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Nachrichten Wissen Bericht bekundet WWF Lücken beim Schutz der Menschenrechte
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13:18 02.05.2019
Der WWF Deutschland hat vom ehemaligen Menschenrechtsbeauftragen der Bundesregierung interne Kontrollmechanismen und Strukturen untersuchen lassen. Quelle: Jens Kalaene/dpa
Berlin

Nach schweren Vorwürfen gegen den WWF wegen brutaler Wildhüter will sich der deutsche Ableger der Umweltstiftung neue Regeln zur Einhaltung der Menschenrechte bei Projekten geben. Der WWF Deutschland veröffentlichte am Mittwoch eine von ihm in Auftrag gegebene, von externen Experten durchgeführte „Untersuchung der menschenrechtlichen Sorgfaltsprozesse“ und kündigte an, die Empfehlungen umzusetzen.

Dazu gehört etwa, in der Naturschutzorganisation einen Ausschuss für Menschenrechte einzurichten, sowie Schulungen für Mitarbeiter und regelmäßige Berichte zu Menschenrechtsthemen.

Anfang März hatte das Online-Magazin „Buzzfeed“ über schwere Vorwürfe zu Menschenrechtsverletzungen bis hin zu Mord berichtet, die vom WWF mitfinanzierte Wildhüter begangen haben sollen. Der WWF International (World Wide Fund For Nature) mit Sitz in Genf hat Aufklärung angekündigt.

„Vor dem WWF liegt ein anspruchsvoller Lernprozess“

Der rechtlich und finanziell unabhängige WWF Deutschland bat den ehemaligen Menschenrechtsbeauftragten der Bundesregierung, Markus Löning, interne Kontrollmechanismen und Strukturen unter die Lupe zu nehmen. Um konkrete Fälle und Personen geht es im deutschen Bericht also nicht, sondern um Arbeitsweisen.

Im Fazit des Berichts heißt es, der WWF Deutschland habe „eine große Bereitschaft bewiesen, seine Verantwortung für die Achtung der Menschenrechte wahrzunehmen“. Nichtsdestotrotz liege „ein anspruchsvoller Lernprozess“ vor ihm.

Das gut 50-seitige Papier benennt konkrete Versäumnisse: „Menschenrechtsaspekte sind in die Entwicklung von Naturschutzprojekten unzureichend integriert“ und würden „in internen Projektbesprechungen nicht umfassend behandelt“, heißt es beispielsweise. Der WWF verfüge zwar über eine Reihe von Sozialstandards und Richtlinien, deren Ausgestaltung in der Praxis sei jedoch „schwach und inkonsistent“, die Links dazu seien nur „schwer auffindbar“. Deshalb würden Mitarbeiter diese vielfach gar nicht kennen.

WWF sollte soziale Hintergründe nicht ausblenden

Der Bericht nimmt außerdem die Öffentlichkeitsarbeit des Umweltverbands unter die Lupe. Diese lenke die Aufmerksamkeit häufig auf die rabiaten Methoden von Wilderern und die Bedrohungen für Ranger, bilanziert der Bericht. Die sozialen und gesellschaftlichen Hintergründe, die die Wilderei und die mit ihr einhergehende Gewalt beeinflussten, „werden jedoch selten behandelt“.

Der WWF Deutschland erklärte, er wolle die Empfehlungen Schritt für Schritt umsetzen. „Ziel ist es, die Sicherung der Menschenrechte zum systematischeren Bestandteil der Umweltschutzarbeit zu machen.“ Eberhard Brandes, geschäftsführender Vorstand des WWF Deutschland, sagte, die Einhaltung der Menschenrechte sei „Grundlage aller Naturschutzmaßnahmen“. Der Bericht sei „Auftrag und Ansporn“.

Lesen Sie hier:
Vorwürfe gegen WWF: „Sich selbst immensen Schaden zugefügt“

Neues Regelwerk zum Schutz der Menschenrechte

Erste konkrete Schritte kündigte die Organisation bereits an. Ein neues Regelwerk soll nun den Schutz der Menschenrechte von der ersten Planung eines Projekts über die Umsetzung bis zur Auswertung systematischer einbeziehen. Mitarbeiter auf zwei neu zu schaffenden Stellen sollen für das Thema zuständig sein. In bestimmten Gebieten sollen Ranger zusätzlich geschult werden, wo nötig, sollen Möglichkeiten zur Beschwerde für Betroffene verbessert werden.

Im Zentrum der Analyse Lönings standen Projekte in vier Gebieten in Afrika, eines in Kamerun, eines in der Zentralafrikanischen Republik, eines in der Demokratischen Republik Kongo und eines in der Republik Kongo. Es handele sich um einen ersten Überblick, heißt es in der Einleitung des 47-seitigen Berichts.

In vielen Regionen ist Zusammenarbeit schwer

Darin erkennen Löning und sein Team auch besondere Schwierigkeiten des Naturschutzes in manchen Regionen an: Die Arbeit in Ländern mit schwacher Rechtsdurchsetzung und in instabilen Regionen sei zwangsläufig mit bestimmten Herausforderungen und Dilemmata verbunden, heißt es. Der WWF sei auf Zusammenarbeit mit Regierungen und Einrichtungen angewiesen, deren Praktiken nicht immer mit Menschenrechtsnormen übereinstimmten. Ranger in Naturschutzgebieten hätten es mit „professionell ausgerüsteten und schwer bewaffneten Wilderei-Einheiten“ zu tun, weswegen es auch im Naturschutz „militarisierte“ Strategien gebe.

Löning und seine Mitarbeiter sollen den Prozess weiter begleiten. Er war rund vier Jahre lang Beauftragter der Bundesregierung für Menschenrechtspolitik und Humanitäre Hilfe. 2014 gründete er ein Beratungsunternehmen mit dem Schwerpunkt, Menschenrechte in Unternehmensstrategien zu integrieren.

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Von RND/so/dpa

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