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Nachrichten Wissen Miethühner halten - so funktionert`s!
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07:00 13.09.2019
Lustige Hühnerbande: Die fünf Legehennen halten Familie Finkbeiner während ihres Aufenthalts gut auf Trab.
Hannover

Wir erleben in dieser Woche auch Tränen und allerhand Trubel, aber dem Anfang der Geschichte lässt sich ein gewisser Humor nicht absprechen: „Die Mietsache umfasst fünf Hühner“, steht im Mietvertrag. Richtig gelesen: Hühner. Diese pickenden, scharrenden, glucksenden Tiere, die für meinen Geschmack nach einer Stunde im Ofen besonders reizvoll sind. Sie sollen für eine Woche (85 Euro) bei uns im Garten wohnen. Wobei die Mietzeit der „Hühnerbande“ variabel ist und bis zu vier Wochen (210 Euro) ausgedehnt werden kann. Im Preis inbegriffen sind Zubehör wie Hühnerstall, Futterautomat, Wassertränke, Sandbad oder Steckzaun sowie Verbrauchsmaterialen wie Hühnerfutter, Einstreu und Sand.

Ein Schwein, ein Rind und noch ein Kind

Jetzt muss vielleicht erwähnt werden, dass ich im Schwarzwald aufwuchs. Wenn Hühner keine Pirouetten auf den Schnäbeln beherrschten, was zugegebenermaßen nie vorkam, fanden sie bei mir wenig Interesse. Bei uns im Dorf gab es auch einen Metzger. Manchmal, wenn ich mit dem Rad in die Schule fuhr, wurde ein Rind oder Schwein zum Seiteneingang hineingetrieben. Und wenn ich aus der Schule zurückkam, schob der Metzger mit einem Wasserschlauch eine Blutpfütze vor sich her, die blubbernd im Gully auf der Straße versickerte. Zum Seiteneingang gingen die Tiere also rein, an der Kühltheke des Geschäfts wurde ich nach einem Einkauf mit einer Scheibe Wurst belohnt. Das war der Kreislauf.

Wie kommt die Wurst in die Hand?

Und jetzt lebe ich eben in der Stadt. Wir haben zwei Söhne, einer ist erst ein Jahr alt, aber Theo wird fünf. Auch ihm wird immer beim Metzger eine Scheibe Wurst unter die Nase gehalten, die er gern annimmt. Über die Herkunft des Lebensmittels ist er aber eher theoretisch im Bilde. Tiere sind für ihn vorwiegend Haustiere, er hat sich auch schon unzählige Male eines gewünscht. Eine Katze, einen Hasen oder einen Hund. Also hielten wir es für eine gute Idee, einmal versuchsweise Hühner zu leihen, auch aus pädagogischen Gründen. Es kann ja dem Kind nicht schaden, wenn es miterlebt, wo ein Ei herkommt, oder wie aufwendig es ist, sich um Tiere zu kümmern und sie zu pflegen.

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Inklusionsprojekt: Eine Hühnerbande für alle

Das war unter anderem auch eine Intention der Evangelischen Stiftung Neuerkerode, die die „Hühnerbande“ als Inklusionsprojekt realisiert. Zu dem Großunternehmen in Niedersachsen gehört auch ein Bauernhof mit Hühnern, Gänsen und Schweinen. Zwar ist der Betrieb bestrebt, mit der Hühnermiete auch Geld zu verdienen - das Angebot steht auch Privatpersonen zur Verfügung - aber vorwiegend ist es für Kindergärten, Schulen oder Seniorenheime gedacht. Bei älteren Menschen, die oft auf dem Land groß wurden, schüren Hühner schöne Erinnerungen. In Kindergärten lässt sich ein Gefühl für den Umgang mit Tieren entwickeln.

Wer die Miethühner auch einmal bei sich aufnehmen möchte, bekommt neben den Hühnern einen Hühnerstall, einen Futterautomaten, eine Wassertränke, ein Sandbad oder Steckzaun sowie Hühnerfutter, Einstreu und Sand.

Damenbesuch: Junge Dinger mit braunem Gefieder

Entgegen unserer Erwartung findet Theo die Idee auch kein bisschen öde, im Gegenteil, seine Aufregung zieht weite Kreise, die Omas wissen Bescheid, Freunde und Kinderbetreuerinnen werden informiert. Und dann sind sie endlich da. Fünf Legehennen, junge Dinger mit braunem Gefieder. Ich hebe Theo in die Umzäunung, die in unserem Garten errichtet wurde und kurz fließen Tränen, weil sich die Hühner nicht von ihm streicheln lassen, aber schon wenige Minuten später spricht er von seinen Hühnern. Auch wenn wir ihn mehrmals auf die dann doch recht eindeutigen Besitzverhältnisse eines Mietvertrages hinweisen.

Ich hebe Theo in die Umzäunung, die in unserem Garten errichtet wurde und kurz fließen Tränen, weil sich die Hühner nicht von ihm streicheln lassen.

Lebendes Geflügel im Salat der Nachbarn

Am Abend blicken wir dann noch einmal auf dieses exotische Bild vor unserem Fenster. Die Hühner picken vor sich hin, eines sogar in unserem Blumenkasten mit Dill. Nein, wir haben die Kräuter nicht im Gehege vergessen. Ein Huhn ist ausgebüchst. Keine Minute später stehen wir im Garten und jagen dem Vieh hinterher. Und mir wird schlagartig klar, weshalb Sylvester Stallone in Rocky zu Trainingszwecken Hühner fangen musste ... Verdammt wendig und flink die Tiere, aber irgendwann haben wir es in die Enge getrieben und zurück ins Gehege verfrachtet. Kurz darauf ist das widerborstige Ding allerdings erneut auf freiem Fuß.

Nein, es nutzt kein Loch im Zaun, es flattert auf das Dach des Stalls und von dort in Freiheit. Also treiben wir in der nächsten halben Stunde alle Hühner in den Stall und sperren sie über Nacht ein. Am nächsten Morgen versetzen wir das Hühnerhaus. Das hält aber Alcatraz, wie wir die Ausbrecherin getauft haben, nicht auf. Ich rufe also bei der Stiftung an und erkläre, dass wir ein Fluchthuhn hätten, eine Unruhstifterin und Querulantin in der Hennengemeinschaft, die nicht wisse, wo ihre Grenzen lägen, was mir grundsätzlich grundsympathisch sei, weil das Salatbeet der Nachbarn wirklich appetitlich ausschaue, aber ich mir demgegenüber nicht sicher sei, ob die Nachbarn lebendes Geflügel in ihrem Salat appetitlich fänden.

Alcatraz muss zurück in den Hochsicherheitstrakt

Ob sich das Tier identifizieren ließe, werde ich gefragt. Selbstverständlich, erwidere ich, es sei etwas schlanker als die anderen und habe, wie auch ein zweites Huhn des Quintetts, ein sehr helles Schwanzgefieder. Das Fluchthuhn wird kurzerhand zum Problemhuhn erklärt. Nur zwei Stunden später wird Alcatraz ausgetauscht und muss zurück in ihren Hochsicherheitstrakt mit 200 anderen Häftlingen. So ist das Leben.

Das Hühnerleben: Früh aufstehen und im Sand baden

Theo ist in diesen zwei Tagen übrigens zu einem Hühnerexperten geworden. Die Erklärungen des Aufbautrupps, die Umgangsregeln, die wir als Ausdruck bekommen haben, und die ich ihm vorgelesen habe: Er hat sich alles gemerkt und gibt die Infos freimütig weiter, vor allem an Freunde und Nachbarn, die unsere Hühnerbande nach und nach besuchen kommen. Er erklärt ihnen, dass der Sand zum Baden da sei, oder dass die Lieblingsspeise von Hühnern Löwenzahn sei. Er weiß, dass die Tiere Frühaufsteher sind, man sie nicht erschrecken darf, ihr Wasser täglich gewechselt werden muss, und dass sich hinten, an einer Klappe am Stall, die Eier entnehmen lassen, allerdings erst im Laufe eines jeden Vormittags.

Ein Wunder: Ein Ei ohne Code und Pappkarton

Die ganze Familie begutachtet stolz das Lebensmittel. Da ist eben einmal keine Barriere mehr, kein Supermarktregal, kein Pappkarton.

Das stimmt übrigens nicht. Keine Eier. Nicht am ersten, auch nicht am zweiten Vormittag. Dabei hatte ich die Zwiebeln für das Omelette schon geschnitten. „Ein Ei ist da!“, brüllt Theo am dritten Morgen, ein Samstag, sodass die ganze Nachbarschaft im Bett stehen muss, und wirklich: Ein Ei liegt im Verschlag, ein simples, ovales, braunes Ei, wie wir es schon tausendfach gekauft haben. Theo ist völlig außer sich, ach was, die ganze Familie begutachtet stolz das Lebensmittel. Da ist eben einmal keine Barriere mehr, kein Supermarktregal, kein Pappkarton. Da ist auch kein Code auf die Schale gedruckt, nur ein fingernagelgroßes Fleckchen Kot, das noch am Ei haftet, und das wir abspülen, bevor wir das Ei in den Kühlschrank legen.

Hannes Finkbeiner füttert seine Miethühner mit eingeweichtem Bäckerbrot, Löwenzahn, Äpfeln, Gurken, Tomaten, Kirschen, Wassermelone, Reis und übrig gebliebenen Vollkornnudeln. Trotzdem legten sie in einer Woche nur zwei Eier.

Und wenn die Hühner sich zu wohl fühlen...

Es ist spätestens ab diesem unmittelbaren Erlebnis auch das Logischste auf der ganzen Welt, für uns alle: Wir müssen die Tiere gut behandeln und sie mit Gutem füttern, damit auch unsere Eier gut werden. Eine einfache Gleichung. Also gibt es erst einmal eingeweichtes Bäckerbrot, das wir eigentlich für Semmelknödel sammeln. Wir pflücken Löwenzahn, es gibt zweimal täglich frische Äpfel, Johannisbeeren (mögen sie nicht), Gurken, Tomaten, Kirschen, Wassermelone, Reis und übrig gebliebene Vollkornnudeln, natürlich aus Hartweizengrieß. Keinen Hühnern ging es wahrscheinlich besser in ihrem Leben, sie genießen einen Fünf-Sterne-Premiumaufenthalt bei uns und sie danken es uns mit sage und schreibe zwei Eiern. In der ganzen Woche.

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Richtig. Undankbare Viecher. Zehn bis 20 Eier kann ein Huhn unter diesen Umständen nämlich im Monat legen. Aber es zeigt eben auch, dass Tiere keine Maschinen sind. Wahrscheinlich ging es den Hühnern bei uns einfach zu gut, man kennt es ja aus dem Urlaub: Wenn man zu oft zu viel isst, kommt man irgendwann nicht mehr aus dem Liegestuhl raus. Zwei Eier also. Wir essen sie gekocht. Wachsweich. Jetzt ließe sich den Eiern viel Geschmack andichten, eine besondere Intensität, einen feinen Schmelz, und das stimmt auch alles irgendwie, weil wir auch sehr bewusst „hinschmecken“. Aber selbst wenn es nicht so wäre, wir hätten trotzdem die beiden besten Eier der Welt gegessen.

Eine Prise Landluft mitten in der Stadt

Und sicher, es geht in dieser Woche auch turbulent zu, die Tiere verlangen ja Aufmerksamkeit. Wir misten täglich den Stall, Theo hilft, meist ohne zu murren. Nach zwei Tagen laufen wir nur noch im Zickzack durch das Gehege, überall ist Hühnerkacke. Am dritten Tag kommen Gummistiefel zum Einsatz und klare Hygieneregeln, wo die Schuhe an- und auszuziehen sind. Es lässt sich sogar eine Prise Landluft im Garten erschnuppern. Und wir jagen Alcatraz hinterher, ein Dutzend Mal. Ja, Alcatraz. Es wurde am Ende doch das falsche Huhn ausgetauscht. Und weil wir nicht ein weiteres Mal die Stiftung anrufen wollen, ertönt ein- bis zweimal am Tag der Schlachtruf: „Fluchthuhn!“ durch die Wohnung und die Familie stürmt in den Garten.

Können wir die Hühner aber vielleicht mal besuchen gehen?

Als wir am Ende unsere nackte Rasenfläche wiederhaben und dem Transporter nachschauen, sagt Theo: „Ich bin traurig.“ Und auch ein hartgeglaubter Schwarzwälder seufzt ein wenig. „Vielleicht bricht Alcatraz ja in Neuerkerode aus und kommt zu uns zurück, ist ja nicht weit“, erwidere ich. Theo lacht. „Du erzählst Quatsch, Papa, oder? Können wir die Hühner aber vielleicht mal besuchen gehen?“

Von Hannes Finkbeiner/RND

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