Aber eines schon: „Wenn unser Vater im Urlaub ist, funktioniert fast alles schon wie am Schnürchen“, strahlt die junge Frau. Allerdings seien sie und ihr Bruder auch froh, „wenn er wieder vor Ort ist.“ Den einen oder anderen Rat saugen sie nach wie vor dankbar auf. Ein gesundes Klima ist eben eine Menge wert.

Von Ulrich Langer