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Wissen Starb Rentner an Bakterium? Staatsanwalt ermittelt
Nachrichten Wissen Starb Rentner an Bakterium? Staatsanwalt ermittelt
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11:14 15.05.2019
Petrischalen mit dem Erreger Pseudomonas aeruginosa (grünes schleimiges Wachstum) im Universitätsklinikum Regensburg. Quelle: Armin Weigel/dpa
Köln

Nach dem Fund eines gefährlichen Erregers in einer Kölner Radiologie-Praxis ermittelt die Staatsanwaltschaft. Man prüfe, ob der Tod eines 84-jährigen Rentners auf eine Infektion mit dem Bakterium Pseudomonas aeruginosa zurückzuführen sei, sagte Oberstaatsanwalt Ulrich Bremer. Untersucht werde auch, ob 28 ebenfalls erkrankte Patienten der Praxis mit dem Erreger infiziert sind.

Pseudomonas aeruginosa ist ein in der Umwelt weit verbreiteter Krankheitserreger und kommt im Trinkwasser vor. Er zählt zu den häufigsten Krankenhauskeimen. Er kann unter anderem Lungenentzündungen sowie Harnwegs- und Wundinfektionen verursachen. Weil er verschiedene antibiotische Wirkstoffe unschädlich machen kann, sind Infektionen mit dem Erreger oft schwer behandelbar. Zur Infektion benötigt der Erreger meist eine Eintrittsstelle in den menschlichen Körper – etwa eine Wunde, einen Katheter oder Schläuche zur Beatmung. Die im aktuellen Fall betroffenen Patienten sollen nach einem Bericht des „Kölner Stadt-Anzeigers“ Spritzen in den Rücken bekommen haben.

Ausbruch muss noch bewiesen werden

Professor. Dr. Alexander Friedrich, Inhaber und Direktor des Lehrstuhls Medizinische Mikrobiologie und Infektionsprävention an der Universität Groningen in den Niederlanden sagt zu dem Fall: „Zuerst muss wirklich festgestellt werden, ob die Ursache der Pseudomonas-Infektion bei allen Patienten identisch ist. Der alleinige Erregernachweis Pseudomonas aeruginosa bei den Patienten ist ein deutlicher Hinweis, jedoch kein Beweis. Dies muss durch Keimnachweis und genetischen Fingerprint der Erreger erfolgen. Erst dann ist bewiesen, dass es sich um einen wirklichen Ausbruch handelt. Außerdem muss der Erreger mit identischem Fingerprint in der Umwelt gefunden werden, um die Vermutung einer exogenen Infektionskette sicher aufklären zu können.“

Professor Dr. Gerd Fätkenheuer, Leiter der Infektiologie, Klinik I für Innere Medizin an der Uniklinik Köln und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie (DGI), erläutert: „Die Umstände und der Umfang des Ausbruches sprechen dafür, dass in der betroffenen Praxis ein Hygieneproblem im Rahmen der angewendeten medizinischen Maßnahme aufgetreten ist. Worin dieses Problem genau bestand, ist bisher nicht bekannt. Aus meiner Sicht spielt es dabei keine Rolle, dass es sich um eine Praxis und nicht um eine Klinik handelte, da sowohl hier wie dort dieselben hygienischen Anforderungen für medizinische Eingriffe gelten.“

84-jähriger Patient litt unter Rückenproblemen

Das Gesundheitsamt sei unverzüglich nach Bekanntwerden des Falls eingeschaltet worden, erklärte eine Sprecherin der Stadt Köln. Der ärztliche Geschäftsführer der betroffenen Radiologie-Praxis verwies am Dienstag auf die laufenden Ermittlungen und äußerte sich nicht zu dem Fall. Oberstaatsanwalt Bremer sagte, der 84-Jährige habe sich Anfang des Jahres wegen Rückenproblemen in der Praxis behandeln lassen. Nachdem er eine Spritze erhalten hatte, sei es wiederholt zu Komplikationen gekommen. Nach einer Operation starb er Mitte April an Multiorganversagen. Die Ermittlungen zu dem Fall stünden noch am Anfang, so Bremer.

Dazu ergänzt Prof. Dr. Sören Gatermann, Leiter des Nationalen Referenzzentrums (NRZ) für gramnegative Krankenhauserreger an der Ruhr-Universität Bochum: „Pseudomonas aeruginosa kommt in vielen Quellen von Wasser, auch im häuslichen Trinkwasser vor. Normalerweise verursacht er keinerlei Infektionen, wenn nicht besondere Umstände vorliegen. Solche besonderen Umstände sind typisch bei Patienten in Krankenhäusern und auf Intensivstationen gegeben, weswegen Infektionen dort auch häufiger sind. Treten Infektionen mit dem Erreger in einer Arztpraxis wie berichtet auf, ist man geneigt, Hygienefehler bei dem durchgeführten Eingriff zu vermuten. Ich gehe davon aus, dass die Staatsanwaltschaft mögliche Quellen untersuchen wird. Weitere Äußerungen hierzu wären allerdings Spekulation.“

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Von RND/dpa