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Wissen Einser-Inflation: Experten fordern härtere Benotung im Abi
Nachrichten Wissen Einser-Inflation: Experten fordern härtere Benotung im Abi
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14:20 16.09.2019
Abiturienten lesen sich kurz vor Beginn der Prüfung die Abituraufgaben im Fach Deutsch durch. Quelle: Felix Kästle/dpa/imago images/Steinach/Montage RND
Berlin/Kiel

Immer mehr Schüler in Deutschland schließen ihr Abitur mit einer Eins vor dem Komma ab. Hatte 2008 noch jeder fünfte Schulabsolvent (20,2 Prozent) einen Notenschnitt von mindestens 1,9, war es 2018 bereits mehr als jeder vierte (25,8 Prozent), wie die "Rheinische Post" (RP) unter Berufung auf eine von ihr durchgeführte Umfrage in allen 16 Bundesländern berichtete. Den niedrigsten Anteil an Einser-Abiturienten hatte 2018 Schleswig-Holstein mit 17,3 Prozent. Zehn Jahre zuvor waren es 14,9 Prozent.

Gleichzeitig steigt allerdings auch die Zahl derer, die das Abitur nicht bestehen. Seit neun Jahren nehme der Anteil fast stetig zu, vermeldete im März 2019 die Deutsche Presse-Agentur und bezog sich auf eigene Erhebungen. Von 26 Schülern habe zuletzt durchschnittlich einer das Abitur nicht bestanden. 2017 fielen laut einer Statistik der Kultusministerkonferenz etwa 3,8 Prozent der Schülerinnen und Schüler durch die Prüfung, 2009 waren es noch rund 2,4 Prozent.

Thüringen hat die meisten Einser-Abiturienten

Gleichzeitig stieg den Angaben der "Rheinischen Post" zufolge in den vergangenen zehn Jahren der Anteil der Einser-Abiturienten in 15 von 16 Bundesländern. Nur Baden-Württemberg verzeichnete einen leichten Rückgang.

Spitzenreiter ist Thüringen, wo im vergangenen Jahr 37,9 Prozent (2008: 30,5 Prozent) der Schulabgänger Einser-Abi-Noten erreichten. Es folgen Sachsen (2018: 34,6 Prozent / 2008: 22,4 Prozent) und Bayern (2018: 31,5 Prozent / 2008: 24,0 Prozent). Auf dem vorletzten Plätzen landete Niedersachsen (2018: 21,7 Prozent / 2008: 16,1 Prozent).

Was für viele Schüler positiv ist, bewertet der Deutsche Hochschulverband (DHV) negativ. "Wir sehen es mit Sorge, dass die Abiturnoten besser werden", sagte DHV-Sprecher Matthias Jaroch der RP. Der "Noteninflation" müsse Einhalt geboten werden: "Qualität muss Vorrang vor Quantität haben." Schon heute fehlten den Studienanfängern häufig wichtige Grundkenntnisse, etwa in Mathematik.

Mehr lesen: „Es gibt gravierende Mängel, was die Studierfähigkeit zahlreicher Abiturienten angeht“

Steigende Kompetenz oder Rückgang von Leistungsanforderungen?

Bereits Anfang dieses Jahres war das Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) der Frage nachgegangen, warum Abiturienten hierzulande in den vergangenen Jahren immer häufiger eine Eins vorm Komma stehen hatten – und folglich der Frage, ob dieser Anstieg etwas mit dem steigenden Kompetenzniveau der Schüler oder eher mit dem Rückgang der Leistungsanforderungen beim Abitur zu tun habe.

Wäre Ersteres der Fall, so das IW, hätte sich auch eine ähnliche Entwicklung in außer-curricularen Erhebungen des Leistungsstands, wie etwa der Pisa-Studie, wiederfinden müssen. Diese hätten aber ein anderes Bild gezeigt. So sei der Anteil der 15-jährigen Schüler, die etwa im Fach Mathematik ein Höchstniveau erreichten, in den Jahren zwischen 2006 und 2015 sogar von 4,5 auf 2,9 Prozent gesunken und in anderen naturwissenschaftlichen Fächern konstant geblieben.

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Philologenverband fordert strengere Benotung

Ist Abinote gleich Abinote? Vor dem Hintergrund dieser Frage hatte der Deutsche Philologenverband ebenfalls Anfang 2019 angesichts der Inflation von Einserabiturienten eine Überprüfung der Notenvorschriften für das Abitur einhergehend mit einer strengeren Benotung gefordert. Kritik gab es dabei vor allem in Richtung der Kultusministerkonferenz (KMK). So seien die Bundesländer und damit die Lehrerinnen und Lehrer der Notenverordnung für die Oberstufe der KMK unterstellt: Diese habe 2016 beschlossen für weniger erbrachte Leistung, bessere Noten zu vergeben, kritisierte seinerzeit die Vorsitzende des Philologenverbands Susanne Lin-Klitzing in der "Zeit".

Auf die Frage nach dem Fortschritt der Einführung eines bundesweiten Zentralabiturs, um eine bessere Vergleichbarkeit der Leistungen zwischen den Ländern zu erzielen, antwortete Lin-Klitzing "Zwischen den Bundesländern gibt es inzwischen mehr Austausch. Die Vergleichbarkeit wird besser. Aber es gibt immer noch große Unterschiede. So sollten Deutsch, Mathematik, eine Fremdsprache und eine Naturwissenschaft verbindlich in der gesamten Oberstufe belegt werden."

Lesen Sie auch: Mehrheit der Deutschen spricht sich für Zentralabitur aus

In einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov für die Deutsche Presse-Agentur hatten sich erst im Juli 80 Prozent der Befragten für die Einführung eines Zentralabiturs in Deutschland ausgesprochen. Nur jeder Zehnte hingegen hatte einheitliche Prüfungen für das ganze Land abgelehnt.

RND/caro/dpa

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