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Wissen Chinesische Forscher pflanzen Affen menschliche Gene ein
Nachrichten Wissen Chinesische Forscher pflanzen Affen menschliche Gene ein
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15:41 12.04.2019
Rhesusaffen (Macaca mulatta) sitzen im Heidelberger Zoo in ihrem Gehege auf einem Baumstamm. Quelle: Uwe Anspach/dpa
Peking

Chinesische Forscher überschreiten ja gern einmal westliche Moralvorstellungen, wenn es um wissenschaftlichen Fortschritt geht. Das mag wohl auch für die jüngsten Nachrichten aus den Laboren im Reich der Mitte gelten. Denn jetzt haben chinesische Wissenschaftler nach eigenen Angaben versucht, „die evolutionäre Lücke“ zwischen Mensch und Affen zu schließen. Dabei wurden Makaken mit Kopien eines menschlichen Gens versehen, das eine Rolle bei der Entwicklung der menschlichen Intelligenz spielen soll.

Ziel sei es, die Intelligenz des Menschen weiter zu erforschen, erklären die Forscher. Diese Intelligenz ist einer der konsequentesten Innovationen der Evolution – das Ergebnis eines Wettlaufs, der vor Millionen von Jahren begann und zu immer größeren Hirnen und immer ausgeprägteren Fähigkeiten führte. Irgendwann bewegten sich die Menschen dann aufrecht weiter, begannen mit dem Ackerbau und entwickelten die Zivilisation, während unsere tierischen Cousins weiter auf den Bäumen sitzen blieben.

Gen verlängert Hirnentwicklung

„Dieses war der erste Versuch, die Entwicklung des menschlichen kognitiven Denkens zu begreifen, indem wir eine transgene Affen-Type nutzen“, erläutert Bing Su, Genetiker am Zoologischen Institut in Kunming, der das Experiment leitete. Laut den Versuchsergebnissen schnitten die mit menschlichen Genen versehenen Makaken besser bei Gedächtnistests ab, in denen es um Farb- und Formerkennung ging. Zudem dauerte die Entwicklung ihrer Gehirne länger – wie bei Menschen. Unterschiede in der Größe zwischen modifizierten und unmodifizierten Affenhirnen habe es nicht gegeben.

Die Experimente, über die jetzt in einem Pekinger Journal, der „National Science Review“ und in chinesischen Medien berichtet worden war, sind allerdings weit davon entfernt, tiefere Erkenntnisse über die Geheimnisse des menschlichen Verstandes erbracht zu haben. Etliche westliche Wissenschaftler nannten die Experimente verantwortungslos und sagten, genetische Manipulationen von Primaten seien ethisch höchst fragwürdig. Auf dem Feld dieser Manipulationen hat sich China einen technologischen Vorsprung erarbeitet.

„Menschenähnlicheres Verhalten“

Für Sus Studie wurden elf Rhesusaffen Kopien des menschlichen Gens MCPH1 implantiert, das nach Angaben von Su als „wichtiger Marker für Hirn-Entwicklung und Hirn-Evolution“ gilt. Fünf davon überlebten den Eingriff. Die Analyse des Verhaltens der Affen und von deren Physiologie wies ein „menschenähnlicheres Verwalten“ mit besserem Kurzzeitgedächtnis und schnelleren Reaktionszeiten nach als bei der Vergleichsgruppe. James Sikela, Genetiker an der University of Colorado, sagte CNN, er halte diesen Versuch für „einen äußerst riskanten Weg“. Sikela und seine Kollegen hatten schon 2010 in einer Veröffentlichung darauf verwiesen, dass transgene Experimente an nicht-menschlichen Primaten komplizierte ethische Fragen aufwerfen und dass diese „optimierten“ Primaten einem höheren Risiko von Ausbeutung und Schädigungen ausgesetzt seien. „Das Leid, das die Durchführung von derlei Experimenten bei Menschenaffen erzeugt, macht diese ethisch untragbar.

Die Bioethikerin Jaqueline Glover von der University of Colorado verglich das Experiment der Chinesen in der MIT Technology Review mit dem Science-ficion-Film „Planet der Affen“, in dem hochintelligente Primaten die Menschheit unterwerfen. „Sie zu vermenschlichen, heißt, ihnen zu schaden. Wo sollten sie leben und was sollten sie tun?“, fragt Glover. „Erschaffe niemals ein Wesen, das kein sinnvolles Leben führen kann.“

Chinesischer Wissenschaftler wehrt sich und forscht weiter

Su hingegen wehrt sich gegen die westliche Kritik und attackiert speziell Sikela. Es sei verantwortungslos und heuchlerisch, das Forschungsprojekt mit chinesischen Wissenschafts-„Klischees“ zu betrachten. „Den genetischen Mechanismus der Entwicklung des menschlichen Hirns zu erforschen, ist eine der Hauptherausforderungen der Naturwissenschaften – und wir werden unsere Entdeckungsreise fortsetzen.“ Das möchte Su vor allem dadurch, indem er mehr Affen „herstellt“ und neue Gene testet, die für die menschliche Hirnentwicklung verantwortlich sind.

Auf eines hat er bereits einen näheren Blick geworfen: SRGAP2C, eine DNA-Variante, die vor rund zwei Millionen Jahren auftauchte, als der Australopithecus die afrikanische Savanne den Frühmenschen überließ. Das Gen hat die Spitznamen „Menschheits-Schalter“ und „fehlendes Bindeglied in der genetischen Kette“ für seine wahrscheinliche Rolle bei der Entwicklung der menschlichen Intelligenz. Su behauptet, er habe SRGAP2C bereits einigen Affen implantiert, es sei aber zu früh, von Ergebnissen zu sprechen.

Erst im November 2018 hatten chinesische Wissenschaftler für weltweite Proteste gesorgt, als ein Wissenschaftler behauptet hatte, die ersten genmodifizierten Babys der Welt kreiert zu haben, die nun immun gegen das HIV-Virus seien.

Von Daniel Killy/RND

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