Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Wissen Überraschende Wende: Wachkoma-Patient Vincent Lambert wird weiter behandelt
Nachrichten Wissen Überraschende Wende: Wachkoma-Patient Vincent Lambert wird weiter behandelt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:25 21.05.2019
Das Foto zeigt Wachkoma-Patient Vincent Lambert, es wurde im Jahr 2015 von seinen Eltern veröffentlicht. Quelle: AFP
Reims

Überraschende Wendung im Fall Vincent Lambert: Ein französisches Berufungsgericht hat die Wiederaufnahme der lebenserhaltenden Maßnahmen von Frankreichs bekanntestem Wachkoma-Patienten angeordnet. Die Ernährung und Flüssigkeitszufuhr müssten vorerst aufrecht erhalten werden, urteilte das Pariser Berufungsgericht am späten Montagabend nach Angaben des Anwalts der Familie und nach Medienberichten. Nun muss ein UN-Ausschuss über den Fall entscheiden.

Ärzte im Uniklinikum Reims hatten die Behandlung von Vincent Lambert am Montagmorgen gestoppt – ein jahrelanger Rechtsstreit war vorausgegangen. Die Eltern des 42-Jährigen wollten den Tod ihres Sohnes mit aller Macht verhindern und gingen gegen die Entscheidung vor.

Ehefrau will Lambert „in Würde gehen lassen“

Lambert war vor rund zehn Jahren bei einem Verkehrsunfall verunglückt und hatte sich schwer am Kopf verletzt. Er befindet sich seitdem in einem vegetativen Zustand. Die Familie hatte sich in Frankreich durch sämtliche Instanzen geklagt, um den Tod ihres Sohnes zu verhindern. Sie scheiterten dort immer wieder und auch vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR), der erst am Nachmittag einen erneuten Antrag der Eltern zurückwies. Das Gericht hatte festgestellt, dass keine neuen Beweise vorgelegt wurden.

Die Familie des früheren Krankenpflegers ist zutiefst zerstritten. Seine Eltern und seine Geschwister sind gegen die Einstellung der Pflege, Lamberts Ehefrau will ihn dagegen „in Würde gehen lassen“. Ihr Mann habe sich nie gewünscht, dass sein Leben künstlich verlängert werde, sagte sie vor einigen Jahren. Eine Patientenverfügung von Lambert gibt es allerdings nicht.

Lambert würde ohne Maßnahmen in wenigen Tagen sterben

Lambert würde nach der Einstellung der lebenserhaltenden Maßnahmen wohl innerhalb weniger Tage sterben. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatte am Nachmittag erklärt, sich nicht in die Entscheidung der Justiz einmischen zu werden. „Alle medizinischen Berichte haben ergeben, dass sein Zustand irreversibel ist“, schrieb er bei Facebook. „Die Entscheidung, die Behandlung einzustellen, wurde nach einem ständigen Dialog zwischen seinen Ärzten und seiner Frau, die sein gesetzlicher Vormund ist, getroffen.“

Das 2014 zur Verfügung gestellte Foto zeigt Tetraplegiker Vincent Lambert (r) und seine Mutter (ohne Namen) im Krankenhaus. Quelle: Photopqr/L'union De Reims/MAXPPP/dpa

Die Eltern von Lambert wurden von zahlreichen Vertretern der katholischen Kirche unterstützt. „Das ist ein großer Sieg des Rechts“, sagte der Anwalt der Eltern, Jean Paillot, zur Entscheidung des Berufungsgerichts. Der Neffe von Lambert sprach laut französischer Nachrichtenagentur AFP von „Sadismus pur“.

UN-Ausschuss muss Entscheidung treffen

Der UN-Ausschusses zum Schutz der Rechte von Menschen mit Behinderungen, der nun entscheiden muss, hatte zuletzt weitere Abklärungen und eine Fortsetzung der Behandlung gefordert. Die Anwälte von Lamberts Eltern argumentierten, dass Frankreich gegen internationales Rechts verstoße, wenn die Entscheidung des Gremiums nicht abgewartet werde.

In Deutschland leben nach Angaben der Deutsche Stiftung Patientenschutz rund 10.000 Menschen mit dem sogenannten apallischen Syndrom, das von schwersten Hirnschädigungen hervorgerufen wird. „Diese Patienten im Wachkoma sind keine Sterbenden“, erklärte Vorstand Eugen Brysch.

Deshalb seien Patientenverfügungen so wichtig. „Der Fall Lambert zeigt, dass schlimmstenfalls jahrelange Streitigkeiten das Verhältnis aller Beteiligten zerrüttet“, sagte Brysch. In Deutschland dürften weder Ehepartner noch Verwandte automatisch über eine Behandlungsbegrenzung entscheiden. „Allein eine schriftliche Vollmacht ermöglicht ein Mitspracherecht.“

Papst: keinen Raum für „Wegwerfkultur“ geben

In Deutschland und Frankreich ist die aktive Sterbehilfe, also einem Menschen ein tödlich wirkendes Mittel zu verabreichen, verboten. Passive Sterbehilfe durch das Abschalten von Apparaten und indirekte Sterbehilfe, bei der starke Medikamente Schmerzen lindern und als Nebenwirkung das Sterben beschleunigen, sind zulässig.

Lesen Sie hier:
Sterbehilfe: Die Entscheidung vor dem Tod

Der Papst forderte am Montag, das „Leben, die Gabe Gottes, vom Anfang bis zum natürlichen Ende“ zu bewahren. Er schrieb auf Twitter, ohne den Fall Lambert direkt zu erwähnen: „Geben wir der Wegwerfkultur keinen Raum.“ Er bete für Menschen, die mit schweren Gebrechen leben.

Von RND/dpa

Weibchen haben in Bonobo-Gruppen eine besonders starke Stellung. Und sie setzen sie resolut ein, um ihren Söhnen zu Nachwuchs zu verhelfen. Mit großem Erfolg, wie Forscher nun berichten.

21.05.2019

Wer seinen Familienurlaub mit dem Auto plant, erwartet vor allem eins: Sicherheit. Die Stiftung Warentest hat 31 Kindersitze getestet. Die meisten Modelle schnitten gut ab, nur eines versagte beim Crashtest – es wurde bereits zurückgerufen.

21.05.2019

Sobald es draußen wärmer wird, ist der Griff zur Grillkohle im Supermarkt oder an der Tankstelle für viele schon fast ein Muss: Woher das Produkt kommt, ist dabei häufig zweitrangig. Doch oft ist es auch gar nicht erkenntlich, was wir da für ein Holz auf den Grill werfen. Die Hersteller in Deutschland sind nicht verpflichtet, dies mitzuteilen und nutzen diese Gesetzeslücke fleißig.

21.05.2019