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Wissen Kind bei Hitze im Auto gelassen: Darf man die Scheibe einschlagen?
Nachrichten Wissen Kind bei Hitze im Auto gelassen: Darf man die Scheibe einschlagen?
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08:18 08.06.2019
Die Sonne scheint auf parkende Autos: Schon 15 Minuten im heißen Auto können für Kinder und Tiere lebensbedrohlich sein. Quelle: dpa/Britta Pedersen
Hannover

Jedes Jahr im Sommer müssen Rettungskräfte und Polizei Kinder und Tiere vor dem Hitzetod in parkenden Autos retten – denn schon 15 Minuten im heißen Innenraum eines Autos können lebensgefährlich sein. Dennoch wird die Gefahr oft unterschätzt.

Hitze im Auto: Temperaturen steigen schnell auf 50 Grad

Ob bei der Rast auf dem Autobahnparkplatz oder in der Stadt bei einem kurzen Einkaufsbummel – immer wieder unterschätzen Autofahrer die Hitze in parkenden Autos und gefährden damit das Leben der Kinder oder Tiere, die sie dort zurückgelassen haben.

Wie schnell sich der Innenraum aufheizt, zeigt eine Untersuchung des Allgemeinen Deutschen Automobil-Clubs (ADAC): Bei einer Temperatur von 28 Grad haben die Experten drei baugleiche Fahrzeuge in die Sonne gestellt. Bei einem davon waren die Fenster geschlossen, bei dem zweiten war ein Fenster fünf Zentimeter weit geöffnet und bei dem dritten Auto waren zwei Fenster einen Spalt weit offen. Das Ergebnis: In allen Fällen stiegen die Temperaturen im Wageninneren nach nur 30 Minuten auf etwa 50 Grad an. Nach einer Stunde lagen die Werte bereits bei 57 Grad.

Was passiert bei Hitze im Körper?

Steigen die Temperaturen, reagieren wir zunächst, indem wir schwitzen. Der Schweiß auf der Haut verdunstet und kühlt auf diese Weise. Je wärmer es wird, desto mehr weiten sich die Blutgefäße und Arterien, um möglichst viel Blut zur Abkühlung an die Oberfläche zu leiten – unsere Haut wird rot. Übersteigt die Außentemperatur unsere Körpertemperatur, versucht der Körper dagegen zu steuern. Durch weiteres Schwitzen verlieren wir wichtige Körperflüssigkeit. Wenn die Körpertemperatur 42 Grad erreicht hat, stockt das Eiweiß im Blut und die Organe versagen.

Kinder hingegen schwitzen bis zur Pubertät weniger als Erwachsene – sie geben also weniger Wärme ab, da weniger Schweiß verdunstet. Bei extremer Hitze gelingt es dem kindlichen Körper schnell nicht mehr, seine Temperatur genügend herabzusetzen.

Rechtslage: Welche Konsequenzen hat das für Verantwortliche?

Wer den Nachwuchs bei hohen Temperaturen im Auto warten lässt, muss mit rechtlichen Konsequenzen rechnen. „Die Justiz verfolgt Fälle dieser Art eisern“, erklärt Matthias Waldraff, Fachanwalt für Strafrecht aus Hannover. „Schon 15 Minuten können lebensbedrohlich sein. Das unterschätzen viele.“

Die Spezialnorm, die in solchen Fällen greift, heißt in Paragraf 221 des Strafgesetzbuches (StGB) „Aussetzung“. Dort ist verankert, dass derjenige, der einen Menschen in eine hilflose Lage versetzt oder ihn in einer hilflosen Lage im Stich lässt, obwohl er ihn in seiner Obhut hat oder ihm sonst verpflichtet ist beizustehen, mit einer Freiheitsstrafe rechnen muss. „Sind es die Eltern, die ihr Kind in eine solche Situation bringen, müssen sie mit einer Freiheitsstrafe von einem Jahr bis zu zehn Jahren rechnen“, erklärt Waldraff. Das gelte auch, wenn Mutter oder Vater zuvor straffrei waren.

Heißer Innenraum: Auch für Tiere lebensgefährlich

Gefährlich können die Temperaturen in aufgeheizten Autos auch für Tiere werden. Weil Hunde oder Katzen, anders als wir Menschen, nicht schwitzen können, müssen sie sich durch Hecheln Kühlung verschaffen. Bei einer zu hohen Umgebungstemperatur und Luftfeuchtigkeit helfe allerdings auch das nicht mehr, warnt der Berufsverband für Tiergesundheit (BfT). Anzeichen einer Überhitzung bei Tieren seien außerdem glasige Augen, Fieber oder Koordinationsschwierigkeiten. Im schlimmsten Fall drohe der Hitzeschlag.

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Lebensgefahr: Dürfen Passanten die Scheibe einschlagen?

„Passanten, die ein Kind oder ein Tier in einer solchen Situation vorfinden und nicht helfen, machen sich im Zweifelsfall sogar strafbar“, erklärt Waldraff. Vermutet man eine lebensbedrohliche Lage, sollte es als erste Maßnahme gelten, den Notruf zu wählen und der Polizei Informationen zu Ort, Kennzeichen, Marke und Typ des Autos weiterzugeben. „Wenn man weit und breit niemanden sieht, dem das Fahrzeug gehören könnte, und sich nicht zu helfen weiß, kann man die Scheibe einschlagen“, so der Experte.

Bis Helfer kommt: Erste Hilfe leisten

Hat man das Kind aus seiner Lage befreit, muss es sofort in den Schatten gebracht und mit Wasser versorgt werden. Feuchte Tücher auf Stirn, Nacken und um die Waden gewickelt, wirken unterstützend für den Kreislauf. Auch für Tiere gilt: In den Schatten bringen, mit feuchten Tüchern abkühlen und Wasser bereit stellen.

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Von RND / Jessica Orlowicz

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