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14:30 28.06.2019
Rhebo-Gründer und CEO Klaus Mochalski mit Kristin Preßler, der Geschäftsführerin des Startups. Quelle: Christoph Busse für Rhebo
Leipzig

Es passiert im laufenden Betrieb: Hacker greifen die digitale Infrastruktur eines chinesischen Atomkraftwerkes an, bringen den Reaktor fast zum Schmelzen, das Werk ist verstrahlt. Alles ist nur ein Test, denn kurz darauf soll in Malaysia ein Staudamm zerstört werden, um eine nahe Zinnerz-Mine zu überfluten. Die Weltmarktpreise des Metalls werden so in den Keller stürzen, durch die gesteuerte Katas­trophe wollen die Kriminellen Millionen an den Börsen einsacken.

Passwörter sind nur digitaler Beifang

Im düsteren Hollywood-Reißer „Blackhat“ sieht das wie eine digitale Horror-Fiktion aus der Zukunft aus. Doch solche Szenarien könnten jederzeit Realität werden, täglich kommt es weltweit millionenfach zu Angriffen auf Computernetzwerke. Wer dabei allein an geknackte E-Mail-Konten, Instagram- und Facebook-Accounts denkt, liegt nur zum Teil richtig. Geknackte Passwörter von Social Media-Profilen sind für die Betroffenen schlimm – aber im industriellen Maßstab, in dem das Leipziger Industrial-Security-Unternehmen Rhebo seine Kunden vor Angriffen schützt, sind sie nur digitaler Beifang. „Cyberkriminelle haben es häufig auf sogenannte Kritische Infrastrukturen wie Energieversorger oder Flughäfen sowie ganze Produktionslinien von Unternehmen abgesehen“, erklärt Klaus Mochalski, Gründer und CEO von Rhebo. „Mittels eingeschleuster Schadsoftware und mehrstufiger Angriffe werden interne Abläufe gestört, zum zeitweiligen Erliegen gebracht oder die komplexe Infrastruktur komplett zerstört.“

Jede Minute Ausfall kostet Geld

Jede Minute Ausfall kostet Geld: Die Beratungsfirma ARC Advisory veröffentlichte einen Report, aus dem hervorgeht, dass zum Beispiel eine Minute Produk­tionsausfall in der Pharmaindustrie mit 8300 Dollar an Kosten und Verlusten zu Buche schlägt. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) schätzt, dass weltweit pro Tag rund 400 000 neue Arten von Trojanern, Viren oder anderer digitaler Schädlinge durchs Netz schwirren. Diese oftmals autark handelnden Programme stehlen vertrauliche oder geheime Daten und steuern Computer fremd. Mal ein Garagentor, mal ein Industrieroboter, in schlimmeren Fällen Windräder oder Kraftwerke.

Was am Server hängt, kann angegriffen werden

Es ist der gewollte digitale Fortschritt, der diese Gefahr mit sich bringt: Intelligenz und Vernetzung kann bei Maschinen und digitaler Infrastruktur zum Problem werden. „Alles, was mit einem Server steuerbar ist und direkt oder indirekt ans Internet angeschlossen ist, kann auch angegriffen werden“, sagt Klaus Mochalski. Diese Bedrohung werde noch weiter wachsen, denn die Digitalisierung startet bei vielen Unternehmen gerade erst. Je mehr Produktionslinien und Infrastruktur digitalisiert werden, desto zukunftsfähiger bleibt das Unternehmen. Je größer das Unternehmen ist, je spezieller eine Produktfertigung, desto komplexer wird auch die notwendige IT-Technik. Aber je digitaler die Firmen werden, desto eher kann es zu Überforderung, Sicherheitslücken und Angriffen kommen.

Standard-Software erkennt nur Standard-Viren

Die eigene digitale Sicherheit können Unternehmen durch Dienstleister wie Rhebo, das 2014 von Klaus Mochalski, Frank Stummer und Martin Menschner gegründet wurde, stärken. Rhebo hat sich darauf spezialisiert, industrielle Infrastrukturen vor Angriffen und Fehlerzuständen zu schützen. Eine Firewall hat zwar mittlerweile jedes Unternehmen, diese ist aber nicht ausreichend. Denn die Standard-Software erkennt in der Regel nur bekannte Schadprogramme, ist jedoch machtlos gegen neue Angriffsmuster oder Manipulation über autorisierte Kanäle. Zudem sieht eine Fire­wall nur, was an der Grenze eines Netzwerks passiert. Gegenüber den Vorgängen innerhalb der Infrastruktur ist sie blind. Hier kommt Rhebo mit seiner Softwarelösung ins Spiel: „Unsere Monitoringlösung überwacht und analysiert die Datenkommunikation innerhalb ­industrieller Netzwerke, Netzleittechnik und Leitsysteme. Kommt es zu tech­nischen Fehlern oder un­bekannten Cyberangriffen, werden diese als Anomalie identifiziert und in Echtzeit an die Betreiber gemeldet“, erklärt Kristin Preßler, ebenfalls Geschäftsführerin von Rhebo.

Dieser Ansatz nennt sich Anomalieerkennung und ist auch eine Praxis, die im Frühjahr 2019 vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) empfohlen wurde. „Dieser Zeitgewinn hilft ­unseren Nutzern, Attacken schnell abzuwehren und Schlimmeres zu verhindern. Wichtiger Zusatznutzen: Alle Daten werden gespeichert und für eine Analyse bereitgestellt, damit es nicht erneut zu einer solchen Attacke kommen kann“, so Preßler.

Investoren sind überzeugt

Schlüssige Konzepte und Produkte, die auch die Investoren und Branchenkenner überzeugt haben. Im Frühjahr 2018 erhielten Mochalski und Preßler eine Millionenfinanzierung durch den Stahlkonzern SHS und den in Leipzig ansässigen Ferngasversorger VNG. Beteiligt an dieser bereits zweiten Finanzierungsrunde waren die Wagniskapitalgesellschaft eCapital und der Technologiegründerfonds Sachsen (TGFS). Beide ­Bestandsinvestoren hatten bereits 2016 rund 2,5 Millionen Euro in die Rhebo GmbH gesteckt. Auch international bekommt die Plagwitzer Firma Lorbeeren. Rhebo gehörte laut Branchendienst Gartner schon 2017 zu den weltweit 30 „Marktführern für betriebstechnische Sicherheit“. Die Leipziger waren im Übrigen das einzige deutsche Unternehmen, das im Ranking mit einer vollwertigen Lösung vertreten war.

Von Frank Schmiedel

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