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Wissen Der Tag, als Vlad, der Pfähler, vor meiner Haustür stand
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16:01 16.09.2019
Hausierer werden immer seltener: Haustürgeschäfte gehen zurück. Quelle: mirsad - stock.adobe.com

Neulich klingelte es ungefragt an der Haustür. Draußen stand Vlad, der Pfähler. Er sah jedenfalls aus wie Vlad, der Pfähler. Wie der richtige Mann für Auftragsmorde und Drachenkämpfe. Wenn ich einen Film über einen rumänischen Massenmörder im frühen Mittelalter drehen müsste, wäre das mein Mann. Er tat nicht viel dafür, diesen Ersteindruck zu verwischen, sondern grunzte etwas, das klang wie die Geräusche einer rachitischen Eule, sich dann aber als Variante von „Guten Tag“ herausstellte.

Es war dann doch nicht Vlad, der Pfähler, sondern bloß der Mitarbeiter einer Dachreinigungsfirma. Er bot an, unser Dach zu reinigen. Da fiel mir auf, dass andauernd Menschen an unserer Haustür klingeln, denen unser Haus nicht gefällt. Die wollen den Zaun erneuern oder den Carport ersetzen oder die Fenster auswechseln. Neulich wollte einer die Elektrik modernisieren. Das machte mich stutzig, denn die Elektrik befindet sich bei unserem Haus innen. Entweder, der Mann hat die Elektrik in unserer Abwesenheit inspiziert. Oder er hat ins Blaue geraten, dass bei uns britzelnde, Funken schlagende Kabel aus den Wänden baumeln und offene Kupferleitungen durchs Kinderzimmer verlaufen.

Schlechte Zeiten für Drückerkolonnen

Ich will mich nicht über das Akquiseverhalten anderer Berufsstände erheben. Aber man sagt ja, dem Handwerk gehe es insgesamt gut. Was verrät das über die Qualitäten derjenigen Handwerker, die zur Erlangung von Aufträgen ungefragt an Haustüren klingeln? Mal abgesehen davon, dass es nicht zur Kundenzufriedenheit beiträgt, wenn man potenziellen Dienstleistungsinanspruchnehmern als Erstes erzählt, dass sie in einer abbruchreifen Ruine mit tropfnassen Wänden und elektrischen Leitungen aus der Kolonialzeit hausen.

Menschen wie Vlad, der Pfähler, werden seltener. Haustürgeschäfte stagnieren. Es sind schlechte Zeiten für Drückerkolonnen. Erstens nimmt die Aufklärung zu. Und zweitens sind immer weniger Haushalte tagsüber mit Personal besetzt. Die meisten Menschen arbeiten. Und die Älteren, die sich zu Hause aufhalten, kommen inzwischen so gut mit dem Computer klar, dass sie ihre Stromtarife lieber online vergleichen als mit einem fremden Männlein mit schwitzfeuchter Mappe in den bemoosten Händen.

Mit brennender Fackel vor der Haustür

Erst in diesem Jahr hat etwa das Landgericht Berlin einem Energieunternehmen mit dem schönen Namen Lekker Energie verboten, Haustürwerbung ohne Einwilligung zu betreiben. Es handele sich um eine „unzumutbare Belästigung“.

Ich erklärte Vlad, dem Pfähler, dass uns unser Dach ganz gut gefällt, so wie es ist: gemütlich bemoost und in patinösem Dunkelanthrazitbraungrau. Wo ich aber Hilfe gebrauchen könnte, sei bei der Abwehr von Haustürgeschäften.

Ich stellte mir vor, wie Vlad, der Pfähler, gegen ein angemessenes Handgeld mit einer brennenden Fackel vor unserer Haustür steht und Bofrost-Männer abwehrt. Möglicherweise ein Geschäftsmodell mit Zukunft.

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Von Imre Grimm/RND

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