Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Wissen Wandern: Schritt für Schritt zur Selbsterkenntnis
Nachrichten Wissen Wandern: Schritt für Schritt zur Selbsterkenntnis
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:36 03.06.2019
Ruhe statt Rastlosigkeit: Wer wandern will, sollte Zeit einplanen und sich in der Gruppe mal zurückfallen lassen, um allein zu laufen. Quelle: unsplash
Hannover

Der eine wandert, um es auf den Gipfel zu schaffen. Der Nächste für die körperliche Fitness. Und manch einem geht es vor allem um das erste Bier danach. Doch wandern kann auch ganz elementar glücklich machen, unabhängig vom Ziel – weil der Mensch sich dabei auf sich konzentrieren kann. Das sagt der Philosoph und Autor Albert Kitzler, der ein Buch zu dem Thema geschrieben hat („Vom Glück des Wanderns“).

Herr Kitzler, macht wandern wirklich glücklich?

Ja, aber natürlich nicht jeden und nicht immer. Es gibt beim Glück keine Patentrezepte, das wäre zu einfach. Es gibt aber viele Elemente eines glücklichen Lebens, die sich in der praktischen Philosophie ebenso wie beim Wandern finden. Die Frage ist nur, was der Einzelne daraus macht.

Welche Elemente sind das – wie funktioniert das Glück durch Wandern genau?

Man kommt zum Beispiel aus dem Hamsterrad raus, aus dem Stress beruflicher, gesellschaftlicher oder familiärer Verpflichtungen. Wandern schafft eine Stille und Distanz zum Alltag – und gibt uns so Gelegenheit, einmal ganz in Ruhe auf uns selbst und unser Leben zu schauen. Es kommt hinzu, dass Wandern in der Natur stattfindet. Da gibt es Gerüche, Geräusche, klare Luft oder schöne Aussichten, die etwas in uns auslösen – wir werden auf unsere natürlichen Wurzeln verwiesen.

Stille und Selbstreflexion – das klingt allerdings so, als sollte man am besten allein wandern.

Albert Kitzler ist Philosoph und Buchautor aus Berlin. Quelle: Verlagsgruppe Droemer Knaur/Foto: Gerhard Kassne

Für den Blick auf mich selbst kann das in der Tat besser sein. Wenn ich in der Gruppe wandere und Alltagsgespräche führe, kommt es häufig weder zur Distanz noch zur inneren Einkehr. Aber natürlich kann ich auch dabei inspirierende Gespräche führen. Und auch in der Gruppe kann ich mich einmal zurückfallen lassen, dreißig Minuten allein laufen, mich den Eindrücken hingeben und besinnen.

Wie lange muss ich mindestens wandern, um diese Glückserfahrung zu machen?

Fünf Minuten in den Park zu gehen kann auch schon wohltuend sein und uns auf andere Gedanken bringen. Das ist aber etwas anderes. Zum guten Wandern gehört schon Distanz und Dauer, es müssen aber nicht immer Sieben-Stunden-Wanderungen sein. Zwei Stunden reichen auch schon, denke ich – alles darunter ist eher ein längerer Spaziergang. Das ist wie bei der Meditation, bei der ich mit zunehmender Dauer häufig tiefer eindringe und andere Bewusstseinszustände erreiche.

Lesen Sie auch: Dem Stress ganz einfach davonlaufen

Muss ich das üben, dieses Wandern zur Selbstreflexion?

Das mag individuell verschieden sein. Aber ich glaube nicht, dass es beim Wandern viel Übung braucht, um mir selbst näherzukommen. Auch eine erste längere Wanderung kann schon eine Revitalisierung der körperlich-mentalen Kräfte und damit neue Ideen und nachhaltige Anregungen bringen.

Welcher Wanderschuh ist der richtige?

Die teure Funktionsjacke ist womöglich verzichtbar, ebenso wie das Hightech-Navigationsgerät. Woran Wanderer allerdings nicht sparen sollten, sind gute Schuhe. Die Vielfalt an Modellen mit Einsatzgebieten von Wald und Wiese bis Matterhorn ist riesig. Welcher Schuh taugt für den persönlichen Anspruch? Viele Hersteller orientieren sich an einem System, das die Schuhe nach ihrem Einsatzzweck klassifiziert. So gibt es Modelle mit den Angaben A, A/B, B, B/C und D.

A steht dabei für einen klassischen Freizeitschuh, der eher für Spaziergänge geeignet ist. Modelle der Kategorie A/B eignen sich für Flachlandwanderungen und Touren im Mittelgebirge und in den Voralpen auf ausgebauten Wegen. Die Schuhe haben bereits einen höheren Schaft.

Kategorie B bezeichnet einen klassischen Trekkingschuh, der für Touren im Gebirge und anspruchsvolle Mittelgebirgswanderungen empfohlen wird. Ein Modell der Klasse B/C ist ein Trekkingstiefel für mittlere Alpineinsätze und Klettersteige. er Unterschied zwischen B und B/C liegt in der Stärke und Dämpfung der Sohle – wobei die Kategorien gewisse Übergänge haben. Eine zu dünne Sohle auf Mehrtagestouren mit Steinen und Geröll könne jedenfalls irgendwann Schmerzen bereiten.

Unter C fällt der alpine Bergstiefel für Hochtouren jenseits der 3000 Meter. Solche Stiefel haben gut sitzende Steigeisen.

Der Profistiefel für extreme Touren ist mit D gekennzeichnet. Diese Bergstiefel sind so fest, dass sich die Sohle praktisch gar nicht mehr abrollen lässt. Man braucht sie etwa, wenn man das Matterhorn erklimmen will.

Wie wichtig ist körperliche Anstrengung für ein Wandern, das glücklich macht?

Das physische Element spielt eine nicht unwesentliche Rolle. Anstrengung setzt Glücksbotenstoffe im Körper frei, die auch mental zu einer Belebung führen und neue Perspektiven eröffnen können. Man kennt das ja, dass man in euphorischen Momenten die Welt oft ganz anders sieht. Erschöpfungszustände braucht man dazu aber nicht.

Auch interessant: Krankmacher Stress: Alarmsignale rechtzeitig erkennen

Und wie wichtig ist es, dass ich beim Wandern ein Ziel erreiche, den Gipfel etwa oder eine bestimmte Kilometermarke?

Selbst gesteckte Ziele zu erreichen ist gut für das Selbstvertrauen und das Selbstwertgefühl – das ist beim Wandern wie bei jedem anderen Sport. Die Selbststeuerungskräfte werden gestärkt. Es kann aber auch ein falscher Ehrgeiz ausgelöst werden, über den man wichtige Ziele aus den Augen verliert: in Ruhe zu sich zu kommen und sich seiner wesentlichen Bedürfnisse wieder bewusst zu werden, Dinge im Kopf zu ordnen und innerlich aufzuräumen. Ich selbst biege auch oft genug vor dem Gipfel ab, wenn ich spüre, es hat gereicht und gutgetan.

Das Buch „Vom Glück des Wanderns“ ist bei Droemer Knaur erschienen (272 Seiten, 16,99 Euro). Quelle: Verlagsgruppe Droemer Knaur

Von RND / Tobias Hanraths

Um den Insektenschwund zu stoppen, kann jeder seinen Beitrag leisten. Insektenhotels schaffen Lebensräume für eine Vielzahl von Insekten und bieten bedrohten Arten Unterschlupf. Mit wenig Aufwand und Resten aus Holz kann ganz leicht ein neues Zuhause für Insekten selbst gebaut werden.

03.06.2019

Eine Schwangerschaft hält Hobby-Kraftsportlerinnen nicht vom Training ab. Viele Frauen wollen auch mit Baby im Bauch weiter Gewichte stemmen und fit blieben. Aber ist das überhaupt gesund?

03.06.2019

Nichts sehen, nichts hören. Etwa 9000 taubblinde Menschen gibt es nach Schätzungen der Bundesarbeitsgemeinschaft der Taubblinden in Deutschland. Unter ihnen sind auch Kinder wie der kleine Lucas.

03.06.2019