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Wissen Globaler Artenvielfalt-Bericht ist wesentlich in Leipzig entstanden
Nachrichten Wissen Globaler Artenvielfalt-Bericht ist wesentlich in Leipzig entstanden
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11:14 02.05.2019
Co-Vorsitzender bei der Erstellung des Globalen Berichts: Professor Josef Settele vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung. Quelle: Sebastian Wiedling / UFZ
Leipzig

Sie brüten seit Anfang der Woche in Paris über dem gegenwärtigen Zustand der Artenvielfalt auf der Erde: die Wissenschaftler aus den 132 Mitgliedsstaaten des Weltbiodiversitätsrats (IPBES). Wie bei solchen Konferenzen üblich, ist die wesentliche Arbeit an dem Globalen Bericht, dessen konkreter Inhalt bis zur Verkündung im Unesco-Zentrum kommenden Montag geheim ist, aber bereits im Vorfeld passiert – und zwar zu großen Teilen in Leipzig und Halle. Josef Settele, Agrarwissenschaftler und Insekten-Experte vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) und dem Deutschen Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv), ist einer der drei Vorsitzenden, die organisieren, dass aus der Zuarbeit von mehr als 450 Wissenschaftlern nun ein globaler Bericht zur Artenvielfalt wird.

Drei Jahre hat der Prozess gedauert. Eingeflossen sind nicht nur zwei thematische IPBES-Berichte über die Verschlechterung der Böden im Hinblick auf Ökosysteme und über Bestäuber sowie zwei methodische Arbeiten über Szenarien und Modelle. Darüber hinaus bilden vier regionale Studien über Afrika, Amerika, Asien/Pazifik und Europa/Zentralasien und weitere rund 15 000 Publikationen (aus den mehreren hunderttausend verfügbaren) das Fundament. Darauf stellt Settele mit der argentinischen Biologin Sandra Díaz und dem brasilianischen Anthropologen Eduardo S. Brondízio diesen ersten weltweiten Zustandsbericht seit dem „Millennium Ecosystem Assessment“ der Vereinten Nationen von 2005.

„Ich glaube, dass wir eine sehr gute Wissens- und Entscheidungsbasis für diejenigen geschaffen haben, die in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft Verantwortung tragen“, sagt Settele. Seit langem zeichne sich ab, dass der Insektenschwund und der damit verbundene Artenverlust maßgeblich durch menschliche Landnutzung verursacht sei. „Deren Analyse hat deshalb einen besonders wichtigen Teil der Arbeit ausgemacht“, erklärt der Wissenschaftler.

„Umgehend entscheidende Veränderungen einleiten“

Landschaftsökologe Ralf Seppelt, der ebenfalls am UFZ und im iDiv-Auftrag forscht, ist als Leitautor eines Kapitels beteiligt, in dem es um „Szenarien und Wege in eine nachhaltige Zukunft“ geht. „Uns wurde schnell klar, dass eine Vielzahl von Maßnahmen-Paketen gleichzeitig ergriffen werden müssen“, sagt er. Nicht unbedingt nur eine schlechte Nachricht: „Es liegen ausreichend gesicherte Informationen vor, jetzt und umgehend entscheidende Veränderungen einzuleiten“, so der Fachmann.

Neben den Ökosystemen an Land nimmt der IPBES-Bericht auch die lebensnotwenigen Kreisläufe in Binnengewässern und in den Meeren in den Blick. Veränderungen der biologischen Vielfalt in den vergangenen 50 Jahren und deren Ursachen werde das Papier benennen, heißt es vorab – aber auch anhaltende Wissenslücken. Die Forscher schätzen ab, inwieweit die Weltgemeinschaft aktuell auf dem richtigen Weg ist, um internationale Verpflichtungen in Sachen Artenvielfalt, nachhaltiger Entwicklung und Klimaschutz einzuhalten. Zudem mache der Bericht Vorschläge, wie sich gesellschaftliche Nöte und Ziele mit dem Erhalt von Ökosystemen und Biodiversität in Einklang bringen lassen, und sage vorher, wie es nach verschiedenen Szenarien im Jahr 2050 darum bestellt ist.

Live-Übertragung der Präsentation in Paris am Montag, 13 Uhr: www.ipbes.net

Von mwö

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