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15:50 16.01.2019
In den USA bekommt Mehl zum Wohle der Bürger oft noch eine Vitaminspritze. Quelle: Pixabay (Symbolbild)
Hannover

In den USA bekommt Mehl eine Vitaminspritze – dort wird es seit 1998 grundsätzlich mit Folsäure angereichert. Der Grund dafür: Folsäure ist ein wichtiges B-Vitamin. Es wird für Stoffwechselprozesse im Körper benötigt, für Zellteilung und Wachstum. Folsäure in künstlicher Form einzunehmen ist in der Regel allerdings nicht nötig: Sie steckt zum Beispiel in grünen Salaten, Hülsenfrüchten oder Nüssen, aber auch in Vollkornprodukten, Leber und Eiern.

Nur Schwangere haben einen erhöhten Bedarf an dem Vitamin, ein Mangel erhöht das Risiko für schwere Missbildungen wie einen offenen Rücken beim Embryo. Frauen mit Kinderwunsch sollten Folsäure daher schon einige Monate vor der geplanten Schwangerschaft als Nahrungsergänzungsmittel einnehmen. Weil aber nicht jede Frau daran denkt, ist in den USA eben seit rund 20 Jahren gesetzlich vorgeschrieben, Mehl damit anzureichern.

Gefahr der Überversorgung

Einige andere Länder zogen nach – in Deutschland hat man sich dagegen entschieden. Und das sei auch gut so, sagt Wiebke Franz, Mitglied der Fachgruppe Lebensmittel und Ernährung der Verbraucherzentrale Hessen. „Denn davon würden nur Frauen profitieren, die gewollt oder ungewollt schwanger werden können oder es sind“, sagt sie. Andere Bevölkerungsgruppen hätten keinen Nutzen, es bestünde sogar die Gefahr einer Überversorgung.

Tatsächlich deuten Studien darauf hin, dass ein Zuviel von dem Vitamin sogar die Entstehung von Krebs begünstigen kann. Bei älteren Menschen kann es außerdem die geistigen Fähigkeiten verschlechtern, wenn sie zu viel Folsäure in künstlicher Form zu sich nehmen. Aus den gleichen Gründen lehnte auch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) im vergangenen Jahr eine generelle Anreicherung von Mehl mit dem B-Vitamin ab. Unbestritten bleibt nur, dass Frauen mit Kinderwunsch und Schwangere Folsäure in künstlicher Form einnehmen sollten.

Ein weiteres typisches Staatsprogramm ist die Anreicherung von Milch und Milchprodukten mit Vitamin D. Vitamin D wird zum einen durch die Nahrung aufgenommen, zum anderen vom Körper selbst synthetisiert, wenn wir uns in der Sonne aufhalten. Eine typische Vitamin-D-Mangelerscheinung ist die Rachitis, eine krankhafte Knochenveränderung während des Wachstums. Diese trat häufig zu Zeiten der Industrialisierung auf, als Kinder bei Mangelernährung in Fabriken oder sogar unter Tage arbeiten mussten. Heute ist Rachitis allerdings eher selten.

Streitpunkt Vitamin D

Im lichtarmen Schweden hat die Regierung Lebensmittelproduzenten trotzdem verpflichtet, unter anderem Milch und Margarine das Vitamin zuzusetzen. Wäre es sinnvoll, Vitamin D auch in Deutschland in die Milch zu schütten? „Auf keinen Fall“, findet Verbraucherschützerin Wiebke Franz. „Nutzen und Risiken von Vitamin D werden bisher kontrovers diskutiert, da gibt es viele Unsicherheiten. Außerdem ist Vitamin D fettlöslich und reichert sich bei einer Überdosierung im Körper an, mit unklaren Folgen.“

Das sehen auch das BfR und die Deutsche Gesellschaft für Ernährung so: „Eine generelle Anreicherung von Lebensmitteln mit Vitamin D ist nicht empfehlenswert“, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung. Stattdessen solle man versuchen, ausreichend in die Sonne zu gehen. Eine Nahrungsergänzung mit Vitamin D könne höchsten für Risikogruppen sinnvoll sein: Menschen mit dunkler Hautfarbe, die weniger davon bilden, Säuglinge oder alte, pflegebedüftige Menschen, die sich nicht genug im Freien aufhalten können.

Das Geschäft mit Magnesium und Co.

In Deutschland boomt das Geschäft mit den Nahrungsergänzungsmitteln (NEM). Laut dem Bundesverband der Verbraucherzentralen verwendet jeder Dritte Bundesbürger solche Mittel. Besonders beliebt sind Präparate, die Magnesium, Kalzium und Eisen enthalten. Lebensmittel- und Drogeriemärkte sowie (Internet-)Apotheken setzten laut der Verbraucherzentrale im Jahr 2015 rund 1,1 Milliarden Euro mit den Mitteln um. Nach Einschätzung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DEG) ist der weitaus größte Teil der Deutschen jedoch ausreichend mit Nährstoffen versorgt.

Die DEG rät dringend dazu, dass vor Einnahme von NEM ein Arzt feststellen sollte, ob tatsächlich ein Mangel vorliegt. Eine Selbstmedikation berge gesundheitliche Risiken – zumal Verbraucher sich nicht sicher sein könnten, ob die Mittel wirklich frei von schädlichen Stoffen und Verunreinigungen seien.

Besser ausgewogen ernähren

Auch auf eine künstliche Zugabe von Fluorid ins Trinkwasser wird in Deutschland verzichtet. In Amerika wurde sie eingeführt, um Karies bei Kindern vorzubeugen. Nicht nur ist eine Überdosis Fluorid giftig – weshalb Kinder zum Beispiel keine Zahnpasta schlucken sollen. Selbst den Zähnen tut ein Übermaß an Fluorid nicht mehr gut: Es kann zu gelb-braunen Verfärbungen führen.

Die Gefahr der Überdosierung sei ein grundsätzliches Problem bei der Pflichtanreicherung ganzer Lebensmittelgruppen, sagt Wiebke Franz von der hessischen Verbraucherzentrale: „Den Verbrauchern ist nicht unbedingt immer bewusst, dass sie ein Lebensmittel essen, das angereichert ist. Kommt dann die Aufnahme über ein Nahrungsergänzungsmittel und normale Lebensmittel hinzu, kann die Zufuhr rasch weit über den Empfehlungen liegen.“

Für gesunde Durchschnittsbürger seien Nahrungsergänzungsmittel im Allgemeinen überflüssig, sagt Ernährungsexpertin Wiebke Franz. Wer auf seine Gesundheit achten will, solle sich besser ausgewogen ernähren. Der Vorteil dabei: „Wenn wir Vitamine und Mineralstoffe über herkömmliche Lebensmittel aufnehmen, ist eine Überdosierung normalerweise nicht möglich.“

Von Irene Habich/RND

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