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Nachrichten Wissen Ein Faultier beim Kieferchirurgen
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09:55 16.01.2020
Das Faultier hat schon entspannter geschlafen: die neunjährige Oska mit Radiologin Claudia Köhler und Tierarzt Jens Thielebein im CT. Quelle: André Kempner
Leipzig

Der Vorzugsbehandlung ist sich Oska nicht bewusst. Das neunjährige Faultier, dem ein „r“ im Namen gestrichen wurde, seit man weiß, dass es ein Mädchen ist, will einfach nur weg. Sie faucht im Angesicht der Narkosespritze – obwohl die Tierärzte der Veterinärmedizinischen Fakultätder Uni Leipzig doch alles für ihren Unterkiefer tun wollen.

Im Juli haben sie im Tiergarten Bernburggemerkt, dass Oska kaum etwas fraß. In Leipzig fanden die Mediziner den Entzündungsherd. Ein Kieferchirurg pflanzte ihr daraufhin eine Kette aus Antibiotika direkt in den Knochen, um Magen- und Darmflora zu schonen. Jetzt liegt sie in der Röhre eines Spektral-Computertomographen, wie es in Sachsen offenbar keinen zweiten gibt. „Nicht einmal in der Humanmedizin“, sagt Ingmar Kiefer, der die bildgebende Diagnostik der Uni-Kleintierklinik leitet. „Der Knochen ist nicht weiter zurückgegangen“, sieht er bei einem ersten Blick auf das Computerbild. „Das ist gut.“

Größtes Fachtreffen im deutschsprachigen Raum

Wie in Leipzig Hightech zum Einsatz kommt, um Tiere zu behandeln, ist von Donnerstag bis Sonnabend auch Thema beim zehnten Leipziger Tierärztekongress. „Wir bewegen uns da in einem Spannungsfeld“, erklärt Kiefer. „Einerseits wollen wir die Kollegen fortbilden, andererseits haben die Tierärzte im Alltag so ein Gerät natürlich nicht zur Hand.“ Ein Faultier mit Kieferproblemen wohl ebenso wenig.

Damals 500 Gäste, heute 500 Vortragende

Der Leipziger Tierärztekongressfindet mittlerweile alle zwei Jahre statt. Das erste Treffen 1998, damals noch auf dem Gelände der Veterinärmedizinischen Fakultät, hatte 500 Besucher: so viele wie dieses Jahr Vortragende dabei sind.

Seit dem zweiten Kongress 2002 istdieLeipziger MesseMitveranstalter. Darüber hinaus gehören die ostdeutschen Tierärztekammern zu den Organisatoren. Die begleitende Industriemesse trägt seit 2012 die Überschrift „Vetexpo“.

Mehr als 5500 Fachbesucher werden auf der Leipziger Messe erwartet – gut ein Sechstel der rund 30 000 aktiven Tierärzte in Deutschland. Auf der dazugehörigen Industriemesse „Vetexpo“ bauen diesmal 255 Aussteller aus 15 Ländern ihre Stände auf, 64 davon sind erstmals dabei. Premiere haben auch eine Sonderschau über Praxiseinrichtungen und eine integrierte Jobmesse mit weiteren 28 Ausstellern. Der Leipziger Tierärztekongress ist längst das größte Fachtreffen im deutschsprachigen Raum und nimmt diesmal neben dem Congress Center zwei Messehallen in Beschlag, auf 12 000 Quadratmetern. Und nebenan findet passenderweise die Partner Pferd statt.

Wie der Kongress hat sich auch der Beruf ausgeweitet. „Bitte geraderücken: Das Bild des Tierarztes in der Öffentlichkeit“ steht daher als Motto über der Versammlung. „Neben der medizinischen Versorgung gehören Lebensmittelhygiene, Tierschutz und Tierseuchenbekämpfung zu unseren Aufgaben“, sagt Kongresspräsident Uwe Truyen, Direktor des Instituts für Tierhygiene und Öffentliches Veterinärwesen der Uni Leipzig. In einer Doppelfunktion als „Anwalt der Tiere und Verbraucherschützer“ sieht Stephan Koch vom Sächsischen Sozialministerium die Tierärzte. „Ihre Zuständigkeit reicht vom Ferkel bis zur Bockwurst“, formuliert er.

Schwerpunktthema West-Nil-Virus

Selbst Insekten beschäftigen die Veterinärmedizin, wenn auch eher nicht auf dem Behandlungstisch. Doch 2018 wurde in Deutschland erstmals das von Stechmücken übertragene West-Nil-Virus bei Vögeln und Pferden nachgewiesen. 2019 haben sich in Ostdeutschland sogar drei Menschen angesteckt. „Wir sind die einzige Klinik in Deutschland, die infizierte Pferde im Stall hatte“, sagt der Virologe Thomas Vahlenkamp, Dekan der Leipziger Veterinärmediziner. Beim Kongress soll auch das ein Thema werden.

Oska wird dann aber längst wieder in ihrem Gehege faulenzen. „Sie frisst schon fast normal“, sagt ihr Zootierarzt Jens Thielebein. Mit ihren neun Jahren hat sie womöglich noch viel vor sich: Im Hallenser Bergzoo feierte Artgenossin Paula im Sommer den 50. Geburtstag.

Von Mathias Wöbking

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