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Wissen Die Dolly-Methode: „Vater“ von erstem Klonschaf wird 75
Nachrichten Wissen Die Dolly-Methode: „Vater“ von erstem Klonschaf wird 75
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15:55 01.07.2019
Schottische Forscher präsentieren das Klonschaf „Dolly“. Quelle: Science/dpa
Edinburgh

Sein geklontes walisisches Bergschaf war zugleich Sensation als auch Tabubruch. Ian Wilmut ist einer der „geistigen Väter“ des Lamms Dolly. Das Schaf war die erste exakte Kopie eines Säugetiers. Einen biologischen Vater hatte es nicht. Damit legten Wilmut und sein Team den Grundstein für einen Klontier-Zoo. Doch der Erfolg brachte dem Briten, der am 7. Juli 75 Jahre alt wird, auch Ärger ein.

Am 5. Juli 1996 wurde das besondere Lamm Dolly, das nach der Country-Sängerin Dolly Parton benannt ist, geboren und wenige Monate später der staunenden Öffentlichkeit präsentiert. Inzwischen wird die Methode bei vielen Tieren angewandt. So werden etwa in Deutschland für die medizinische Forschung Schweine geklont, die an Diabetes oder Mukoviszidose erkrankt sind. In anderen Ländern entstehen mit der Methode vor allem Pferde und Rinder für die Zucht.

Viele fürchteten, dass bald Menschen geklont werden

Dolly entstand mit Hilfe des somatischen Zellkerntransfers. Um den Klon zu schaffen, entfernten die Forscher vom Roslin-Institut in der Nähe von Edinburgh bei einer Eizelle den Zellkern. An seiner Stelle platzierten sie den Zellkern einer Körperzelle aus einem Schafseuter. Die veränderte Eizelle wurde in einer Nährlösung zur Teilung angeregt und dann einer Ersatzmutter eingepflanzt.

Sir Ian Wilmut, einer der geistigen Väter von Klonschaf Dolly. Quelle: imago images

Viele fürchteten damals, dass der Weg zum geklonten Menschen nicht mehr weit sein könnte. Solche Kopien von Menschen lehnte Wilmut aber bereits kurz nach dem Durchbruch ab: „Wie soll ich damit klarkommen, mit jemandem zusammen zu leben, der genauso ist wie ich?“, fragte er einmal in einem Interview. Auch das Klonen von Tieren wird heute noch oft kritisiert, unter anderem weil viele Versuche scheitern.

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Wilmut half bei der Reproduktion des Ohrs von Vincent van Gogh

Andere feiern Wilmut dagegen nach wie vor wie einen Star. Inzwischen musste der Forscher allerdings zugeben, dass die meisten Experimente sein damaliger Mitarbeiter Keith Campbell gemacht hat. Er selbst sei nun aber einmal der Laborleiter gewesen, betonte Wilmut. Er bekam viele wissenschaftliche Auszeichnungen, darunter auch den renommierten Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Preis.

Wilmut forscht nicht mehr, ist aber als Experte nach wie vor gefragt. So hat er die in Hildesheim geborene Künstlerin Diemut Strebe beraten, die eine Reproduktion des Ohrs vom Maler Vincent van Gogh anfertigte. Zum Einsatz kamen dabei ein 3D-Bioprinter und die DNA eines Nachfahrens vom niederländischen Künstler. Van Gogh schnitt sich das Ohr vermutlich selbst ab. Wilmut sei einer der „beeindruckendsten, unvoreingenommensten und umsichtigsten Menschen“, die sie je getroffen habe, schwärmte Strebe.

Wilmut, emeritierter Professor an der schottischen Universität Edinburgh, unterstützt inzwischen auch eine Forschungsinitiative zur Parkinson-Krankheit. Die „Schüttellähmung“ trifft vor allem ältere Männer – Wilmut ist selbst erkrankt. Ursache für Parkinson ist das Absterben von Nervenzellen im Gehirn. Die Folgen sind neben Zittern unter anderem Gangstörungen.

Dolly steht ausgestopft in einer Vitrine

Und was ist mit Dolly passiert? Ein Leben im Grünen war ihr nicht vergönnt. Das berühmte Schaf lebte – zum Schutz vor Klongegnern und Hagelkörnern – in einem streng bewachten Betonblock und zerkaute Pillen mit Nahrungsmittelkonzentrat. Viel zu jung litt es an Gelenkbeschwerden, später kam eine Lungenerkrankung hinzu. Schließlich schläferten die Forscher Dolly im Alter von sechs Jahren ein. Normalerweise werden Schafe fast doppelt so alt.

US-Sängerin Dolly Parton. Nach ihr wurde das Klonschaf benannt. Quelle: Will Oliver/EPA/dpa

Der Nachwelt blieb sie trotzdem erhalten. Das berühmteste Schaf der Welt steht ausgestopft in einer Vitrine im Königlichen Museum in Edinburgh. Es scheint zu lächeln. Für Wilmut ist Dolly ohnehin „das freundlichste Schaf“ gewesen. Angst vor Menschen habe sie nie gehabt.

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Von RND/dpa

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