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Wissen Forscher lesen aus dem Pinkelsatz der Vorfahren
Nachrichten Wissen Forscher lesen aus dem Pinkelsatz der Vorfahren
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20:22 19.04.2019
Quelle: Andreas Arnold/dpa
Aşikli Höyük

Analysen von frühzeitlichen Urin-Rückständen zeigen: Der Übergang zur Viehwirtschaft verlief in der heutigen Türkei offenbar wesentlich schneller als bisher vermutet. Das haben Forscher mit einem neuen archäologischen Verfahren ermittelt: der Untersuchung des Bodens auf Urin-Rückstände wie Stickstoff, Chlor und Nitrat. Diese Überbleibsel reicherten sich im zentralanatolischen Ort Aşikli Höyük vor etwa 10.000 Jahren in kurzer Zeit stark an, wie das Team um Jordan Abel von der Columbia University in New York im Fachblatt „Science Advances“ berichtet.

Die Umstellung vom Jagen und Sammeln auf Viehwirtschaft sei in Südwestasien vor 11.000 bis vor 8500 Jahren erfolgt, schreibt das Team. In Aşikli Höyük stammen die ersten Hinweise für die Haltung von Schafen und Ziegen aus der Zeit vor etwa 10.450 Jahren.

Konzentrationen von Natrium, Chlor und Nitrat

Um den Übergang genauer zu erforschen, analysierten die Autoren nun 113 Proben aus drei Arealen des Ortes, die etwa 1000 Jahre abdecken - von vor 10.450 bis vor 9450 Jahren. Aus den Konzentrationen von Natrium (Na), Chlor (Cl) und Nitrat (NO3) berechnete das Team dann die Zahl der dort lebenden Menschen und Tiere. Die Kalkulation basiert auf der Annahme, dass tief im Boden der trockenen Region die Konzentrationen von Urin-Rückständen über die Jahrtausende weitgehend konstant geblieben sind.

Demnach nahmen die Konzentrationen vor etwa 10.400 bis vor etwa 10.000 Jahren nur leicht zu. Im Vergleich dazu stiegen sie in der zweiten Phase – vor 10.000 bis vor 9700 Jahren – bis um den Faktor 1000. Das werten die Forscher als Hinweis darauf, dass die Populationen von Menschen und Tieren in kurzer Zeit stark wuchsen. Demnach lebte damals ein Mensch oder Tier pro zehn Quadratmeter. In der dritten Zeitphase sanken die Werte leicht, möglicherweise weil die Haltung der Tiere an die Peripherie des Ortes verlagert wurde.

1790 Menschen und Tiere lebten in der Siedlung

Insgesamt, so kalkulieren die Forscher, lebten in der Siedlung durchschnittlich 1790 Menschen und Tiere. Zwar können die genutzten Verfahren nicht zwischen dem Harn von Menschen und Tieren unterscheiden, Rückschlüsse auf die Zahl der Menschen zogen die Forscher jedoch aus der Größe der Siedlung.

Von RND/dpa

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